Filialen von Karstadt und Galeria Kaufhof in Düsseldorf Foto: dpa

Nachdem Signa die volle Kontrolle über Galeria Karstadt Kaufhof übernommen hat, schießt sich Verdi auf das Sparprogramm ein. Dieses biete keinen Weg aus der Krise.

Stuttgart - Die Nachricht hat den Verdi-Experten Bernhard Franke nicht überrascht: Sieben Monate nach dem Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof sichert sich der österreichische Investor René Benko für rund eine Milliarde Euro die alleinige Macht bei Deutschlands letztem verbliebenem Warenhauskonzern. Benkos Signa-Holding übernimmt dafür die restlichen Anteile (49,99 Prozent) des kanadischen Einzelhandelskonzerns Hudson’s Bay Company (HBC). „Das hat sich angedeutet, das war nur eine Frage der Zeit“, sagt Franke, der bei Verdi für den Handel in Baden-Württemberg zuständig ist, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Im Grunde sei HBC seit dem Einstieg von Signa kaum mehr in Aktion getreten und habe jetzt wohl einen Weg gesehen, sich gesichts- und vermögenswahrend zurückzuziehen. „Benko hat schon vorher durchregiert und wird es weiter tun, da verändert sich nichts.“ Dass die Alleinherrschaft des Sanierers zusätzliche Besorgnis auslöse, glaubt Franke nicht. „Was schon zuvor an Personalabbau verkündet wurde, ist schon so grausam, dass es kaum schlimmer kommen kann.“

In Baden-Württemberg fallen 283 Vollzeitstellen weg

Der Verdi-Experte meint damit das Sparprogramm, das bei Kaufhof infolge der Fusion derzeit läuft. 2800 Vollzeitstellen sollen bundesweit abgebaut werden: 1000 in der Kaufhof-Zentrale in Köln, 1800 in den Filialen. In den 13 Kaufhof-Filialen in Baden-Württemberg sollen 283 Vollzeitstellen wegfallen. Da im Einzelhandel viele Mitarbeiter in Teilzeit arbeiten, dürfte die Zahl der betroffenen Mitarbeiter bei über 400 liegen. Laut Verdi ist „jeder dritte Mitarbeiter“ betroffen.

So werden in den drei Filialen in der Innenstadt und Bad Cannstatt laut Gewerkschaft 87 Vollzeitstellen abgebaut. Im bekanntesten Kaufhof-Haus in der Stuttgarter Königstraße sollen demnach nach der Streichung von 63 Stellen noch 144 Vollzeitstellen übrig bleiben. Bis Ende Juli läuft wie in den anderen Filialen ein Freiwilligenprogramm, unter anderem mit Abfindungen. Melden sich nicht genügend Mitarbeiter, könnte es danach Kündigungen geben.

Das Sparprogramm trifft aber schon jetzt sämtliche Mitarbeiter: In Baden-Württemberg sind die Kaufhof-Beschäftigten seit 1. April dieses Jahres ohne Tarifbindung. Bei möglichen Tariferhöhungen steigt ihr Gehalt also nicht automatisch an.

Galeria Kaufhof und Karstadt leiden unter der Online-Konkurrenz

Karstadt-Kaufhof-Chef Stephan Fanderl sieht die künftige Alleinherrschaft Benkos – die allerdings noch von den Wettbewerbsbehörden genehmigt werden muss – als gute Nachricht. „Die Entscheidungswege werden kürzer und einfacher – das ist wichtig und richtig“, betonte er. Allerdings müssen Fanderl und Benko die beiden Unternehmen, die in der Vergangenheit miteinander rivalisierten, zusammenführen und die unterschiedlichen Mitarbeiterkulturen vereinen. Hinzu kommen die Dominanz der Online-Händler Amazon und Zalando sowie die Konkurrenz von Einkaufszentren – in Stuttgart zum Beispiel von Milaneo und Gerber. In vielen Innenstädten sind die Besucherzahlen rückläufig.

Bei Karstadt gelang es Fanderl bereits, die Kosten deutlich zu senken. Nun ist er dabei, das Gleiche bei Kaufhof zu tun. Neben der Streichung von Arbeitsplätzen strukturiert er um: Die Führungsebene wird reduziert, die Belegschaft aufgeteilt in Teams, die für den Verkauf, die Kasse oder den Warenservice zuständig sind. Jede Filiale erhält einen Personalschlüssel. Filialen selbst sollen nicht geschlossen werden. Letzteres hält Stephan Franke für vernünftig – die zentralen Lagen und die Nähe zum Kunden seien Stärken von Kaufhof.

Der Gewerkschafter geißelt das Sparprogramm

Dem Sparprogramm selbst kann der Gewerkschafter allerdings wenig Gutes abgewinnen. „Das Sparprogramm bei Karstadt hat nicht dazu geführt, dass die Filialen besser dastehen oder die Kundenzufriedenheit gestiegen ist. Dort hat man die Blutung gestillt, aber die Wunde nicht geheilt. So kann es nicht nach vorne gehen.“

Vor möglichen Gesprächen mit Galeria Karstadt Kaufhof, wie der Warenhausriese inzwischen heißt, will sich die Gewerkschaft Anfang nächster Woche beraten und die Weichen stellen. Die grundsätzlichen Forderungen sind klar. Die Belegschaft soll an einem Sanierungskonzept beteiligt werden – „von oben durchregieren“ gehe nicht, betont Franke. Außerdem müsse Benko verbindlich sagen, dass er bereit sei, in das Unternehmen zu investieren und es weiterzuentwickeln.

Ob sich das Unternehmen darauf einlässt, wird sich zeigen. Einig sind sich beide Seiten zumindest, dass es nicht wie bisher weitergehen kann.

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