Familie Wojnar – das ist von links: Magdalena (10), Dominika (6), Kamila (39) mit Maria (2), Dávid (12), Sławomir (38) mit Jakub (11 Monate), Paulina (4) und Samuel (8) Foto: Eibner/Sandy Dinkelacker

Kamila und Sławomir Wojnar haben sieben Kinder. Vieles ist möglich – auch zu neunt, sagen die beiden Eltern. Sieben Fährrader auf ein Auto spannen? In den Urlaub fahren? Mit der richtigen Organisation und ein bisschen Kreativität ist das kein Problem.

Zwölf Jahre lang Windeln wechseln? Kein Problem für Familie Wojnar aus Schönaich. Sieben Kinder ziehen Kamila und Sławomir Wojnar groß. Der Kleinste, Jakub, ist gerade mal elf Monate alt, der Älteste, Dávid, ist zwölf. Obwohl sie stets zu neunt unterwegs sind, sagen die beiden Eltern: Es geht alles – Alltag, Urlaub, Fahrradtouren. Für das siebte Kind der Familie, den kleinen Jakub, hat der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor kurzem die Ehrenpatenschaft übernommen. Die Urkunde hat Bürgermeisterin Anna Walther der Großfamilie persönlich überbracht.

 

Es ist immer jemand zum Spielen da

Sie haben es tatsächlich geschafft: An einem Dienstag im Januar um 15 Uhr versammeln sich alle neun Mitglieder der Familie Wojnar in ihrem Wohnzimmer. Ein kleines Wunder – neun Tagesabläufe und Termine so zu koordinieren, dass alle Zeit haben, ist gar nicht so einfach. In dem Raum sieht es auch im Januar noch festlich aus: Der Weihnachtsbaum steht in der Ecke eine Krippe ist neben dem Fernseher aufgebaut. Alle Kinder sind in Blautönen gekleidet – perfekt koordiniert fürs Foto. Dávid hält seinen kleinen Bruder Jakub und setzt ihn sich geschwind auf die Schultern. Kein Ton ist von dem Kleinen zu hören, der mit großen Augen in die Kamera schaut. Die einen sind eher schüchtern und beobachten, die anderen albern und übernehmen die Führung. Man merkt es den Wojnar-Kindern an: Zwar gibt es ab und zu Kabbeleien, aber wenn’s drauf ankommt, geben sie aufeinander Acht. „Es ist toll, man hat immer jemand, mit dem man spielen kann“, erzählt der älteste Sohn Dávid. Und immer jemand, mit dem man sich streiten könne, fügt er mit einem verschmitzten Lächeln hinzu.

Vier Kinder sind in der Schule, eines besucht die Kita und zwei sind zu Hause

Vier der Kinder sind mittlerweile in der Schule, eines besucht den Kindergarten und zwei sind noch zu Hause. Kamila Wojnar stammt aus der Slowakei, ihr Mann Sławomir kommt aus Polen. Seit elf Jahren sind sie in Deutschland, seit drei Jahren leben sie in Schönaich. Im Haushalt der Familie werden also fließend drei Sprachen gesprochen. Welche Sprache genutzt wird, hängt davon ab, wer mit wem über was spricht – und das mal sieben. Eine Leistung, die in der Familie ein Normalzustand ist. Dass sie einmal eine große Familie haben wollten, war den beiden schon immer klar. „Als ich noch ein Kind war, wollte ich zehn Kinder haben“, erzählt Kamila. Doch wahrscheinlich bleibt es vorerst bei sieben, sagt die 39-Jährige und lächelt.

Im Alltag ist für die Eltern wahrscheinlich die Bettzeit am stressigsten: „Die Kleinen wollen nicht ins Bett, wenn die größeren noch wach sind“, sagt Kamila Wojnar. Bis alle zur Ruhe kommen, braucht es deshalb ein paar Minuten extra. Auch wenn sie aus dem Haus gehen – und sei es nur zur Eisdiele – müssten sie etwas mehr Zeit einrechnen. Alle müssen angezogen werden, Jacke, Schuhe, einmal noch die Haare kämmen. „Es ist jedes mal ein kleiner Ausflug“, sagt Sławomir Wojnar. Meistens bekommt die Großfamilie positive Reaktionen, wenn sie zu neunt unterwegs sind. Nur einmal kann sich der Familienvater an einen negativen Kommentar erinnern. Doch solche Dinge nehme er mit Humor, sagt er. Vor allem in Italien, wo die Familie schon öfters im Urlaub war, werden die sieben Wojnar-Kinder mit Enthusiasmus begrüßt, erzählen die Eltern.

Kamila Wojnar übernimmt zur Reisezeit die Rolle eines Touristenguides, erzählt ihr Ehemann und schmunzelt. „Wir trauen uns alles“, sagt er. Im Zelt, im Camper (oder zwei Campern, weil nicht alle in einen gepasst haben) – beinahe alles hat die Familie schon ausprobiert. Zuletzt haben sie es mit dem Auto sogar nach Albanien geschafft. Das einzige, das nicht geht, sind Flugreisen – für neun Personen wäre die Rechnung einfach zu hoch.

Sieben Fahrräder auf ein Auto spannen? – Kein Problem

Selbst Fahrradtouren seien kein Problem, erzählt Sławomir Wojnar. Der Nachbar staunte nicht schlecht, als der Familienvater im vergangenen Sommer kurzerhand drei Räder aufs Dach spannte und vier am Kofferraum des roten Vans befestigte. Dann ging es ab an den Bodensee. Solche Ausflüge klappen, weil alle aufeinander achten, vor allem die Großen auf die Kleinen. Zurückgelassen à la Kevin allein zu Haus wurde noch nie jemand. Die Strategie ist ganz einfach: Wenn alle Sitze im Van besetzt sind, sind auch alle da, scherzt Sławomir Wojnar.

Musik spielt in der Familie ebenfalls eine große Rolle: Saxofon, Querflöte, Klavier, Akkordeon – fast jedes Kind spielt ein Instrument, was auch Kamila Wojnar inspiriert hat, ihre Geige wieder auszupacken. „Wir wachsen mit unseren Kindern“, sagt ihr Ehemann. Neue Hobbys und Erfahrungen sind Familiensache: Als Magdalena beispielsweise vom Zehn-Meter-Turm springen wollte, kletterte Sławomir Wojnar kurzerhand mit nach oben und sprang ins Wasser. „Da können wir selbst noch was dazulernen“, sagt er.

Patenschaft des Bundespräsidenten

Ehrenpatenschaft
Wer sieben Kinder oder mehr hat, kann eine Ehrenpatenschaft des Bundespräsidenten beantragen. Über die Gemeindeverwaltungen kann ein Antrag gestellt werden. Die Patenschaft hat symbolischen Charakter und beinhaltet ein Patengeschenk von 500 Euro.

Bedingungen
Eine Ehrenpatenschaft kann nur einmal beantragt werden. Die Patenschaft gilt für das siebte Kind oder bei Mehrlingsgeburten für alle Kinder, die gemeinsam mit dem siebten Kind geboren wurden. Die Geburt darf bei Antragstellung nicht länger als ein Jahr zurückliegen.