Markus Schmitt (links) und Weingärtner vorstand Tom Seibold werden ihre Kooperation in Sachen Muskattrollingerbier fortsetzen. Foto: Gottfried Stoppel

Die Idee wurde mitten im Sommer auf der Panoramaterrasse in den Fellbacher Weinbergen geboren: Ein Grape Ale, gebraut mit heimischem Muskattrollinger.

„Wein auf Bier, das rat ich dir“ – klar kennt fast jeder jenen Spruch, der zumindest historisch gesehen mitnichten etwas über die direkte, möglicherweise üble Auswirkung des Genusses beider Getränke nacheinander aussagt. Da ging es schlicht um Status. Wer einst im Mittelalter – als sauberes Wasser rar war – das übliche und hygienischere Bier getrunken hatte und später auf Wein umstieg, hatte den sozialen Aufstieg zur Elite geschafft und durfte sich freuen. Umgekehrt, zum getränklichen Sozialabstieg gibt es einen entsprechenden Spruch.

 

Die Idee entstand auf der Panoramaterrasse

„Bier auf Wein, das lass sein“ – an die ebenfalls längst veraltete Weisheiten haben der mit seinem Cannstatter Keller zur Professionalität strebende Hobbybrauer Markus Schmitt und Tom Seibold von den Fellbacher Weingärtnern sicher nicht gedacht, als sie ihr Geschmacksgrenzen übergreifendes Projekt Grape Ale verabredet haben – ein Bier gebraut mit dem Saft aus Muskattrollinger-Trauben. Bei einer Weinprobe oben auf der Panoramaterrasse in den Weinbergen über Fellbach sei die Idee im vergangenen Sommer aufgekommen, erzählt Vorstandsvorsitzende der Weingärtner.

Markus Schmitt wiederum hatte damals schon einige Jahre Erfahrung als Hobbybrauer. Mit verschiedenen Craftbieren, die er inzwischen über den Onlineshop cannstatter-keller. de vertreibt. Ein sogenanntes Grape Ale (Traubenbier) sollte auch dazu kommen. Womit sich die Zusammenarbeit mit einem heimischen Weinbaubetrieb anbot. Die Frage war aber auch, welche Rebsorte sich als Grundstoff eignet, um im Zusammenspiel mit Hopfen und Malz das Wasser zu ersetzen. Versuche mit Riesling verliefen unbefriedigend. „Das wird zu sauer“, sagt Schmitt. Die Wahl fiel schließlich auf den Muskattrollinger der Fellbacher Weingärtner. Obwohl der dort, wie Tom Seibold ergänzt, „ein knappes Gut ist“.

Spaß an regionalen Produkten

„Mich interessiert das Grape Ale, vor allem, was da zum Beispiel in Italien passiert“, sagt Seibold. Und klar sei auch, dass der Muskattrollinger stilistisch etwas ganz Besonderes ist – „das darf keine Resteverwertung sein“. Entsprechend werde man auch bei der Qualität der Trauben keinerlei Abstriche machen. Ihm sei der regionale Bezug bei allen Bestandteilen seiner Biere wichtig, betont andererseits der in Fellbach wohnende Bierbrauer. „Regionale Produkte, das finde ich immer spannend.“

Dass Brauer Schmitt und die Fellbacher Weingärtner da offenbar auf einem vielversprechenden Weg sind, zeigt der erste Versuch mit dem gemeinsamen Muskattrollingerbier. Der gesamte Bestand an 600 Flaschen ist da im Verkaufsraum der Genossen und in Schmitts Online-Handel um Weihnachten herum über den Tresen gegangen. Wer das Fellbacher Muskattrollingerbier probieren will, wird sich gedulden müssen, bis wieder Muskattrollinger fürs Brauen zur Verfügung steht.

Und zu verbessern gebe es auch immer noch etwas, sagt Markus Schmitt. Da könne man zum Beispiel durchaus noch an der Aromaausprägung feilen. Etwa indem man den Traubensaft zunächst allein und vor dem Brauvorgang angären lasse und so die Aromen des Muskattrollingers stärker zum Tragen bringe. So würden insgesamt Würze und Aromen im Fellbacher Traubenbier noch weiter verfeinert.

Erfolg beim „Erstaufschlag“

Ansonsten sind die beiden Traubenbierfreunde aber höchst zufrieden mit dem „Erstaufschlag“ vom Jahrgang 2022 – und absolut einig, dass die Kooperation beim lokalen Grape Ale auf jeden Fall fortgesetzt wird. Ihm gefalle vor allem auch die rötliche Färbung des gemeinsamen Fellbacher Muskattrollingerbiers, sagt Tom Seibold. „Das erinnert mich an das Red Ale in Irland.“

Auch wenn im Onlineshop Cannstatter Keller momentan „nicht verfügbar“ steht, lockt die Beschreibung dessen, was die Bierfreunde erwartet: „Traube trifft Hopfen!“, steht dort zum „Cannstatter Keller Bräu und Fellbacher Weingärtner Grape Ale“. Sonnengereifte Trauben vom schönen Kappelberg und ausgesuchte Malz- und Hopfensorten verschmölzen beim naturtrüben, ungefilterten hellen Bier zu einem Geschmackserlebnis. Der Geruch erinnere an Kiwi, Stachelbeere und werde von frischem Weinaroma getragen.