Durch die Weinberge hoch nach Rotenberg – eine Ideenskizze einer möglichen Seilbahnstrecke aus diesem Jahr Foto: Lichtgut/Max Kovalenko; StN-Bearbeitung: Lange

Befürworter einer Seilbahn ins autogeplagte Rotenberg erhalten Rückendeckung von einem Verkehrsexperten: Raimund Klausegger erklärte diese Lösung bei einer Fachtagung am Dienstag in Stuttgart für machbar.

Stuttgart - Im bolivianischen La Paz schweben die Bewohner seit Jahren in Gondeln über die Armutsviertel hinweg, durch die es meist keinen schnellen, geschweige denn sicheren Weg gibt. In den USA queren Seilbahnen Flüsse und entlasten so in der Hauptverkehrszeit die Straßenbrücken, die oft zum Nadelöhr werden.

Ein ähnliches Problem hat auch der Stadtteil Rotenberg. Dort leiden die Anwohner seit Jahren wochenends unter enormen Automassen: In Scharen fahren Besucher auf den Württemberg, um die inmitten von Weinbergen gelegene Grabkapelle zu besuchen. Aber dort fehlen Parkplätze. Immer wieder bringen Verkehrsplaner eine Seilbahn ins Spiel, um das Verkehrschaos zu lindern. Kritiker entgegnen: zu teuer, zu laut, und außerdem verunstalte eine Seilbahn die Landschaft.

Ein Verfechter von Seilbahn-Lösungen ist Raimund Klausegger, Designer von Verkehrsmitteln der Zukunft bei der Firma Spirit Design in Österreich. Er beschäftigt sich seit langem mit Seilbahnen in Großstädten. Am Dienstag hat er in Stuttgart beim New Mobility Design Kongress, einer vom Verband Region Stuttgart (VRS) organisierten Ideenkonferenz, gesprochen. „Gerade für dicht bebaute Städte wie Stuttgart können Seilbahnen gute Lösungen sein“, sagt Klausegger. Die Kosten seien überschaubar: „Eine Seilbahn kommt mit wenig Personal aus und verbraucht nicht viel Strom.“ Klausegger schätzt, dass Seilbahnen ein Viertel dessen kosten, was man in Straßenbahnlinien selber Länge investieren müsste.

Mögliche Probleme hält Klausegger für lösbar. „Wenn man beispielsweise ein wenig Geld in die Hand nimmt, kann man die Masten so gestalten, dass sie sich ideal in die Landschaft einfügen“, sagt der Seilbahnexperte. Führt die Bahn durch Weinberge, fallen laut Klausegger zwei weitere Probleme weg: Der Lärm der Anlage störe nicht, weil unter den Masten keine Wohnhäuser stünden. „Und die Anwohner behalten ihre Privatsphäre, wenn die Strecke nicht über deren Gärten hinweg führt.“

Bleibt noch das Parkplatzproblem. „Man braucht einen Ort, an dem man sich günstig vom Auto trennen kann“, sagt Klausegger. Infrage käme eine Anbindung der Seilbahn ans Nahverkehrsnetz. „Ich finde die es reizvoll, die Seilbahn direkt an einem Park & Ride-Parkplatz starten zu lassen.“ Auch beim Verband Region Stuttgart findet man die Idee interessant. Eine Seilbahn nach Rotenberg „wurde oft unnötig lächerlich gemacht“, sagt etwa Veit Haug von der Wirtschaftsförderung des VRS.

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