Christoph Scheible und Mutter Elisabeth Kenntner-Scheible öffnen ihren Hof zur „Gläsernen Produktion“. Foto: Eibner-/Alessandro Marcigliano

Am Sonntag lädt die Familie Kenntner-Scheible zur Gläsernen Produktion auf ihrem Hofgut Mauren ein. Gemeinsam mit dem Landkreis planen sie ein buntes Programm für Jung und Alt – inklusive Blick ins Schloss Mauren.

Warum gibt es braune und weiße Eier? Was kann man in der Region auf den Feldern anbauen? Und wer sortiert eigentlich die Eier nach Größe S, M und L in eine Schachtel?

 

Antworten auf diese Fragen und noch viele mehr gibt die Familie Kenntner-Scheible an diesem Sonntag auf ihrem Hoffest auf dem Hofgut Mauren in Ehningen. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Gläserne Produktion“ öffnet die Familie von 11.30 bis 17 Uhr die Türen von Hof und Ställen.

Ein wichtiger Grundbestandteil des Festes ist es, die Arbeit auf dem Hof näher kennenzulernen. Deshalb erklären Mitarbeiter vom Landkreis Böblingen auf einer Felderrundfahrt im Holzwagen, was auf den Feldern angebaut wird und welche Besonderheiten es gibt – zum Beispiel an klimatischen Bedingungen.

Fragen stellen ist von den Organisatoren explizit erwünscht

Hier werden Eier nach Größe sortiert. Foto: Julika Wolf

Außerdem können Besucher beim Eiersortieren zuschauen. Immerhin müssen die Eier nach der Größe sortiert werden, um dann im Pack auch so verkauft werden zu können. Das geht so: Direkt nach dem Legen landet das Ei auf einem Band, das es in den nächsten Raum bringt. Dort wird es erst einmal in offene Papp-Halter geschoben. Ein Praktikant hebt das Ei dann auf das Band einer Maschine, auf dem es zu verschiedenen Gewichten weitertransportiert wird.

Ist das Ei schwerer als das Gewicht, wird es in die darunterliegende Rille abgelassen und kann einsortiert werden. Ist es leichter, hebt das Band es zum nächsten, leichteren Gewicht.

Darüber, dass die Eier sortiert werden müssen, hätten sich viele Menschen sicherlich noch nie Gedanken gemacht, sagt Elisabeth Kenntner-Scheible. Sie führt den Hof gemeinsam mit ihrer Familie. Ihr ist es wichtig, dass die Besucher etwas lernen und vor allem Fragen stellen können. „Da sehe ich uns schon auch in der Pflicht, ein Bewusstsein in der Bevölkerung zu generieren“, sagt sie. Und das sei auch nötig. „Früher hatte doch jeder irgendeine Verbindung zur Landwirtschaft“, meint sie.

Das sei heute anders. Die Menschen haben keine richtige Vorstellung mehr davon, was alles dazugehöre. „Ich bin mal auf eine unserer Wiesen gegangen, wo ein Gleitschirmflieger immer gestartet und gelandet ist“, erzählt sie. Sie habe ihm erklärt, dass sie die Wiese eigentlich als Grundlage für das Tierfutter nutzen und das nicht mehr könnten, wenn er sie platt trampele. „Er war ganz verständnisvoll, aber er hatte sich einfach noch nie Gedanken darüber gemacht.“

„Die Besucher wollen was wissen“

Ein weiteres Beispiel: „Kurz vor Ostern wollen immer alle weiße Eier haben.“ Dass sie nun mal nicht nur weiße, sondern auch braune Hühner habe, die braune Eier legen – darüber wüssten viele gar nicht Bescheid. Deshalb sei es wichtig, über die Arbeit auf dem Bauernhof aufzuklären.

„Die Besucher wollen was wissen, nicht nur eine Wurst essen“, sagt auch Leona Irion vom Amt für Landwirtschaft und Naturschutz. Sie unterstützt und begleitet die Höfe bei der Vorbereitung und Planung der „Gläsernen Produktionen“. „Wir möchten für jede Alters- und Interessensgruppe etwas bieten“, sagt sie. Zu den letzten Veranstaltungen seien immer zwischen 3000 und 4000 Gäste gekommen – nur nicht beim letzten Event auf dem Hofgut Mauren, da hat es in Strömen gegossen. Für dieses Jahr ist sie zuversichtlich. Die Wettervorhersage für das Wochenende sehe ja ganz gut aus.

Live-Musik, Handwerkermarkt und Strohhüpfburg für die kleinen Gäste

Ackerbau, Kühe, Legehennen, ein paar Schweine – um all das kümmert sich Familie Kenntner-Scheible auf ihrem Hof. Masthähnchen haben sie auch, „aber nicht so viele“, sagt Christoph Scheible. Was das konkret bedeutet? „Circa 1000.“ Das höre sich nach viel an, sei im Vergleich zu größeren Betrieben mit 40 000 Tieren aber so gut wie nichts.

Das Fleisch verkaufen sie über den eigenen Hofladen, der auch am Sonntag von 12 bis 17 Uhr geöffnet sein wird. Außerdem gibt es Eier und Wurst zu kaufen. Auch hier helfe es, den Gästen die Arbeit auf dem Hof zu erläutern. „Wenn die Leute die Zusammenhänge verstehen, gehen sei auch anders in den Hofladen rein“, sagt Christoph Scheible.

Los geht es am Sonntag um 10.30 Uhr mit einem Gottesdienst im Stall, ab 11.30 Uhr beginnt die Bewirtung. Im Laufe des Tages gibt es dann Live-Musik von der Band „Groove for Friends“, Hofführungen und einen Handwerkermarkt mit Produkten aus der Region. Und zwar aus der unmittelbaren: Weiter als zehn Kilometer entfernt ist fast keiner der teilnehmenden Handwerksbetriebe.

Strohhüpfburg für die Kleinen

Wer selbst mit anpacken möchte, kann das tun beim Rasenmäherparcours oder beim Lanzbulldog starten. Die kleinen Gäste haben die Möglichkeit, sich auf der Strohhüpfburg auszutoben, in die Christoph Scheible sogar Tunnel oder Rutschen eingebaut hat. Auch ein Heubett und ein Getreidebad warten auf sie – aber auch ganz klassische Aktivitäten wie Malen, ein Streichelzoo oder ein Sandplatz im Stall.

Hoch hinaus können schwindelfreie Besucher auf den Kirchturm klettern. Und wer möchte, bekommt einen Einblick in das Maurener Schloss auf der anderen Straßenseite. Dessen Besitzer, die Familie Krohmer, lädt in ihren Garten voller Kunstwerke ein und gibt einen Einblick in die Geschichte des Schlosses. Was es da wohl zu entdecken gibt?