Klicken Sie sich durch die Bilder von den Abrissarbeiten. Foto: Eyb

Bei der Lagerhalle, die bei einem Brand zerstört wurde, haben die Abrissarbeiten begonnen.

Ludwigsburg - Wunderland ist abgebrannt: Das mit viel Vorschusslorbeer gestartete Ludwigsburger Energetikom ist in der Nacht zum Mittwoch einem Großfeuer zum Opfer gefallen. Bei dem Brand in der Weststadt ist ein Schaden von mehreren Millionen Euro entstanden, die Ursache für die Flammen ist bislang unklar.

Bilder von der Nacht

Als die Feuerwehr kurz vor drei Uhr in der Ludwigsburger Rheinlandstraße eintraf, war die geplante Denkfabrik für innovative Energieprojekte schon nicht mehr zu retten: Begünstigt durch den starken Wind hatten sich die Flammen schlagartig ausgebreitet. Die einst von der Firma Ziemann zur Produktion von Brauerei-Kesseln genutzte Halle brannte lichterloh. Für die mit acht Löschzügen und 180 Wehrleuten ausgerückte Feuerwehr ging es nur noch darum, ein Übergreifen der Flammen auf die Nachbargebäude zu verhindern.

Vom starken Funkenflug bedroht waren vor allem ein auf Küchen spezialisiertes Möbelhaus und ein nahe liegender Einkaufsmarkt. Für den unter dem Namen Halle 2z bekannten Sitz des Energetikoms hingegen kam jede Hilfe zu spät - den Einsatzkräften blieb laut Polizeisprecher Peter Wiedenhorn nichts anderes übrig, als das Gebäude "kontrolliert abbrennen" zu lassen. Dennoch verletzten sich zwei Wehrleute bei dem Einsatz, ein Helfer brach sich bei einem missglückten Sprung den Oberschenkel.

Was aus dem Kompetenzzentrum wird, ist unklar

Bemerkt worden war der Großbrand im Industriegebiet von einem Anwohner, der gegen 2.45 Uhr das Geräusch berstender Scheiben gehört hatte. Die Ursache für das Feuer ist nach Polizeiangaben noch völlig unklar. In der umgebauten Halle 2z sollte im Juli ein Kompetenzzentrum für Energie, Umwelttechnik und Ökodesign eröffnet werden. Neben dem Energetikom sollten zehn weitere Firmen in dem Gebäude unterkommen. Laut der Ludwigsburger Rathaus-Sprecherin Susanne Jenne hatte eine Werbeagentur für die nächsten Wochen ihren Einzug geplant. Jetzt ist die Halle bis auf die Grundmauern niedergebrannt und wurde am Mittwoch zum Teil abgerissen. "Angesichts der einmaligen Architektur der umgewandelten Industriehalle bedeutet die Vernichtung durch den Brand einen dramatischen Verlust", erklärte OB Werner Spec in einer ersten Reaktion.

Beim von der Stadt und dem Investor Max Maier initiierten Umbau des neuen Domizils war ein äußerst innovatives Konzept vorgesehen. Die Hülle der gut 80 Meter langen und 50 Meter breiten früheren Fabrikhalle sollte als Wärmepuffer erhalten bleiben. Im Inneren des Areals wurden in den vergangenen Monaten vor allem aus Holz zwei neue Gebäude errichtet. Laut der Projektleiterin Tanja Lukasik wurde dieses sogenannte House-in-House-Konzept als vorbildliches Beispiel für auch energetisch sinnvolles Flächenrecycling von der EU mit 600000 Euro gefördert. Die Stadt sprach bei der Vorstellung des Energetikoms im Oktober von einem "Leuchtturmprojekt".

Unklar ist nach dem Brand, was aus den Plänen für das Kompetenzzentrum wird - und ob die zugesagten Fördermittel auch für einen Ersatzbau verwendet werden können. Laut OB Spec will sich die Stadt kurzfristig nach einem neuen Standort für das Kompetenzzentrum umsehen - schon wegen der Dynamik, die das Energetikom entwickelt habe. An der Idee, verschiedene Dienstleister und Ingenieurbüros aus der Energiebranche unter einem Dach zu bündeln, soll auch nach dem Brand festgehalten werden. Neben Privatfirmen und der Stadt ist auch die vom Landkreis ins Leben gerufene Energieagentur am Trägerverein beteiligt. Für die Wirtschaftsförderung der Region soll der für Energiefragen zuständige Taj Kanga in den ersten drei Jahren das Geschehen vor Ort koordinieren.

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