Gewerbe im Raum Stuttgart Region will Flächen für wichtige Zukunftsprojekte parat halten

Von Josef Schunder 

Im Neckartal in Stuttgart ist geballte Wirtschaftskraft angesiedelt – hier und an anderen Stellen in der Region sind weitere Gewerbebauflächen knapp. Foto: Horst Rudel
Im Neckartal in Stuttgart ist geballte Wirtschaftskraft angesiedelt – hier und an anderen Stellen in der Region sind weitere Gewerbebauflächen knapp. Foto: Horst Rudel

Die Realisierung von angepeilten Gewerbegebieten durch die Kommunen dauert dem Verband Region Stuttgart zu lang. Außerdem müsse schnell ein gänzlich neuer Standort entwickelt werden, wo man etwa die Automobilindustrie rasch mit Grundstücken bedienen könne, heißt es. Das sei eine Schicksalsfrage für die Region.

Stuttgart - Bauflächen für Industrie und Gewerbe sind weiterhin sehr knapp. Daher wollen die Repräsentanten der Region Stuttgart und ihre Wirtschaftsförderung die Bemühungen um zusätzliche Flächen verstärken – und neu ausrichten.

Im Verbandsgebiet soll ein strategischer Standort mit mindestens zehn bis 20 Hektar Fläche bestimmt, planerisch vorbereitet und gesichert werden, an dem dann in längstens zwei Jahren „Projekte des technologischen und ökonomischen Wandels“ mit einem Platzbedarf von zwei Hektar oder mehr angesiedelt werden können.

Es geht um einen Standort, an dem die Umstellung auf das Elektroauto, die Entwicklung neuer Mobilitätssysteme und die Digitalisierung der Wirtschaft möglich sind, so lange die alten Techniken noch ihre bisherigen Gewerbeflächen beanspruchen.

Bei der Bevölkerung soll um Verständnis geworben werden

Bisher brauche man mindestens drei bis fünf Jahre, um Flächen passgenau zu entwickeln. Das sei zu lang. Werde nicht ausreichend Vorsorge im richtigen Maß und an der richtigen Stelle getroffen, drohe die Region Stuttgart auf Dauer von zentralen Zukunftsentwicklungen abgehängt zu werden, befürchten die Geschäftsstelle des Verbandes Region Stuttgart (VRS) und die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart (WRS). Sie haben auch schon erste Überlegungen angestellt und „erste Sondierungsgespräche mit Kommunen“ geführt. Am Mittwoch wollten sie den Wirtschaftsausschuss der Verbandsversammlung für den strategischen Standort gewinnen. Ihr Vorschlag: 2019 sollen erst einmal Gelder für Machbarkeitsuntersuchungen, für die Entwicklung von Flächenszenarien und auch für Öffentlichkeitsarbeit bereitgestellt werden. Der Bevölkerung müsse man stärker vor Augen führen, dass die Unternehmen die Träger des gesellschaftlichen Wohlstands seien.

140 000 Euro wünschten sich die Geschäftsstelle und der WRS fürs Erste – und der Ausschuss sollte dem Regionalparlament die Ausgaben für die nächsten Haushaltsberatungen empfehlen. Das wurde jedoch (noch) nicht vollzogen. Weil die restliche Sitzungszeit nicht mehr ausgereicht hätte, dieses Thema gebührend zu diskutieren, wurde es auf den 8. Oktober vertagt.

Gewährt das Land dem Verband mehr Kompetenzen?

Das Streben nach dem strategischen Standort ist das erste zentrale Pilotprojekt, auf das VRS und WRS eine Reihe von Vorschlägen verengt haben, die die Universität St. Gallen erarbeitet hatte. Hier wollen die Spitzen von VRS und WRS-Chef Walter Rogg beispielhaft durchexerzieren, wie die Flächenbeschaffung verbessert werden kann und die Region eine aktivere Rolle spielen kann. Letzteres ist schwierig. Die passende organisatorische, finanzielle und rechtliche Form wird gerade ermittelt. Zudem hofft man, dass das Land dem VRS auch mehr Kompetenzen gibt.

Der Verband kann nicht in die Kommunen hineinregieren. Er setzt daher stark auf Beratung, Förderung und partnerschaftliches Vorgehen. Geschäftsstelle und WRS pochen gleichwohl auf mehr Verbindlichkeit, was das Mitwirken der Kommunen an der Umsetzung oder Neubestimmung von regionalen Gewerbeschwerpunkten und beim strategischen Standort angeht.

Neue Suche entlang der Hauptverkehrsachsen

Es gebe zwar zahlenmäßig genügend Flächenpotenziale für alle Anfragen, klagen Rogg und die Geschäftsstelle, diese würden von den Städten und Gemeinden aber nicht gut genug aktiviert. Die Gründe dafür seien unterschiedlich. Einige Kommunen seien unwillig. In der Bevölkerung gebe es Ablehnung. Als Beispiel für den Verzug wurden vier regionale Gewerbeschwerpunkte im Kreis Ludwigsburg genannt, die unter dem Begriff „Autobahn 81-Nord“ laufen. Ihre flächendeckende Umsetzung sei momentan nicht absehbar. Die Akteure halten es auch für möglich, dass Gewerbeflächen im Regionalplan neu abgegrenzt und womöglich neue Schwerpunkte bestimmt werden müssen. Die Bedarfslage der Unternehmen habe sich geändert, die Nachfrage richte sich zunehmend auf industrielle Kernzonen und die Hauptverkehrsachen der Region. Diese Bereiche will man auf weitere zusammenhängende Bauflächen von mindestens zwei Hektar Größe scannen. Die Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen sei unbestritten wichtig, heißt es in der Vorlage für die Regionalräte, letztlich gebe es aber auch in der Region Stuttgart „keine Alternative zur Bereitstellung von Gewerbebauflächen auf der sogenannten grünen Wiese.

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