Leerstehende Läden in guter Lage sind für viele Städte ein Problem. Die Gründe sind jedoch unterschiedlich. Foto: dpa/Carsten Rehder

Seit Monaten stehen Gewerbeflächen in Stuttgart-Degerloch leer. Interessenten gibt es wohl, aber der Eigentümer hat sich bisher verweigert. Nun signalisiert er Gesprächsbereitschaft.

Degerloch - Marco-Oliver Luz schaut durch die Glasscheiben. „Das wäre ideal, das ist eine top Lage“, sagt der Degerlocher Bezirksvorsteher über das Ladenlokal an der Ecke des örtlichen Busbahnhofs. Und doch blickt er ins Dunkle. In der ehemaligen Pizzeria wird schon lang nicht mehr gebacken. Das Restaurant ist vor Monaten aufgegeben worden, seither steht die zweistöckige Gewerbefläche leer. Sie ist nicht die einzige im Berolina-Haus. Im lang gezogenen Gebäude entlang der Löffelstraße ist noch eine zweite Fläche verlassen, die des einstigen Feinkostgeschäftes. Die Fenster sind verhangen. Ob hinter dem Sichtschutz eventuell renoviert wird, ist nicht auszumachen. Und auch die Pilsstube an der Ecke zur Epplestraße ist geschlossen. Sie befindet sich zwar in einem anderen Gebäude, aber auch das gehört laut Marco-Oliver Luz zum Berolina-Komplex.

Bezirksvorsteher: Es gibt Interessenten

Dem Bezirksvorsteher ist anzumerken, dass ihn der Anblick der leeren Schaufenster und verschlossenen Türen schmerzt. Degerloch lebe von den vielen kleinen Läden, „deswegen kommen auch viele Kunden aus anderen Bezirken“, Leerstände zerstörten jedoch das Flair. Das ehemalige Feinkostgeschäft etwa liegt an der U- und der Zahnradbahn, also an exponierter Stelle. „In bester Lage“, betont Marco-Oliver Luz. Allerdings: Laut seiner Aussage müssten zumindest die beiden großen Objekte gar nicht leer stehen. „Wir hätten genügend Interessenten“, stellt er klar, und mit wir meint er sowohl die Bezirksverwaltung als auch die Wirtschaftsförderung und den örtlichen Gewerbe- und Handelsverein. Demnach stehen alle drei Akteure in der Sache in engem Kontakt.

Vor vier bis sechs Woche haben sich nach Marco-Oliver Luz’ Worten sowohl er als auch die Wirtschaftsförderung in einem gemeinsamen Brief an die Karlsruher Immobilienfirma gewandt, der das Gebäude gehört, um etwas Bewegung in die Sache zu bringen. Eine Antwort sei indes nicht eingegangen. „Wir versuchen schon seit Langem, auf den Eigentümer einzuwirken“, sagt er. Bislang seien die Vorstöße erfolglos gewesen. „Unsere Kontaktversuche verhallen.“

Die Immobilienfirma hat sich zurückgemeldet

Auch gegenüber unserer Zeitung wollte die Immobilienfirma, die auf ihrer Homepage mit dem Satz „Leerstand ist eine Chance“ wirbt, keine Stellungnahme abgeben. Allerdings: Nach mehreren Mails und Anrufen seitens unserer Redaktion vermeldet Marco-Oliver Luz am vergangenen Freitag um die Mittagszeit einen Durchbruch. Die Firma hat sich erstmals bei der Wirtschaftsförderung zurückgemeldet und Gesprächsbereitschaft signalisiert.

Für den Stadtbezirk ist das ein wichtiger Schritt, denn ohne die Mitwirkung der Eigentümer läuft im Berolina-Haus nichts. Das Zweckentfremdungsverbot, das in Stuttgart seit 2016 gilt, bezieht sich nur auf Wohnraum. Gewerbeflächen sind davon nicht berührt. „Das ist Privateigentum, mit dem der Eigentümer, platt gesagt, machen kann, was er will“, betont Marco-Oliver Luz. Die Stuttgarter Stadtverwaltung habe keine Handhabe. „Das müssen wir akzeptieren.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: