Experten und Freiwillige säubern einen Strand in der Nähe Athens Foto: AP

Nach dem Untergang eines Tankschiffs im Saronischen Golf droht Griechenland ein ökologisches Desaster.

Athen - s sind warme Spätsommertage in der griechischen Hauptstadt Athen. Am Donnerstag stieg das Thermometer auf 33 Grad. Aber die Strände im Süden der Metropole, an denen noch vor wenigen Tagen zahllose Besucher Sonne und das Meer genossen, sind menschenleer. Eine schwarze Ölschicht bedeckt das Wasser. Von den trägen Wellen herangespült, türmt sich die klebrige Masse an den Sandstränden auf und setzt sich an den Klippen fest. „Die Saison ist gelaufen“, sagt Markos Deligiannis, der im Athener Küstenvorort Glyfada ein Strandcafé betreibt.

Begonnen hatte das Unheil am vergangenen Sonntag, als das Tankschiff Agia Zoni II vor der Insel Psyttaleia im Saronischen Golf aus bisher ungeklärter Ursache sank. Die Besatzung konnte sich retten. Der Tanker, der Handelsschiffe mit Treibstoffen versorgt, hatte 2200 Tonnen Schweröl und 370 Tonnen Marinediesel geladen. Wie viel von der Ladung bereits aus dem gesunkenen Tanker ausgetreten ist, war am Donnerstag noch unklar. Experten schätzen, dass inzwischen mindestens 300 Tonnen Öl und Diesel ins Meer geströmt sind.

Zuerst machte sich das Öl an der Küste von Salamis bemerkbar. Inzwischen hat sich der Ölteppich bis nach Piräus sowie an die Strände der Küstenvororte Agios Kosmas, Alimos, Elliniko und Glyfada ausgebreitet. Der Bürgermeister von Glyfada, Giorgos Papanikolaou, rief die örtliche Bevölkerung und die Touristen auf, sich von den Stränden fernzuhalten. Je nach Windrichtung könnte jetzt auch den beliebten Badeorten Voula, Vouliagmeni und Varkiza eine Ölpest drohen.

Säuberung der Strände könnte Wochen dauern

Die Opposition und Kommunalpolitiker werfen der Regierung vor, sie habe die Gefahr, die vom Untergang des Tankers ausging, unterschätzt und zu spät gehandelt. Der Generalsekretär des Marineministeriums, Dionysis Kalamatianos, wies die Vorwürfe zurück. Umweltorganisationen bleiben aber bei ihrer Kritik. Greenpeace stellt die Frage: Wenn schon der Untergang eines relativ kleinen Tankers wie der Agia Zoni II eine solche Katastrophe auslöse, wie seien dann die Behörden auf ein größeres Unglück vorbereitet? Der Saronische Golf wird täglich von Öltankern durchquert. Sie laufen die Raffinerien von Aspropyrgos und Korinth an. Es sei nicht die Frage, ob sich eine weitere Havarie ereigne, sondern wann, sagte Greenpeace-Sprecher Takis Grigoriou.

Die Organisation verbreitete eine Luftaufnahme. Sie zeigt Greenpeace-Aktivisten, die in einer ölverschmierten Bucht ein großes Transparent ausgebreitet haben. Darauf steht: „Demnächst auch an einem Strand in ihrer Nähe“. Während sich am Donnerstag Taucher bemühten, den gesunkenen Tanker abzudichten, unterstützen in Glyfada viele Freiwillige die Arbeiter der Gemeinde dabei, die Teerklumpen und den ölgetränkten Sand von den Stränden abzutransportieren.

Die Säuberung der Küste könnte Wochen dauern. Die ökologischen Folgen für die Meeresfauna sind noch gar nicht absehbar. Hunderte Wasservögel sind bereits qualvoll verendet.

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