Erfolgreiche Kumpelschaft: Alexander Scholpp, Patrick Schneider, Benjamin Baur und Robert Swoboda (v. li.) Foto: Simon Bollinger

Tieflader sind eine der dienstältesten Metalbands der Stadt. Ihren 25. Geburtstag feiern sie aber nicht in Stuttgart, sondern in der Scala in Ludwigsburg. Das liegt am Mangel geeigneter City-Konzertbühnen, sagt Weltklassegitarrist Alexander Scholpp – ansonsten ein Stuttgart-Fan.

Im Jahr 1999 ist Stuttgart noch eine andere Stadt. Aufgetreten wird natürlich in der Röhre, S 21 existiert nur auf dem Papier, musikalisch geben eher Hip-Hop-Acts wie die Fantastischen Vier, Freundeskreis oder Massive Töne den Takt vor. Rock und Heavy Metal spielten natürlich auch eine Rolle, insbesondere End Of Green oder die Farmer Boys gelten als Lokalmatadoren mit Ambitionen. Bei Letzteren sorgt Alexander Scholpp für kantige Riffs, die Band wird bald darauf sogar in den USA touren. Reicht ihm aber nicht: 1999 gründet er mit ein paar Kumpels die Band Tieflader – eine knackig harte, groovebetonte Metalband, mit der er seine Vorliebe für tiefgestimmten Sound im Stile der US-Band Pantera ausleben will.

 

Tieflader gibt es bis heute. Und während Scholpp sonst mit der ehemaligen Nightwish-Sängerin Tarja Turunen um die Welt tourt und vor Zigtausenden von Leuten spielt, sind Tieflader eher die Antithese dazu: eine Kumpelschaft, die sich mit Bier im Proberaum trifft und hier und da in der Region auftritt. „Diese Band ist eine der wenigen Konstanten in meinem Leben“, sagt Scholpp nickend. „Wir spielen seit 18 Jahren in derselben Besetzung, das gibt es ja auch nicht oft.“

Zauber des Ursprünglichen

Für ihn ist die Metalband rund um Patrick Schneider, Benjamin Baur und Robert Swoboda, eine von vielen Facetten, die sein Musikerdasein ausfüllen. „Diese Band bedeutet Selbstbestimmung für mich, totale Freiheit“, sagt er. „All meine Reisen und Erfahrungen auf der ganzen Welt formen mich natürlich auch und bereichern mein Leben, aber allein wäre mir das zu wenig.“ Alexander Scholpp hat eben beides: den Zauber des Ursprünglichen im Proberaum und die große weite Welt mit riesigen Arenashows.

Deswegen gibt es Tieflader zwar schon 25 Jahre; der Output ist aber vergleichsweise überschaubar: Ein erstes Album kommt erst 2009, fünf Jahre später folgt das zweite. Jetzt hat es dann doch mal wieder gereicht: „Götter aus Metall“ heißt die dritte Platte, geboten wird ein Mix aus knallharten Metalriffs und großen Melodien. „Früher war bei Tieflader die erste Idee immer die beste“, sagt Scholpp lachend. „Wir hatten Punk-Attitüde und haben einfach wild rumgebolzt. Durch Corona und die Tatsache, dass man sich nur zu zweit treffen konnte, wurde daraus eher seriöses Songwriting.“

Von Hermann Hesse und Lord Byron beeinflusst

Auch lyrisch ist das diesmal eine andere Nummer: Im Proberaum lesen sie sich gegenseitig Gedichte vor, Heine, Hesse, Nietzsche. Die großen Dichter schleichen sich unbemerkt in die Songs, bestimmen irgendwann das Konzept der Platte. „Ich bin riesiger Fan von Hermann Hesse oder Lord Byron“, sagt der Gitarrist. „Das wäre für mich mit 17 noch undenkbar gewesen. Werke wie ‚Siddharta‘ sprechen heute so stark zu mir, ich muss einfach musikalisch etwas daraus machen.“

Musiker mögen anders und langsamer altern als andere Menschen; aber irgendwann werden sie eben doch reifer. Sieht auch Scholpp so: „Ich fühle mich noch genau so wie vor 30 Jahren, freue mich aber einfach darüber, dass ich selbstsicherer und erfahrener bin. Das Schöne ist ja, dass es immer weitergeht, dass man immer dazulernt. Mein Wortschatz ist mittlerweile einfach deutlich größer.“ Kein Wunder: Er hat in den letzten 30 Jahren in einem guten halben Dutzend Bands gespielt, aber auch mit den Fantastischen Vier gearbeitet. Mit denen teilt er sich auch den Manager Andreas „Bär“ Läsker.

Liebe zu Stuttgart

Ein roter Faden: In der Musik verhandelt Alexander Scholpp seit jeher die Dinge, die ihn umtreiben. „So ein Leben bedeutet immer auch eine große Unsicherheit, doch für mich ist es das Richtige“, meint er dazu. „Ich habe mal eine Weile beim Daimler gejobbt, um Geld zu verdienen, und da traf ich auf Leute, die 35 Jahre lang Nachtschicht arbeiten und die Tage bis zur Rente runterzählen. Das sehe ich völlig wertfrei“, betont er, „jeder muss seinen Weg finden. Aber für mich wäre das nichts.“

Man muss eben immer auf das Leben zu reagieren wissen, das da auf einen einprasselt, meint er. „So ein Leben, das ist sehr unstet, schwer planbar. Da muss man das Ruder auch mal loslassen. Großartig steuern oder planen kann man das eh nicht.“ Er muss es wissen: Seine Frau, die in Stuttgart sehr bekannte US-amerikanische Sängerin Dacia Bridges, stirbt 2019, seine Tochter kommt damals aus den USA plötzlich zu ihm und seiner neuen Familie zurück nach Stuttgart. Und dann ging Corona los.

Seither sind wieder einige Jahre ins Land gezogen. Aber Tieflader, die gibt es immer noch. Ihr Konzert zum 25. Geburtstag an diesem Freitag, den 19. Januar 2023, spielen sie allerdings nicht in Stuttgart. Sondern im Scala in Ludwigsburg. „Ich liebe Stuttgart“, beteuert er, „aber mir fehlt hier beispielsweise ein Laden wie die Scala. Deswegen feiern wir unsere Geburtstagsparty auch in Ludwigsburg. So eine Bühne gibt es in der Größenordnung nicht in Stuttgart.“ Und danach? Hat einer wie er noch Wünsche oder Träume? Lachend sagt er: „Klar: ein Auftritt in der Sphere in Las Vegas.“

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