Quelle: Unbekannt

Gutachten der Bahn verzögert sich auf Sommer 2011 - Göppingen gründet Verkehrsverbund.

Göppingen - Die Befürworter von Stuttgart 21 nehmen die geplante S-Bahn in den Kreis Göppingen gerne als Beispiel, wie auch der öffentliche Nahverkehr von dem Milliardenprojekt profitieren soll. Die Planungen hängen zurzeit aber in der Warteschleife, weil die Bahn ein Gutachten um ein dreiviertel Jahr verschoben hat.

Wann gebaut wird, ist noch völlig offen. Aber es geht um 3800 Fahrgäste täglich, die nach bisherigen Berechnungen in eine S-Bahn etwa von Göppingen in Richtung Stuttgart oder umgekehrt einsteigen würden. Und um 253.000 Bewohner des Kreises Göppingen, die sich zwar zur Region Stuttgart gehörig fühlen dürfen, aber trotzdem nicht im Bereich des Verkehrsverbunds Stuttgart (VVS) wohnen. Für sie gibt es zwar seit sechs Jahren ein spezielles VVS-Ticket, mit dem sie etwa den Bus von Rechberghausen nach Göppingen, den Regionalzug nach Stuttgart und auch noch die Stadtbahn etwa zur Staatsgalerie nutzen können, nicht aber die S-Bahn zum Flughafen. Dafür müssen sie sich am Hauptbahnhof noch einmal ein Extra-Ticket rauslassen.

Dass der Kreis auch 32 Jahre nach der Gründung des VVS noch dessen Stiefkind ist, liegt am Geld. Da Göppingen 42 Kilometer von Stuttgart entfernt liegt und Geislingen als zweitgrößte Stadt im Kreis sogar 61 Kilometer, schien der Aufwand zu hoch und der Ertrag zu gering. Schließlich fährt die Bahn mit Regionalzügen auch heute schon durchs Filstal nach Stuttgart.

Im vergangenen Jahr haben der Landkreis, der Verband Region und die Industrie- und Handelskammer Göppingen aber doch noch eine Machbarkeitsstudie vorgestellt. Ergebnis: Eine S-Bahn ins Filstal wäre möglich. Sie könnte im Konzert mit dem Fernverkehr alle 30 Minuten von Herrenberg nach Süßen und einmal die Stunde weiter bis Geislingen fahren. Rollt der Fernverkehr erst einmal über Stuttgart 21 und die Neubaustrecke nach Ulm, wäre sogar ein durchgehender 30-Minuten-Takt möglich. In beiden Fällen müssten allerdings zehn neue Züge für rund 50 Millionen Euro her, und die Bahn müsste ihre Bahnhöfe im Filstal für 19 Millionen Euro umbauen. Den Landkreis käme das Eintrittsgeld in den VVS teuer zu stehen: Es gibt Varianten zwischen 1,5 und zehn Millionen Euro jährlich.

Bis Herbst dieses Jahres sollte die Bahn, die den Verkehr schließlich abwickeln muss, die Arbeit der Gutachter aus Karlsruhe und Hannover überprüfen und bestätigen, ob die Varianten auch aus ihrer Sicht möglich sind. Das Gutachten steht allerdings noch aus, wie der Göppinger Verkehrsdezernent Claus Herzog gegenüber unserer Zeitung bestätigt: "Die Bahn zieht andere Strecken vor." In der Konzernfiliale in Stuttgart wollte das am Freitag niemand bestätigen. Die Planer haben mit Stuttgart 21 und der Pannenbaustelle S60 zurzeit allerdings weit größere Herausforderungen zu meistern. Claus Herzog rechnet mit einem Bescheid "bis nächsten Sommer".

Bis dahin will auch der VVS noch genauer erheben, mit wie viel Fahrgästen zu rechnen ist. "Dann müssen wir dem Fahrplan, der möglich ist, die Kosten gegenüberstellen", sagt Verkehrsdezernent König, "und der Kreistag muss entscheiden, ob Kosten und Nutzen im Verhältnis stehen."

Dass Verkehrsministerin Tanja Gönner bei der Stuttgart-21-Schlichtung am Donnerstag die S-Bahn nach Göppingen als Erstes einfiel, als es um die Vorteile für den Nahverkehr ging, verwundert nicht: Gönner hatte vor drei Wochen die Finanzierungsvereinbarung für den neugegründeten Verkehrsverbund Filsland unterzeichnet. Damit bekommen die Göppinger vom 1. Januar an als Letzte in Baden-Württemberg den einheitlichen Fahrschein für Busse und Bahn, also Regionalzüge. Auch das ist ein kleiner Schritt in Richtung VVS und S-Bahn.

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