Das Krematorium unter der Aussegnungshalle am Hauptfriedhof wurde aus technischen Gründen stillgelegt, eine Sanierung ist nicht mehr möglich. Foto: Horst Rudel/Archiv

Jahrelang haben Stadträte und Verwaltung über den Umgang mit Toten, Pietät und Technik debattiert, nun gibt zumindest für das größte Problem auf dem Friedhof eine Lösung.

Göppingen - Seit die Stadt Göppingen vor fünf Jahren ihr Krematorium auf dem Hauptfriedhof wegen technischer Defekte schließen musste, wird im Gemeinderat darüber gestritten, wie mit den Toten in der Stadt umgegangen werden sollte. Jetzt gibt es eine Lösung: Ein privater Betreiber aus Schwäbisch Gmünd baut und betreibt in Göppingen ein neues Krematorium.

Denn die pragmatische Lösung der Göppinger Bestatter, zur Einäscherung auf Krematorien in Geislingen und Schwäbisch Gmünd zurückzugreifen, fanden viele Stadträte pietätlos. Der Gedanke, dass die Toten quer durch den ganzen Landkreis und zum Teil auch darüber hinaus transportiert werden, war vielen zuwider. Deshalb setzten sich die Stadträte dafür ein, ein neues Krematorium am Hauptfriedhof zu bauen. Dass der Weg zu einer Lösung so lang werden würde, hätten sie sich vermutlich nicht träumen lassen. Denn die Bestatter in Göppingen zeigten kein Interesse daran, zusammen mit der Kommune ein Krematorium zu betreiben.

Ein rein privater Betrieb war den Stadträten allerdings zunächst suspekt. Sie befürchteten, es könnte in einem solchen Betrieb womöglich nur ums Geld gehen und nicht um den angemessenen Umgang mit den Verstorbenen und ihren trauernden Angehörigen. So machte etwa das Wort von den sogenannten Leichenpauschalen die Runde. Das sind Provisionen, die manche Krematorien an Bestatter bezahlen, damit diese Leichen dort verbrennen lassen.

Zum Unmut vieler Stadträte stellte sich jedoch heraus, dass die Stadt aus rechtlichen Gründen gar kein Krematorium mehr betreiben darf. Denn der Bestandsschutz für das alte, 1911 unter der Aussegnungshalle erbaute Krematorium ist mit dessen Stilllegung erloschen. Seit private Betreiber zur Kremierung zugelassen sind, dürfen Kommunen nur noch dann selbst tätig werden, wenn die Privatwirtschaft nicht in der Lage ist, genügend Angebote vorzuhalten. Das ist jedoch in Göppingen nicht der Fall – Leichentransporte hin oder her.

Nach vielen Debatten, bei denen auch die Frage, ob man das alte Krematorium womöglich doch hätte sanieren können, eine Rolle spielte, einigten sich der Gemeinderat und die Stadt schließlich, ein Grundstück am Rand des Friedhofs nach dem Erbaurecht für einen privaten Betreiber zur Verfügung zu stellen. Dieser soll auf bestimmte technische und ethische Standards verpflichtet werden.

Inzwischen hat die Stadt mit mehreren Bietern verhandelt, der Gemeinderat hat der Krematorium-Gesellschaft Schwäbisch Gmünd jetzt den Zuschlag erteilt. Sie wird die neue Anlage laut Vertrag in den nächsten 30 Monaten bauen und dann betreiben. Eine gute Lösung also, könnte man meinen. Doch so ganz zufrieden sind die Stadträte offenbar trotzdem noch nicht. Es sei zwar erfreulich, dass der neue Betreiber jetzt endlich feststehe, sagt etwa der FWG-Chef Emil Frick. Seine Fraktion allerdings halte 30 Monate für „exorbitant lange“. „Wir werden uns dafür einsetzen, dass das schneller geht“, kündigt er an. Schließlich sei schon viel zu viel Zeit vertrödelt worden. Außerdem habe der Gemeinderat auch schon lange beschlossen, die Aussegnungshalle auf dem Friedhof zu sanieren und die Mitarbeiterräume zu modernisieren. Doch geschehen sei bisher nichts.

Das Thema Friedhof wird dem Gemeinderat also erhalten bleiben.

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