Der neoromanische Komplex mit der Leichen- und der Aussegnungshalle ist ein Schmuckstück, doch innen muss einiges auf den Stand der Zeit gebracht werden. Foto: Horst Rudel

Die Leichen- und die Aussegnungshalle werden im nächsten Jahr saniert statt erst in fünf Jahren. Die Stadt reagiert damit auf Forderungen aus den Gemeinderatsfraktionen.

Göppingen - So viel Zufriedenheit und Lob von allen Seiten für die Stadtverwaltung erlebt man im Göppinger Gemeinderat selten. Doch in der jüngsten Gemeinderatssitzung hat der Baubürgermeister zur Überraschung und Freude der Stadträte angekündigt, dass die Stadt ein Problem, das den Räten seit Jahren auf den Nägeln brennt, wesentlich früher angehen will als ursprünglich geplant. Die Rede ist von der Sanierung der Leichen- und der Aussegnungshalle auf dem Friedhof. Statt in fünf Jahren sollen die Bauarbeiten Renftle zufolge dort bereits im kommenden Jahr beginnen.

Wie die Hochbauamtsleiterin Christiane Fitschen erläuterte, soll es künftig weniger, aber dafür größere Leichenzellen geben. Außerdem sei unter anderem eine neue Belüftungsanlage geplant, und auch die Materialien an den Decken und Wänden sollen ausgetauscht werden. Weil der Haupteingang nicht behindertengerecht ist, aber nur schlecht umgebaut werden kann, soll ein neuer, barrierefreier Zugang an der Rückseite des Gebäudes angelegt werden.

Grüne regen an, Kamin zu entfernen

Dieses Jahr soll für die weitere Planung genutzt werden. Im kommenden Jahr sollen dann die Arbeiten beginnen. Damit die Leichenhalle und die Aussegnungshalle modernisiert werden können, muss Fitschen zufolge zuerst das alte Krematorium, das sich unter der Aussegnungshalle befindet, ausgeräumt werden. „Das können wir ja jetzt angehen, weil klar ist, dass das neue Krematorium östlich des Friedhofs gebaut wird“, sagte Renftle.

Was aus dem Schornstein des alten Krematoriums wird, der über dem neoromanischen Gebäudekomplex aufragt, ist noch offen. Die Grünen-Stadträtin Christine Lipp-Wahl regte an, ihn zu entfernen, da er nicht mehr gebraucht werde und optisch eher störe. Die Stadtverwaltung hoffe, den Kamin zurückbauen zu können, erklärte Renftle. Das müsse aber noch mit dem Denkmalamt abgesprochen werden. Wie viel die Stadt insgesamt für die Planung und die Modernisierung investieren muss, ist noch offen.

Christian Stähle macht sich für Friedhofsglöckchen stark

Die Stadträte zeigten sich von der Kehrtwende der Verwaltung positiv überrascht. Der FWG-Chef Emil Frick, dessen Fraktion sich immer wieder dafür eingesetzt hatte, die Sanierung vorzuziehen, sagte, er sei „stolz, dass unsere Beharrlichkeit etwas genutzt hat“. Seine Fraktion sei sehr froh über die neuen Pläne und hoffe, dass kein Sand ins Getriebe komme. Bei aller Zufriedenheit wies Frick auch darauf hin, dass die Sozialräume der Friedhofsmitarbeiter ebenfalls möglichst bald saniert werden müssten. Die bisherigen Räume seien eine Zumutung.

Auch die übrigen Fraktionen zeigten sich von den Plänen erfreut – und erinnerten alle daran, dass sie sich ebenfalls dafür ausgesprochen hatten, die Sanierung früher anzugehen. Tatsächlich hatte es im vergangenen Herbst diverse Anträge aus den Reihen der FWG, der SPD und anderer Fraktionen zu dem Thema gegeben.

Christian Stähle (Lipi) bat die Stadtverwaltung, auch etwas Geld in die Hand zu nehmen, um die Technik in der Aussegnungshalle aufzurüsten. Und er regte an, eine Glocke einzubauen, die für Verstorbene geläutet werden könne. Schließlich sei das eine gute alte christliche Tradition. Die Kirchenglocken, die bisher von einem Tonband ertönten, seien „ein Armutszeugnis“. Stähle erklärte, „ein kleines Glöckchen“ müsse ja noch irgendwo unterzubringen sein. Die Verwaltung sagte zu, sich des Themas anzunehmen.

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