Das Seniorenzentrum St. Martinus wird im Jahr 2019 geschlossen. Foto: Horst Rudel

Die Vinzenz von Paul Gesellschaft hat ihre Pläne für ein umstrittenes Heim im Reusch überarbeitet. Direkt neben der Christkönigkirche soll der ein Seniorenzentrum mit Pflegeplätzen, einer Sozialstation und Seniorenwohnungen entstehen.

Göppingen - Von der zum Teil heftigen Kritik an den Plänen der Vinzenzpflege, ein Altersheim neben der Christkönigkirche im Göppinger Stadtteil Reusch zu bauen, ist offenbar nichts übrig geblieben. Die gemeinnützige Gesellschaft, die in der Stadt unter anderem das Seniorenheim St. Martinus betreibt, das im Jahr 2019 geschlossen wird, hat ihre Pläne überarbeitet und zahlreiche Kritikpunkte des Gemeinderats und der Anwohner eingearbeitet. Als der Leiter der Vinzenzpflege, Roy Hummel, das neue Konzept jüngst den Stadträten vorstellte, lobten sämtliche Fraktionen die Verbesserungen und die Bereitschaft der Vinzenpflege zur Zusammenarbeit.

So haben die Planer das Gebäude um 180 Grad gedreht. Dadurch ragt es nun nicht mehr über die Baulinie am Ortsrand hinaus und der Flächenverbrauch reduziert sich um 1100 Quadratmeter. Neben 45 Pflegeplätzen entstehen auch eine ambulante Pflegestation sowie seniorengerechte Wohnungen. „Der Diskurs hat sich gelohnt“, sagte Hummel. Das Gebäude sei zugleich filigraner und kompakter geworden.

Parkplatzsorgen sind beendet

Die Sorge vieler Anwohner, das Heim halte zu wenig Parkplätze vor und es könnte zu einem Verkehrschaos in dem Wohngebiet kommen, ist ebenfalls vom Tisch. Die Vinzenzpflege baut statt der ursprünglich geplanten 12 Parkplätze nun 22 bis 25. Außerdem bietet sie dem benachbarten Kindergarten an, die Plätze zu den Stoßzeiten mitzubenutzen. Zudem hat sie die Zahl der geplanten Eigentumswohnungen von zunächst zwölf bis 14 auf neun reduziert. Auch dadurch werde sich der Verkehr reduzieren, erläuterte der Leiter der Altenhilfe bei Vinzenz von Paul, Anton Glas. Überhaupt, sagte Glas, halte sich der zusätzliche Verkehr in Grenzen. Es seien nur jeweils acht bis zehn Mitarbeiter vor Ort, hinzu kämen über den Tag verteilt einzelne Besucher sowie die Anlieferung der Lebensmittel und der Wäsche.

Eine große Sorge vieler Reusch-Bewohner war auch, dass die Kanalisation überlastet werden könnte und es bei Starkregen zu Schwierigkeiten kommen könnte. Dieser Sorge begegnen die Planer nun mit Retentionsflächen am Rand des Grundstücks, auf denen ein großer Teil der Niederschläge versickern kann. Den Behörden zufolge reicht die Dimension des vorhandenen Kanals deshalb auch in Zukunft aus.

Was aus St. Martinus wird, ist noch unklar

Am Donnerstag entscheidet der Gemeinderat nun, ob er den Weg für die Pläne der Vinzenzpflege frei macht und den Flächennutzungsplan für das Gebiet ändert. Vor der Entscheidung des Gremiums, gibt es am Mittwoch noch einen Informationsabend für die Anwohner. Die Vinzenzpflege steht ihnen von 19 Uhr an im Christkönigsheim Rede und Antwort.

Wenn die Stadträte zustimmen, will die Vinzenzpflege Hummel zufolge zunächst den Neubau im Reusch forcieren. Als nächstes will die Gesellschaft dann nach einem zweiten Standort für ein weiteres Seniorenzentrum mit ebenfalls 45 Pflegeplätzen in der Stadt suchen. Gemeinsam sollen die neuen Einrichtungen die 90 Plätze ersetzen, die in St. Martinus in der Marktstraße wegfallen. Die Gesellschaft gibt das bestehende Seniorenzentrum auf, weil von 2019 an Einzelzimmer in Altersheimen vorgeschrieben sind. Dies lässt sich in St. Martinus baulich nicht umsetzen.

Was nach 2019 aus dem St. Martinus Gebäudekomplex neben der katholischen Kirche St. Maria wird, ist derzeit noch unklar. Die Gebäude gehören der katholischen Gesamtkirchengemeinde. Man sei nun zunächst am Überlegen, was aus den Räumen der Kirchengemeinde werde, die an das Seniorenzentrum angebaut sind, berichtet der Stadtdiakon Norbert Köngeter. „Wir haben ja noch genügend Zeit, die Pläne zu entwickeln.“

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