An der Schnittstelle von Oststadt, Schlösslesfeld und Oßweil ist ein neues Gebäudeensemble entstanden. Foto: Werner Kuhnle

Im Ludwigsburger Osten haben die Stiftung Liebenau, die katholische Kirche und die Stadt kräftig investiert. Eine große Kita und ein betreutes Wohnangebot für Kinder und Jugendliche sind bereits entstanden, soziales Wohnen soll hinzukommen.

Ein rund 5500 Quadratmeter großes Grundstück im Dreieck zwischen Schorndorfer Straße, Beethovenstraße und Comburgstraße hat ein völlig neues Gesicht bekommen. Wo seither Kirche und Gemeindezentrum St. Paulus hinter Büschen und Bäumen ein eher unauffälliges Dasein fristeten und selbst die dazugehörige Kita wohl nur Kindergartenkindern, deren Eltern oder unmittelbaren Nachbarn bekannt war, hat sich das Areal nun geöffnet. Vor allem in Richtung Schorndorfer Straße, aber auch in Richtung Comburgstraße, von wo aus die Neubauten in der Hartenecker Höhe erschlossen werden. Die Wege zwischen den Gebäuden sind öffentlich zugänglich und barrierefrei, dafür ist der bisherige schmale Fußweg zwischen Beethovenstraße und Schorndorfer Straße weggefallen.

 

Das neue Wohnviertel Hartenecker Höhe sei einer der Gründe gewesen, warum man sich auch optisch geöffnet habe, sagt der Pfarrer von St. Paulus, Heinz-Martin Zipfel. Oder, wie es 2018, als die Planungen begannen, im Ausschreibungstext für den städtebaulichen Wettbewerb hieß: „Durch die Weiterentwicklung des Standortes soll der Kirchenstandort gestärkt werden und über die Wegebeziehungen sowie über die neu entstehenden Gebäude als städtebauliches Zentrum im Quartier Teil eines lebendigen, inklusionsorientierten Netzwerkes werden, das einladend gestaltet ist und auch von der Schorndorfer Straße als solches erkannt wird.“

Ein Glücksfall für alle Beteiligten

Das ist gelungen – und das, obwohl die Bestandsbäume dafür nicht weichen mussten und sogar einige neue gepflanzt wurden. Ein Glücksfall auch, dass sich dort zudem Raum für die Stiftung Liebenau fand. Denn der Landkreis Ludwigsburg war, als die Überlegungen in der katholischen Kirchengemeinde begannen, gerade auf der Suche nach Partnern, um jungen Menschen mit Behinderung wohnortnah ein Angebot machen zu können, wie es von der EU vorgeschrieben wird. Und die Stiftung schaute zeitgleich nach Orten, an denen man weitere entsprechende Angebote umsetzen konnte.

Insgesamt wurden 18,5 Millionen Euro investiert

Insgesamt wurden auf dem Gelände, dessen größter Teil zuvor in städtischem Eigentum war, stattliche 18,5 Millionen Euro investiert. Jeweils 6,7 Millionen für die Kita oder vielmehr das Kinder- und Familienzentrum und das „junge Wohnen – betreutes Wohnen für Kinder und Jugendliche mit Behinderung“ der Stiftung Liebenau auf 1332 Quadratmetern Gesamtfläche. Die sieben, jeweils 100 Quadratmeter großen Wohnungen, die in Richtung Comburgstraße derzeit im Bau sind und bis Mitte 2025 fertiggestellt werden sollen, dürften mit 3,6 Millionen Euro zu Buche schlagen. Hier sollen laut Bernhard Hösch, dem zuständigen Bereichsleiter der Stiftung Liebenau, künftig Menschen „aus dem sozialen Setting“ einziehen, etwa Studenten oder Mitarbeiter im Sozialbereich. Das Gemeindezentrum und das Umfeld wurden bereits von 2019 bis 2021 renoviert – für 1,5 Millionen Euro.

„Wir waren mit Stadt und Stiftung in enger Abstimmung“, erzählt Pfarrer Zipfel. Mitunter habe es dabei auch „harte Diskussionen“ gegeben. Der Stadt sei daran gelegen gewesen, an dieser markanten Stelle, deren Grünbereich einen Teil des sogenannten „grünen Rings“ in Ludwigsburg bilden soll, Gebäude zu haben, die sich von der Umgebungsbebauung absetzen – auch im Hinblick auf den nahe gelegenen Fuchshof, wo ebenfalls höher als in der Nachbarschaft gebaut werden soll.

Inklusion mitten in der Stadtgesellschaft

Stefanie Kern, die Einrichtungsleiterin des betreuten Wohnens, freut sich, dass man mit dem Standort mitten im Stadtleben ist. „Das ist ein tolles Lebensgefühl für alle. Wir freuen uns, dass wir hier so gut aufgenommen worden sind.“ An Halloween sei man schon mit den Kindern und Jugendlichen von Haus zu Haus gezogen, auch am Vereinsleben sollten sie teilnehmen. In den Wohngruppen für die derzeit 11, später 25 jungen Bewohner aus dem ganzen Landkreis Ludwigsburg gibt es Einzelzimmer und einen Gemeinschaftsraum, wo gespielt, gekocht und auch mal ferngesehen wird.

Großzügigkeit im Kinder- und Familienzentrum

Sichtlich wohl fühlen sich auch die noch Jüngeren im Kinder- und Familienzentrum. Großzügige, helle Räume mit Holz und warmen Farben; auf dem Spielplatz mit Klettergerüst, Rutsche und Sandkasten soll bald eine Matschecke in Betrieb genommen werden, wovon die bunten Gummistiefel in einem Extraraum zeugen. Zudem gibt es unter anderem einen Bewegungsraum, ein Rollenspielzimmer, in dem man sich in eine Prinzessin oder einen Handwerker verwandeln kann, ein Kinderrestaurant, in dem auch die Eltern noch kurz einen Kaffee trinken können, wenn sie beim Bringen des Nachwuchses noch so viel Zeit haben, Schlafzimmer und Ruheraum, ein großes Atrium und natürlich auch Gruppenräume.

Auf großen Anklang stoßen auch die bodentiefen Fenster im Atrium, sagte Heinz-Martin Zipfel mit einem Schmunzeln. Auf den Holzfenstersimsen sitzen nämlich immer mal wieder Kinder und winken fröhlich zur nahen Bushaltestelle hin.

Am kommenden Wochenende wird die Einweihung des Komplexes groß gefeiert. Die Feierlichkeiten am Freitag und am Sonntag stehen unter dem Motto: „Lasst uns miteinander singen, loben, danken.“

An zwei Tagen wird gefeiert

Freitag
 Um 11 Uhr gibt es einen Festakt in der Kirche St. Paulus, anschließend wird ein Baum gepflanzt, es gibt die Möglichkeit zur Besichtigung der Gebäude und zur Begegnung. Um 17.30 findet im Atrium des neuen Kinder- und Familienzentrums ein Dialogforum zum Thema „Kinder und Jugendliche in der Gesellschaft von heute“ statt.

Sonntag
 Beginn ist um 11 Uhr  mit einem Gemeindegottesdienst, anschließend gibt es Mittagessen und Kaffee im Gemeindezentrum, einen Tag der offenen Tür im Kinder- und Familienzentrum und im Haus „Junges Wohnen – betreutes Wohnen.“