Der Grünen-Stadtrat Aytekin Celik ist am Montag im Alter von 50 Jahren gestorben. Foto: Stadtjugendring

Die große Trauer um den Grünen-Stadtrat Aytekin Celik zeigt, wie beliebt er war. „Er ist nicht tot, er hat uns verlassen“, sagt seine Schwester. Celiks letzter Wille war es, im Star-Wars-Kostüm beerdigt und mit seiner DNA ins All geschickt zu werden.

Stuttgart - Am 16. März 2019 bekam Aytekin Celik die niederschmetternde Krebsdiagnose. Es war ein Schlag aus heiterem Himmel. „Mein Bruder war immer gesund“, sagt seine Schwester Güldane Ö. im Gespräch mit unserer Zeitung. Wenn so eine Nachricht vom Arzt einen trifft, verliert man den Boden unter den Füßen. Die Welt bricht entzwei.

Anderthalb Jahre lang hat Güldane Ö. ihren jüngeren Bruder begleitet. Sie ging zu fast jeder Untersuchung mit, war dabei, als er am Montagmorgen um 5. 19 Uhr in der Palliativstation des Katharinenhospitals nach harter Leidenszeit mit dem Atmen aufgehört hat. Davor hat sie mit den Bruder ganz genau besprochen, wie die Beerdigung ablaufen soll. „Schreiben Sie nicht, dass er tot ist“, bittet die Schwester, „schreiben Sie, er hat uns verlassen.“ Im All werde sie ihren geliebten Aytekin, der ein ganz außergewöhnlicher Mensch gewesen sei, wie sie nun von allen Seiten hört, wiedersehen.

Die DNA wird 2022 ins Weltall geschickt

Der letzte Wille des Bildungsreferenten beim Stadtjugendring war es, dass seine DNA ins Weltall geschickt wird und dort im Weltraum verbleibt. So werden die vielen Freunde von Aytekin Celik ihn immer über sich wissen, wenn sie in den Himmel schauen. Güldane Ö., eine starke Frau mit großer Bruderliebe, hat alles genau so organisiert, wie er sich dies gewünscht hat. Als die Kapsel aus den USA kam, mit der er 2022 auf der Enterprise in Houston seinen letzten Weg startet (einen früheren Termin gab es nicht, so sehr sind Bestattungen im Weltraum mittlerweile gefragt), hat die Schwester diese zu ihm ins Krankenhaus gebracht. Er wollte sich die Kapsel nicht mehr anschauen, war nur froh, dass es klappen wird.

In die Kapsel kommt nicht die Asche von Aytekin Celik, sondern sein Speichel. Die Weltraumbestattung, von einer US-Firma angeboten, ist eine sehr seltene und teure Bestattungsart. Entweder wird DNA oder ein kleiner Teil der Asche, etwa sieben Gramm, in eine Minikapsel gefüllt und diese gemeinsam mit anderen Kapseln an Bord einer Trägerrakete in den Weltraum geschossen. Weil diese Flüge sehr selten sind, kommt es zu langen Wartezeiten.

„Mit 50 Jahren ist er zu jung für den Sarg“

Über die riesengroße Anteilnahme freut sich Güldane Ö. Ihr Bruder, hört sie immer wieder, sei ein feiner Kerl gewesen, liebenswert, herzlich, humorvoll, feinfühlig, hilfsbereit, engagiert, optimistisch und immer zuverlässig. „Mit 50 Jahren ist er zu jung für den Sarg“, sagt die Schwester. Der letzte Wunsch des Science-Fiction-Fans war es, im Kostüm des Jedi-Ritters Obi-Wan Kenobi, des Guten in „Star Wars“, samt Schwert beerdigt zu werden. Die Söhne Silvan und Deniz Can von Güldane Ö. haben ihr geholfen, das richtige Schwert aus der Fülle seiner Sammlung zu finden. Die Beerdigung ist am Freitag nächster Woche in Vaihingen.

Ein Star-Wars-Fan der ersten Stunde

Die Star-Wars-Filme haben Aytekin Celik, der 1970 in der Türkei geboren ist und als Dreijähriger mit den Eltern nach Geislingen gezogen ist, schon in früher Jugend in den Bann gezogen. Als Star-Wars-Fan der ersten Stunde bezeichnete er sich. Intensiv hat er sich mit dem Stoff, den Figuren und Mythen rund um diesen fiktiven Krieg der Sterne beschäftigt. Für den Stadtrat war „Star Wars“ wie kaum ein anderes populäres Filmwerk geeignet, sich mit dem Wesen der Demokratie zu beschäftigen und junge Leute für Demokratie zu sensibilisieren. „Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf“, sagte Celik einmal in einem Vortrag über das Filmepos.

Seine gute Laune und Liebe bleiben der gesamten Familie

Noch etwas ist Güldane Ö. wichtig, was die große Trauergemeinde wissen sollte. „Mein Bruder war bis zuletzt klar bei Verstand“, sagt sie, „sein Wissen und seine Weisheit konnte man auch noch in der Palliativ-Station spüren.“ Aytekin Celik lehnte es ab, mit Morphium die Schmerzen zu verlieren. „Er wollte uns mit vollem Bewusstsein verlassen, nicht vernebelt sein“, berichtet die Schwester, „er sagte, er will mich immer noch erkennen, wenn ich zu ihm komme.“ Sie kam jeden Tag, war dabei, als ihr Bruder am Montagmorgen sagte, er wolle jetzt gehen. Sie solle erst dann die Pflege informieren, wenn er nicht mehr atme. Auch diesen Wunsch hat Güldane Ö. ihm erfüllt. Seine gute Laune, sein Humor und sein Liebe würden ihr und der gesamten Familie immer bleiben.

Möge Aytekin Celik in Frieden ruhen im All! Bald hat er den Blick auf zwei Welten. Seine Liebe wird wie ein Stern leuchten.

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