Balingens Martin Strobel ist geknickt, während Frisch Auf den Klassenverbleib feiert. Foto: Baumann

In der Handball-Bundesliga ist alles geboten: Während Frisch Auf Göppingen durch den Sieg im Derby die Balinger praktisch in die zweite Liga schoss, muss der TVB Stuttgart nach dem 27:29 gegen Berlin noch zittern.

Stuttgart/Balingen - Es ist nicht leicht, an der Miene von Magnus Andersson das Ergebnis eines Spiels abzulesen. Egal, ob Triumph oder Debakel: Der kühle Schwede wirkt nach außen stets gefasst. Nach dem 36:29-(18:17)-Derbysieg in Balingen war das nicht anders. Doch in den Worten des Trainers von Frisch Auf Göppingen schwang eine unüberhörbare Erleichterung mit: „Wir standen unglaublich unter Druck, weil wir nicht gedacht hatten in den Kampf gegen den Abstieg zu geraten. Jetzt sind wir alle nur froh“, sagte Andersson. Der Klassenverbleib ist gesichert. Und Geschäftsführer Gerd Hofele betonte: „Es hat sich gelohnt, dass wir immer eng zusammengestanden sind.“

Andersson war enorm in der Kritik gestanden. Doch Hofele und seine Mitstreiter aus der Führungsetage standen zum Trainer. Die Trendwende gab es im Final Four. Der Halbfinalsieg löste die Handbremse im Kopf. Es folgte der Triumph im Endspiel. Das Selbstvertrauen war endgültig zurück. Was das bewirkt, zeigte sich beim klaren Erfolg in Balingen. Die Mannschaft drückte aufs Tempo wie noch nie in dieser Saison, nutzte permanent das Mittel der schnellen Mitte: Die Spieler rannten und rannten, ohne sich wie in den tristen Wochen vor dem Final Four zu viele Gedanken zu machen. Für Hofele gibt es keinen Zweifel, dass Andersson seinen bis 2018 laufenden Vertrag erfüllt: „Zumal unsere künftige Mannschaft auf ihn zugeschnitten ist.“ Und in der laufenden Runde? Da will Frisch Auf noch in der Tabelle nach oben klettern. Einfach wird es nicht: Am Mittwoch (19 Uhr/Sport 1) kommt Flensburg.

HBW-Ziel lautet Wiederaufstieg

Martin Strobel saß wie ein Häuflein Elend auf einem Stuhl am Spielfeldrand. „Wir waren in dieser Saison einfach nicht gut genug“, sagte der Spielmacher des HBW Balingen-Weilstetten nach dem Derby. Er wusste es, alle wussten es: Diese Niederlage bedeutete nach elf Jahren Bundesliga den Abstieg. Eine theoretische Chance besteht zwar noch, doch wer rechnet schon mit zwei Siegen in den noch ausstehenden beiden Heimspielen gegen die SG Flensburg-Handewitt und den THW Kiel? Keiner! Deshalb laufen die Planungen für die zweite Liga.

Das neue Ziel sofortiger Wiederaufstieg wird mit dem alten Trainer angepeilt. Runar Sigtryggsson soll bleiben. Der Hauptgrund: Er war für die Zusammenstellung des qualitativ zu schwachen Kaders nicht verantwortlich. Der stand bereits fest, als der Isländer im Juni 2016 kam. Pascal Hens machte gegen Frisch Auf sein bestes Spiel, ansonsten waren es die teuersten Spieler – wie er oder der suspendierte Davor Dominikovic – die am meisten enttäuschten. „Wir haben unseren Weg verlassen, weil wir mit erfahrenen Spielern einen Schritt nach vorne machen wollten“, erklärt Manager Wolfgang Strobel. Kommando zurück. Junge, hungrige Neue kommen: Gregor Thomann (HSG Konstanz), Oddur Gretarsson (TV Emsdetten), Simen Schonningensen (Haslum HK), Jona Schoch (TV Neuhausen) und Valentin Spohn (SG Leutershausen). Dazu vielleicht Trainer-Sohn Sigtryggur Dadi Runarsson (EHV Aue).

TVB muss in Minden punkten

Zu Beginn der Partie des TVB Stuttgart am Samstag musste der Hallensprecher die 2251 Zuschauer noch zum Aufstehen animieren – am Ende saß fast niemand mehr in der ausverkauften Scharrena. Zu spannend und hektisch war die Schlussphase, nachdem sich die Füchse Berlin erst in den letzten Sekunden das 29:27 (13:13) sicherten – begleitet von den Unmutsäußerungen gegen die Schiedsrichter. Der TVB-Trainer wollte nicht zusätzlich Öl ins Feuer gießen, sondern sagte nur: „Die beiden Herren, die das Spiel mit entscheiden, haben sich von der Kulisse nicht beeinflussen lassen“, so Markus Baur. „Allerdings hat ihnen manchmal die Linie gefehlt.“

Das konnte man von seiner Mannschaft nicht behaupten. „Wir haben sicher eines unserer besten Spiele gemacht“, lautete Baurs Tenor. Und zwar in der Kombination aus Abwehr und Angriff, wo die linke Seite mit Dominik Weiß und Marian Orlowski (je 6) dominierte. Allerdings versäumte es Stuttgart in zwei Phasen, den Vorsprung auszubauen. Zum einen beim Stand von 8:5, als man in kurzer Zeit 8:11 in Rückstand geriet, und dann nach der Pause, als man beim 20:18 eine Drei-Tore-Führung verpasste. Auch wenn Stuttgart unterm Strich mit leeren Händen dastand, macht der Auftritt Mut. Zumal die Ergebnisse aus den anderen Hallen dem TVB durchaus in die Karten spielten. Doch bei aller Hoffnung, muss die Mannschaft nun punkten: in Minden, gegen Coburg, zum Schluss in Göppingen: Drei Punkte aus drei Spielen sollten zum Klassenverbleib reichen, doch Marian Orlowski sagt: „Wenn wir so spielen, wie gegen Berlin, gewinnen wir alle Spiele.“

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