Karola Leder mit einem vermeintlichen Giftköder am Fundort Foto: Eva Herschmann

Karola Leder aus Rommelshausen hat beim Gassigehen mit ihrem Hund Lucky verdächtige Fundstücke am Fuß- und Radweg zwischen der Kolbenhalde und dem Neubaugebiet entdeckt – auch das Ordnungsamt in Kernen ist alarmiert.

Kernen - Im Internet hat sich der vermeintliche Fund von Giftködern in Rommelshausen wie ein Lauffeuer verbreitet – nicht nur unter den Hundebesitzern. Noch steht nicht endgültig fest, ob es sich bei den verdächtigen Fundstücken, die entlang des viel frequentierten Fuß- und Radweges von der Kolbenhalde in Richtung Ortsmitte lagen, um Rattengift handelt. Doch viele Anzeichen sprechen dafür. Die Proben werden aber noch im Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Freiburg untersucht.

Beim Spaziergang am Dienstagabend hatte der Golden Retriever am Wegrand plötzlich etwas gefressen

Die vergangenen Nächte hat Karola Leder schlecht geschlafen. Aus Sorge um ihren geliebten Hund Lucky. Beim Spaziergang am Dienstagabend hatte der Golden Retriever am Wegrand plötzlich etwas gefressen. „Da ist eine kleine Anlage mit Sitzbänken, zwei Spielplätze sind ganz in der Nähe, also dachte ich mir, er hat sich mal wieder ein Stück Brezel geschnappt. So etwas liegt da nämlich öfter herum.“ Seltsam fand sie allerdings, dass ihr Hund nach dem Gassigehen einen unglaublichen Durst entwickelte. „Er hat fünf Näpfe hintereinander leer getrunken“, erzählt Karola Leder. Am nächsten Morgen kehrte sie an Ort und Stelle zurück, um nachzuschauen, was sich Lucky geschnappt haben könnte und fand undefinierbare Brocken, die dort zahlreich herumlagen, gespickt mit roten und grünen Körnern. „Ich dachte bei dem Anblick gleich an Rattengift“, sagt Karola Leder.

Mittlerweile wurde der Fundort von Gemeindemitarbeitern gesäubert

Umgehend eilte die besorgte Hundebesitzerin mit ihrem Vierbeiner und den aufgesammelten Brocken zu ihrem Tierarzt. „Er hat auch sofort seinen Verdacht auf Rattengift geäußert“, berichtet Karola Leder. Zwar zeigte Lucky keine Symptome. Doch das ist bei Rattengift nicht ungewöhnlich, da die Wirkstoffe ein langsames innerliches Verbluten bewirken. Der Veterinär verabreichte dem elf Jahre alten Rüden vorsichtshalber ein Gegenmittel. Hoch dosiertes Vitamin K 1, das sich positiv auf die Blutgerinnung auswirkt.

Karola Leder hat danach umgehend das örtliche Ordnungsamt und die Polizei eingeschaltet. Mittlerweile wurde der Fundort von Gemeindemitarbeitern gesäubert, und Proben wurden von der Verwaltung in das CVUA Freiburg geschickt. Mit den Ergebnissen rechnet das Ordnungsamt in der kommenden Woche. Von der Polizei ist der Fall zwar registriert worden, wird aber vorerst nicht verfolgt. Eine für den Bereich zuständige Mitarbeiterin der Kriminalpolizei informierte Karola Leder am Freitag, dass sie vom Polizeiposten Rommelshausen über den Fall in Kenntnis gesetzt worden war. „Sie war freundlich und interessiert, hat mir aber erklärt, wenn es nur einen Hund betrifft, passiert erst mal nichts, und da Lucky lebt, gebe es ja auch keine Geschädigten.“

Nicht nur in Rommelshausen haben in den vergangenen Tagen vermehrt besorgte Hundebesitzer in den sozialen Medien von seltsamen Funden berichtet

Wie es aussieht, hat Lucky allerdings großes Glück gehabt, weil er nur wenig von dem Zeug erwischte. „Vom ersten Eindruck her, bei der Optik und der Konsistenz, liegt die Vermutung nahe, dass es sich um Gift handelt“, erklärt jedenfalls Alexander Lenz beim Anblick der Fundstücke. Der Leiter des Raiffeisenmarkts Fellbach hat bei der Arbeit häufig mit Düngern und Giften zu tun. Über dem Berg ist Lucky noch nicht. Eine Blutuntersuchung beim Tierarzt am Freitag hat ergeben, dass der Gerinnungswert des Blutes immer noch grenzwertig ist, trotz der Behandlung mit hochdosiertem Vitamin K 1. Sie solle sich schon mal nach einem Hundekumpel umgucken, der im Notfall am Wochenende Blut spenden könnte, falls es Lucky schlechter gehe, hat der Tierarzt Karola Leder noch auf den Weg mitgegeben, nachdem er ihr erst gezeigt hatte, wie sie am Zahnfleisch erkennen kann, ob Lucky innerlich verblutet.

Giftköder können auch Kindern Schaden zufügen

Nicht nur in Rommelshausen haben in den vergangenen Tagen vermehrt besorgte Hundebesitzer in den sozialen Medien von seltsamen Funden berichtet. So sollen in Waiblingen-Hegnach ebenfalls Giftköder aufgetaucht sein. Mit einem der Betroffenen hat Karola Leder selbst gesprochen. „Er hat mir voller Trauer erzählt, dass sein Hund nach langem Leiden gestorben ist“, berichtet sie. Auch Maureen Klein aus Stetten, die seit einigen Jahren aktiv in einer Giftalarm-WhatsApp-Gruppe ist, hat von Fällen in der Nachbarschaft Kernens gehört. „So viel ich aus den Netzwerken weiß, waren in Hegnach zehn Hunde insgesamt betroffen, und zwei sollen gestorben sein.“ Aber selbst, wenn es bisher erst einen toten Hund gab, und selbst, wenn jemand Hunde nicht mag, sei das Auslegen von Giftködern einfach ein Unding. „Sie können ja auch Kindern oder anderen Tieren Schaden zufügen.“

Auf Anfrage teilte die Polizeidirektion Aalen mit, dass es in diesem Jahr noch keine bestätigten Fälle von Giftködern im Rems-Murr-Kreis gibt. Allerdings liege derzeit eine weitere Fundprobe – nicht die aus Rommelshausen – dem CVUA in Freiburg zur Untersuchung vor. Vor Karola Leder liegen noch ein paar unruhige Nächte, bis sie sicher sein kann, dass ihr Lucky alles gut überstanden hat.

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