Richard Schrade und Giovane Elber. Quelle: Unbekannt

Giovane Elber verrät, wie er von seinem Freund Richard Schrade am Krankenbett überrumpelt wurde.

Stuttgart - Sie kennen sich seit 1994. Seitdem verbinden Ex-VfB-Profi Giovane Elber und Richard Schrade zwei Dinge: ihre Freundschaft und die gemeinsame Arbeit für ihre Kinderhilfsstiftung in Brasilien.

Herr Schrade, strahlt Ihr Freund Giovane heute noch Magie aus?

Viel mehr als jemals zuvor. Früher hat er als Engel von Londrina die Magie nur auf dem Sportplatz ausgestrahlt. Heute ist er ein Engel, der in Brasilien und Deutschland wirkt. Er gibt unheimlich viel für die Stiftung.

Sie kennen Giovane seit 1994. Beschreiben Sie den Menschen Elber. Wie ist er?

Wie seine Mutter. Er sieht aus wie sie. Und er ist wie sie: herzlich, herzlich, herzlich. Schlicht authentisch und ehrlich.

Herr Elber, werden Sie eigentlich noch oft auf die glorreichen Zeiten des magischen Dreiecks mit Ihnen, Krassimir Balakov und Fredi Bobic angesprochen?

Oh ja. Sogar in Brasilien. In Rio, Sào Paulo - überall sprechen mich Leute darauf an. Das macht mich stolz. Es war einfach eine tolle Zeit beim VfB. Die Mannschaft und der Verein waren wie eine Familie. Leider haben wir damals nur den DFB-Pokal gewonnen.

Ist diese Erinnerung ans magische Dreieck rückblickend mehr wert als die echten Meistertitel, die Sie mit dem FC Bayern München gewonnen haben?

Schwer zu sagen. Ich denke, ein Sportler wird vor allem an seinen Erfolgen gemessen. Aber ich will München und Stuttgart nicht miteinander vergleichen.

Bleiben wir in Stuttgart: Was bedeuten Ihnen die Region und das Remstal? Was ist aus dieser Zeit übrig geblieben?

Freundschaften mit meinen früheren Nachbarn in Winterbach.

Winterbach!? Allein der Name muss einen sonnenverwöhnten Brasilianer doch erschreckt haben?

Schrade: Stimmt. Er hat gedacht, hier ist nur Winter.

Elber: Ja, ja. Ganz so war es nicht. Aber ich habe schon gedacht: Was soll ich in Winterbach? Aber schon nach zwei Tagen sah ich, wie schön es da ist. Und wie viel Wärme von den Menschen ausging. Obwohl mich in Brasilien alle gewarnt haben: Pass auf, die Deutschen sind so kalt. Deswegen komme ich immer gerne hierher zurück.

Schrade: Man muss auch ehrlich sagen, es lag mehr an Giovane als an den Winterbachern. Er ist auf die Menschen zugegangen. Carlos Dunga ist dagegen hier nie richtig warm geworden.

"Meine Kinder lieben Spätzle"

Was vermissen Sie in Brasilien?

Elber: Sicherheit. Das lernt man in Deutschland zu schätzen. Hier kann man sich frei und unbeschwert bewegen - in Brasilien ist das leider anders.

Und was noch?

Elber: Sie warten jetzt sicher auf die Antwort Spätzle.

Woher wissen Sie das?

(Elber grinst schelmisch) Das fragen viele. Aber meine Frau Cintia macht oft Spätzle - und meine Kinder Victor und Camila lieben es. Sie sagen oft: Mama, mach Spätzle!

Ein Grund, der Sie immer wieder hierher nach Winterbach zurückführt, ist Ihre Stiftung. Was gibt Ihnen diese Arbeit für die Kinder?

Elber: Da muss ich ganz vorne anfangen. Die Idee hatte ja Richard. Und anfangs dachte ich, der tickt nicht richtig. Wie soll man so etwas in Brasilien aufbauen?

Schrade: Ja, er war zunächst skeptisch. Weil er als Fußball-Profi zu sehr eingespannt war. Aber da habe ich gesagt: Immer wenn du nach Brasilien fliegst, kaufst du dort Lebensmittel. Diese Hilfe verpufft doch. Lass uns ein richtiges Projekt starten.

Und dann sollen Sie ihn sogar aus der Vollnarkose gerissen haben, damit er die Vereinssatzung unterschreibt?

Elber: Ganz genau.

Schrade: Ja, das behauptet er immer. Aber er hat damals im Krankenhaus nach seinem Beinbruch nicht gewusst, was er unterschreibt.

Elber: Stimmt, ich habe ihm blind vertraut.

Schrade: Ja, als ich dieses Vertrauen gespürt habe, sind mir am Krankenbett wirklich die Tränen gekommen.

Plötzlich tritt Ex-VfB-Profi Hansi Müller an den Tisch, herzt Elber und meint: "Vertrauen ist ganz wichtig, Giovane, ich muss gehen. Mach's gut. Wir sehen uns an der Copacabana und üben Fallrückzieher."

Tanzen? "Ein heikles Thema"

Hansi Müller hat es gesagt: Vertrauen ist wichtig. Oft versickern Spenden in irgendwelchen Kanälen - wie ist das bei Ihrer Stiftung?

Elber: Ich kann hoch und heilig versprechen, dass das ganze Geld den Kindern zugutekommt.

Schrade: Dafür bürgen auch Giovanes Schwiegervater und dessen Brüder. Alleine deren christlicher Glaube ist ein Pfand dafür, dass dort alles korrekt abläuft. Sie glauben, dass in deren nächstem Leben alle ihre guten Taten vergolten werden.

Auf was sind Sie beide besonders stolz?

Schrade: Auf die Dankbarkeit der Kinder.

Elber: Wenn du in diese Kinderaugen siehst, dann bekommst du deinen Einsatz tausendfach zurück.

Was können Ihre Kinder lernen, wenn sie mit Ihnen durch die Elendsviertel streifen?

Ich habe sie früh so erzogen, dass sie sehr gut einschätzen können, was Armut und Wohlstand bedeuten.

Apropos Kinder, hat Ihr Sohn Victor auch Stürmerblut in seinen Adern?

(Elber wird etwas verlegen) Oh ja, er hat etwas. Der Junge hat Talent. Für mich ist das wie ein alter, schöner Film, in dem ich mich in seinem Alter sehe.

Ganz was anderes: Wie sieht es mit der Tanzerei aus? Haben Sie seit "Let's Dance" mal wieder getanzt?

Elber: Ein heikles Thema. Denn ich habe meiner Frau schon lange versprochen, dass wir einen Tanzkurs machen.

Man hört auch, Sie seien jetzt ein brasilianischer Gaucho?

Elber: Ja, ich bin jetzt Rinderzüchter. Ich habe zwei Farmen mit 6000 Rindern. Die Farmen sind so groß wie 28.000 Fußballplätze.

Und da kennen Sie sich ja ganz gut aus.

Genau.

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