In Göppingen gibt es bald nur noch eine Werkrealschule. Foto: Pascal Thiel

Am Donnerstag muss der Gemeinderat das Ende der weiterführenden Schule in Ursenwang abnicken. Es ist nicht die erste Werkrealschule, die aus Mangel an Interesse aufgeben muss.

Göppingen - So wenig es vielen Stadträten gefällt, so wenig können sie jetzt noch daran ändern: Am Donnerstag wird der Gemeinderat aller Voraussicht nach das Aus für die Werkrealschule im Stadtteil Ursenwang beschließen. Damit wird die dritte Werkrealschule im Stadtgebiet künftig keine neuen Schüler mehr aufnehmen. Sobald die verbleibenden Werkrealschüler ihren Abschluss gemacht haben, wird sie geschlossen. Nur die Grundschule bleibt erhalten.

Für viele Lokalpolitiker und die Schulleitung ist diese Entwicklung deshalb besonders bitter, weil die Schule – ähnlich wie die Haierschule in Faurndau – vor drei Jahren den Antrag gestellt hatte, künftig als Gemeinschaftsschule weitermachen zu dürfen. Doch Stadtverwaltung und Gemeinderat hatten dies nach heftigen Debatten abgelehnt, weil man nicht zu viele Gemeinschaftsschulen im Stadtgebiet etablieren wollte. Allein die Albert-Schweitzer-Schule in der Innenstadt bekam die Genehmigung für eine Zukunft als Gemeinschaftsschule. Die letzte Werkrealschule in Göppingen ist künftig die Walther-Hensel-Schule.

Gemeinschaftsschulen haben ein besseres Image

Weil die Real- und Gemeinschaftsschulen ein besseres Image haben, gehen den Werkrealschulen die Schüler aus. In der Ursenwangschule hatten sich für das Schuljahr 2015/16 nur 13 neue Schüler angemeldet, für das laufende Schuljahr waren es sechs. Das bedeutete das Aus für die Schule. Denn sie hat zwei Mal hintereinander die Mindestanmeldezahl von 16 Schülern verpasst. Dem Gemeinderat bleibt nun nur noch übrig, die Sache abzunicken. Die zwölf Kinder, die sich für das kommende Jahr anmelden wollten, müssen sich eine andere weiterführende Schule suchen.

In der Ursenwangschule wird es in den kommenden Jahren deshalb immer mehr leer stehende Räume geben. Immerhin war sie ursprünglich für wesentlich mehr Schüler konzipiert, als sie künftig haben wird. Vor einigen Jahren saßen dort noch rund 500 Kinder und Jugendliche im Unterricht, im laufenden Schuljahr sind es noch 216, davon die Hälfte Grundschüler.

Großes Interesse an Realschulen

Wie die Räume, die erst vor wenigen Jahren saniert wurden, künftig genutzt werden, ist noch offen. Eine Überlegung aus den Reihen der Stadträte ist es, die leeren Klassenzimmer für die Betreuung von Kindergartenkindern einzusetzen, denn dafür gebe es in Ursenwang Bedarf.

Das Sterben der Werkrealschulen setzt sich auch kreisweit fort. So laufen derzeit nach Auskunft des Staatlichen Schulamts sechs von ihnen aus. Neben der Uhlandschule und der Haierschule sind das die Werkrealschule Böhmenkirch, die Hardtschule in Ebersbach, die Gottfried-von-Spitzenberg-Schule in Kuchen und die Stauferschule in Wäschenbeuren.

Stark schwankend sind die Anmeldezahlen in den Werkrealschulen in Geislingen (Uhlandschule) und Rechberghausen (Schurwaldschule). Sie sind den vorläufigen Anmeldezahlen für das kommende Schuljahr zufolge derzeit aber außer Gefahr. Über einen konstant regen Zustrom freuen sich neben der Walther-Hensel-Schule in Göppingen die Eislinger Silcherschule und die Lindenschule in Geislingen.

Experten befürchten, dass vor allem schwächere Schüler die Zeche für die Bildungspolitik des Landes zahlen. Denn sie besuchen neben Gemeinschaftsschulen inzwischen immer häufiger reguläre Realschulen, obwohl sie nur eine Empfehlung für die Hauptschule mitbringen. In Göppingen etwa wurden der Stadtverwaltung zufolge von 180 Schülern mit Hauptschulempfehlung 76 bei einer Realschule angemeldet, acht sogar an einem Gymnasium. Zwar können die Jugendlichen an Realschulen künftig auch den Hauptschulabschluss machen, doch das Unterrichtsniveau ist von Beginn an anspruchsvoller.

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