In Kalifornien kämpfen die Feuerwehrleute noch gegen die Flammen. Für viele Hausbesitzer beginnt der Kampf mit ihren Brandversicherungen. Foto: AP

Prominente und Normalbürger haben in Kalifornien ihr Heim an die Flammen verloren. Wenn der Rauch verzogen ist, wird die Kluft zwischen Arm und Reich schlimmer als zuvor zu Tage treten.

Malibu - Naturkatastrophen unterscheiden nicht zwischen arm und reich, auch nicht in Hollywood, und so macht sich in Südkalifornien in dieser Woche eine bislang ungekannte Solidarität zwischen der Showprominenz und den Durchschnittsbürgern breit. Wie ihre weniger betuchten Nachbarn standen Miley Cyrus, Gerald Butler und Thomas Gottschalk am Wochenende vor den qualmenden Ruinen ihres Heims in Malibu. Kim Kardashian und Kanye West heuerten eine private Feuerwehr an, um ihr Anwesen zu schützen und wiesen sie an, die gesamte Nachbarschaft zu sichern.

Wenigstens für einen kurzen Augenblick radieren die Brände in Kalifornien die sozialen Unterschiede zwischen den Bürgern aus. Im Angesicht der Feuersbrunst sitzen alle im selben Boot. Doch spätestens, wenn der Rauch verzogen ist und es ans Aufräumen geht, wird die Kluft zwischen Arm und Reich wieder zu Tage treten.

Die Versicherungsprämien sind für viele kaum mehr bezahlbar

Miley Cyrus und die Kardashians sind zweifellos hervorragend versichert. Für viele Andere sind die Prämien in Südkalifornien nach den wiederholten Bränden der vergangenen Jahre kaum mehr bezahlbar. Viele ihrer Nachbarn haben da weniger Glück.

Spätestens seit dem großen Feuer des vergangenen Jahres ist es in Kalifornien schwierig geworden, eine ausreichende Brandversicherung zu erwerben. Die Behörden sagen zwar, dass es heutzutage kaum mehr Hausbesitzer gibt, die keine Versicherung haben. Doch viele der geschätzten 6700 Familien, die jetzt ihr Heim verloren haben, werden ein böses Erwachen erleben, wenn sie in den kommenden Wochen versuchen werden, ihre Ansprüche geltend zu machen.

Nach den vielen Waldbränden der vergangenen Jahre, in denen die Versicherer mehr als 16 Milliarden US-Dollar an Schäden begleichen mussten, hat die Branche die Zügel extrem eng angelegt. Viele Versicherer haben Klauseln in die Verträge eingebaut, welche die Deckung begrenzen, manchmal schon bei 5000 Dollar. Gleichzeitig sind in den vergangenen zwei Jahren die Prämien extrem in die Höhe geschnellt. Im Durchschnitt sind die Beiträge seit 2015 in gefährdeten Gebieten um 217 Prozent gestiegen.

Viele Hausbesitzer haben ihre private Brandversicherung verloren

So erhielt zum Beispiel das in Kalifornien lebende Ehepaar Madryzk nach den Feuern von 2015 eine Benachrichtigung ihrer Versicherung, dass sie nicht mehr versicherbar seien, weil sie in einer Risikozone lebten. Sie erwarben dann doch noch eine neue Versicherung von Llyods in London, die sie knapp 3000 Dollar pro Jahr kostete. Zu Beginn dieses Jahres wurde die Prämie auf 5800 Dollar fast verdoppelt. Zugleich senkte der Versicherer die Versicherungssumme um 200 000 Dollar.

Viele der kalifornischen Hausbesitzer haben angesichts dieser Marktentwicklung ihre private Brandschutzversicherung ganz verloren. Die vom Staat Kalifornien subventionierte Versicherung „Fair“ verzeichnet seit 2015 einen Zuwachs von 35 Prozent an neuen Policen. Ähnliches gilt für den grauen Versicherungsmarkt mit kleineren Versicherungsgesellschaften, die keiner staatlichen Regulierung unterliegen.

Wer aus Geldmangel nicht mehr aufbauen kann, muss fortziehen

Die derzeitige Katastrophe dürfte die Situation noch einmal dramatisch verschärfen. So sagt Carolyn Kousky, Direktorin eines Forschungsinstituts für Risikomanagement an der Wharton Universität, dass Versicherungen in Kalifornien mittelfristig vermutlich gar keinen Brandschutz mehr anbieten werden.

Die Konsequenzen für den Staat könnten dramatisch sein. Die Menschen, die nicht wieder aufbauen können, ziehen fort, die Gemeinden verlieren Steuereinnahmen und müssen in der Folge ihre Dienste einschränken. Die begehrten Wohnlagen in schöner Landschaft werden dann mehr noch als heute schon die Enklaven derjenigen, die sich das Risiko dort zu leben, leisten können.

So wird man in Kalifornien schon sehr bald sehen können, was der Klimawandel rund um den Globus mit sich bringt. Von den Folgen getroffen werden zuerst die sozial Schwächeren. Die Kardashians und Cyrus’ werden hingegen in den schönen kalifornischen Wohnlagen hoch über dem Pazifik immer mehr unter sich sein.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: