Die Freude ist groß: Bauarbeiter feiern im Jahr 2010 den Durchbruch der Tunnelbohrmaschine Sissi im Gotthard Basistunnel. Ab Dezember fahren endlich die Züge. Einen Rückblick über die Bauarbeiten sehen Sie in unserer Fotostrecke. (Archivfoto) Foto: KEYSTONE

Der längste Eisenbahntunnel der Welt ist fertig. Nach fast 17 Jahren Bauzeit und 12,7 Milliarden US-Dollar sollen ab Dezember Züge durch den Gotthard-Basistunnel fahren. Möglich machen es Maschinen aus Baden-Württemberg.

Schweiz - Im November 1999 regierte in Deutschland noch die rot-grüne Koalition unter Gerhard Schröder, der Euro war frisch eingeführt und Britney Spears stand mit „Baby One More Time“ an der Spitze der Charts. Doch es wurde auch der Grundstein für den Gotthard-Basistunnel gelegt. Der „Tunnelanstich“, wie es im Fachjargon heißt, liegt nun fast 17 Jahre zurück und die Bauarbeiter können stolz auf sich sein.

Eigentlich war die Fertigstellung des Tunnels erst für 2017 geplant. Jetzt sollen bereits ab Dezember 2016 Züge unter den Alpen durchfahren. Möglich gemacht haben es Gabi I, Gabi II, Heidi und Sissi, vier Tunnelbohrmaschinen des baden-württembergischen Herstellers Herrenknecht aus Schwanau-Allmannsweier. Von 2002 bis 2010 waren die 400 Meter langen Gesteinsfresser tätig.

Jede der Tunnelbohrmaschinen kann bis zu 2700 Tonnen auf die Waage bringen. Manchmal werden die tonnenschweren Maschinen nach getaner Arbeit unter der Erde einbetoniert, denn die Bergung kann teuer und kompliziert sein. Werden auch die verdienstvollen badischen Tunnelbohrmaschinen in der Tunnelröhre begraben?

Wie die Tunnelbohrmaschine „recycelt“ wird

Je nach Projekt kann es vorkommen, dass die Tunnelröhre hinter der Maschine durch Bauarbeiten verkleinert wird, erklärt eine Herrenknecht-Sprecherin. Das kann beispielsweise durch eine dicke Stahlummantelung der Tunnelröhre der Fall sein. „Der Sonderfall ‚verlorener Schild’ bedeutet dann, man holt Teile wie den Antrieb heraus und nur der Schildmantel, quasi die Stahlhülle der Maschine, verbleibt im Tunnel“, so die Sprecherin.

Gabi, Heidi und Sissi können sich allerdings glücklich schätzen. „Beim Gotthard wurden alle Tunnelbohrmaschinen wieder herausgeholt“, bestätigt die Sprecherin. Einfach war der Abtransport der riesigen Tunnelbohrmaschinen allerdings nicht: „Hinter der Maschine wurde der Tunnel ja weiter ausgebaut. Wir mussten sie also in kleine Teile zerlegen und herausbringen“, so die Pressesprecherin.

Die ersten Züge rollen Ende 2016

Teile der Maschine können nach dem Ausbau überarbeitet, manche Stahlteile werden auch verschrottet. Überholte Teile können dann in andere Maschinen eingebaut werden. Die komplette Maschine wird allerdings nicht wiederverwendet: Maschinen der baden-württembergischen Firma kommen auch beim Bau des Fildertunnels für das Bahnprojekt Stuttgart 21zum Einsatz.

Den Durchbruch durch den Gotthard-Basistunnel hat die badische Tunnelbohrmaschine Sissi bereits 2010 erreicht. Ab Dezember 2016 sollen Personen- und Güterzüge durch den 57 Kilometer langen Tunnel fahren. Die Fahrzeit von Zürich nach Mailand verkürzt sich durch ihn von vier auf drei Stunden.

Impressionen aus dem Gotthard sehen Sie in unserer Fotostrecke.

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