Die Griechin Athina Giastas lebt seit August wieder in Bad Foto: Annina Baur

Der Ochi-Tag ist der zweitwichtigste griechische Nationalfeiertag. Für die in Bad Cannstatt lebenden Griechen spielt er jedoch kaum eine Rolle.

Bad Cannstatt - Manchmal dürfen Sonntagskleider auch montags ausgeführt werden. Zum Beispiel, wenn der Ochi-Tag auf einen Montag fällt – wie in diesem Jahr. „Am Ochi-Tag feiern wir das Nein-Sagen“, sagt die Griechin Athina Giastas, die in Deutschland aufgewachsen ist, zehn Jahre lang in Griechenland gelebt hat und seit August dieses Jahres wieder in Bad Cannstatt wohnt, wo sie im griechischen Restaurant ihres Bruders arbeitet.

„Ochi“ ist das griechische Wort für „Nein“ und war am 38. Oktober 1940 dies Antwort des damaligen griechischen Regierungschefs General Metaxas auf ein Ultimatum Mussolinis, der an diesem Tag mit italienischen Truppen in Griechenland einmarschierte und diese an strategisch wichtigen Punkten des Landes stationieren wollte. Es war der Beginn des griechisch-italienischen Krieges. Der 28. Oktober ist seither nach dem 25. März, der an die Befreiung Griechenlands von der osmanischen Herrschaft erinnert, der zweitwichtigste Nationalfeiertag des Landes. In ganz Griechenland wird an diesem Tag auf öffentlichen Plätzen gefeiert.

Die größte Feier ist in Thessaloniki

„Staatsangestellte haben frei und die Schulen bleiben geschlossen“, sagt Athina Giastas. Die Schülerinnen und Schüler tragen zur Feier des Tages weiße Blusen und Hemden sowie schwarze Schürzen und Hosen und marschieren auf den Schulhöfen zu kleinen Paraden auf. „Der beste Schüler trägt die griechische Flagge“, erzählt Giastas. In den meisten Städten werden die Straßen für weitere Paraden gesperrt und in den Landesfarben Blau und Weiß geschmückt. Die größten Feierlichkeiten steigen in Thessaloniki: Zur großen Militär- und Schülerparade auf der Leoforos Megalou Alexandrou, der offiziellen Militärparade des Ochi-Tages, kommen auch der Staatspräsident, der Ministerpräsident und viele Regierungsmitglieder.

Nach den Paraden feiern die Menschen mit Freunden und Familien weiter, gehen Kaffee trinken und essen. „Es ist ein fröhliches Fest“, sagt Athina Giastas. Gleichwohl dürfe man den ernsten geschichtlichen Hintergrund nicht vergessen: „Es ist wichtig, aus der Geschichte zu lernen“, findet Giastas. Gerade die junge Generation wisse heutzutage kaum noch etwas über die Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs. „Der Ochi-Tag ist eine gute Gelegenheit, sich zu erinnern und zu informieren.“ An diesem Tag würden im griechischen Fernsehen Filme gezeigt, die sich mit dem Thema beschäftigten und Überlebende des Kriegs schilderten ihre Erfahrungen. Auch in den Schulen sei der Nationalfeiertag Anlass, sich mit dem Thema zu beschäftigen.

In Deutschland spielt der Feiertag keine Rolle

Für die in Deutschland lebenden Griechen sei der Ochi-Tag meist kein Thema. „Vor allem diejenigen, die schon sehr lange in Deutschland leben, kennen viele Traditionen selbst kaum“, sagt Giastas. Sie fände es aber auch komisch, hier in ihrer neuen Heimat den griechischen Nationalfeiertag zu begehen: „Dafür muss man am Ort des Geschehens sein.“

Cannstatter Griechen

Infrastruktur Bad Cannstatt sei „eine der größten griechischen Städte außerhalb Griechenlands“, ist manchmal zu hören. Über den Wahrheitsgehalt dieser Aussage lässt sich wahrscheinlich streiten. Fakt ist: Rund 4000 Griechen leben in Stuttgarts größtem Stadtbezirk und stellen damit eine große Gruppe. Die griechische Infrastruktur reicht von Anwälten und Ärzten über Restaurants und Cafés bis hin zu Lebensmittel- und Blumengeschäften, Friseuren und Bäckereien.

Herkunft Die meisten Griechen sind in den 60er Jahren nach Deutschland gekommen, nachdem die Bundesrepublik und Griechenland ein Anwerbeabkommen für Gastarbeiter unterzeichnet hatten.

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