Der Platz wird künftig von einem Stadtsofa dominiert, dass sich über dessen Fläche zieht. Foto: zap

Er wird zwar etwas teurer als gedacht, aber er kommt: Der Gemeinderat hat jüngst den Ausführungsplan für den neuen Platz am Bahnhof abgesegnet. Das zieht Investitionen anderer Eigentümer in dem Quartier nach sich.

Göppingen - Das Göppinger Bahnhofsviertel ist zurzeit eine einzige große Baustelle: Die Arbeiten an der Tiefgarage liegen im Zeitplan, die Vorbereitungen für die Sanierung der historischen Villa Gutmann haben begonnen, die Baugrube für das neue Verwaltungszentrum daneben ist bereit und auch die Vorbereitungen für das Zentrum Untere Marktstraße, das die Kreissparkasse bauen will, schreiten voran. Lärm und Dreck werden die Göppinger also noch eine ganze Weile begleiten. Dafür winkt ihnen, sobald das überstanden ist, ein ansprechenderes Stadtviertel.

In seiner jüngsten Sitzung hat der Gemeinderat nun der Ausführungsplanung für den neuen Bahnhofsplatz zugestimmt. Damit ist der Weg frei für die Vergabe der Arbeiten. Der Baubürgermeister Helmut Renftle hatte in der Sitzung gute Nachrichten: Offenbar hat sich nun auch das Albwerk, dem das Postgebäude an der Ostseite des Platzes gehört, entschlossen, Geld in die Hand zu nehmen. „Die Post soll zeitgleich mit dem Bahnhofsplatz saniert werden“, berichtete Renftle. Das Albwerk plane, die alte Klinkerfassade des Gebäudes wiederherzustellen.

Rund eine halbe Million Euro Mehrkosten

Damit ist die Deutsche Bahn der einzige direkte Anrainer, der noch keine konkreten Sanierungspläne vorweisen kann. „Die Pläne des Albwerks sind ein leuchtendes Beispiel für das Gebäude daneben, das Bahnhofsgebäude. Aber dort sind wir leider noch nicht so weit“, sagt Renftle mit Bedauern. Immerhin habe die Bahn in einem Schreiben in Aussicht gestellt, die Sanierung nach der Fertigstellung des Platzes im Jahr 2019 anzugehen. „Zum Glück haben wir das schriftlich“, sagte Renftle.

Der Platz wird den neuesten Berechnung zufolge rund 4,9 Millionen Euro kosten – rund eine halbe Million mehr als veranschlagt. Der Grund sind zusätzliche Leistungen. So soll etwa das Bahnhofsvordach mit fünf auf 50 Meter etwa ein Drittel länger werden als geplant (80 000 Euro). Die Treppe an der Post soll komplett erneuert werden (90 000 Euro). Das Granitpflaster soll auf die Bahnhofstraße ausgedehnt werden (140 000 Euro) und mit Plattenbändern aus Naturstein statt mit Beton eingefasst werden (90 000 Euro). Der Platz soll so ein einheitlicheres Gepräge bekommen.

Mehrheit segnet Zusatzausgaben ab

Um einen Teil der Mehrkosten aufzufangen, wird die Stadt versuchen, das zentrale Gestaltungselement, das 46 Meter lange Stadtsofa, das sich in mehreren Abschnitten über den Platz zieht, in einer einfacheren Ausführung zu bauen. Das könnte die Ausgaben um 100 000 Euro reduzieren.

Viele Stadträte kritisierten die Kostensteigerung, einige warfen der Verwaltung vor, die Mehrausgaben zu spät einkalkuliert zu haben. Der Oberbürgermeister Guido Till hielt dem entgegen, dass er bei öffentlichen Bauvorhaben noch nie eine absolute Kostengenauigkeit erlebt habe. „Dafür planen da einfach zu viele Leute mit. Es wird oft angefangen und dann immer weiter nachgebessert.“

Auf Antrag der Freien Wähler stimmte der Gemeinderat einzeln über die Zusatzausgaben ab, bevor das Gesamtpaket beschlossen wurde. Doch trotz der Gegenstimmen aus ihren Reihen und der FDP war die deutliche Mehrheit für die Zusatzleistungen.

Giftige Bäume und eine alte Diesellok

Für Debatten sorgten auch der Vorschlag der Planer, auf dem Platz japanische Schnurbäume zu pflanzen sowie das Angebot der Firma Wackler, der Kommune eine historische Lok für den Platz zur Verfügung zu stellen. Die Planer hatten die Bäume ausgesucht, weil diese gut mit den extremen Bedingungen auf dem Platz umgehen können, im Sommer blühen und als Bienenweide dienen. Einige Gemeinderäte wollten sie trotzdem nicht. Sie hatten via Google herausgefunden, dass die Bäume giftig sind. Außerdem wünschten sie sich einheimische Pflanzen.

Über die Leihgabe von Wackler freute sich zwar die Mehrheit des Gremiums, doch einzelne wünschten sich stattdessen ein Kunstwerk. Die Stadt wird nun prüfen, welche anderen Baumarten auf dem Platz überleben könnten. Die Frage Lok oder Kunst wird gesondert beraten. Es zeichnet sich allerdings eine deutliche Mehrheit für die Lok ab, die nach Ansicht vieler Stadträte gut auf den Platz passe und ein schöner Hinweis auf Märklin und das Museum sei, das gerade gebaut wird.

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