Im August wurden zwei Jugendliche in Nellingen schwer verletzt. Offenbar steckt ein Konflikt zwischen zwei Jugendgruppen hinter dem Vorfall (Archivfoto). Foto: 7aktuell.de/Enrique Kaczor

Nach mehreren gewalttätigen Auseinandersetzungen in Ostfildern verkündet die Polizei Ermittlungserfolge. Offenbar stecken zwei rivalisierende Jugendgruppen hinter Vorfällen, bei denen unter anderem Messer und Schreckschusspistolen zum Einsatz kamen.

Mehrmals in den vergangenen Monaten schrecken Schussgeräusche Anwohner in Ostfildern auf, zwei Mal in Nellingen, zwei Mal in der Parksiedlung. Vor Ort findet die Polizei teilweise nur noch Patronenhülsen von Schreckschusswaffen. Einen der Vorfälle konnte die Polizei nun offenbar aufklären: Dahinter stecke ein Konflikt zwischen rivalisierenden Jugendgruppen, deren Mitglieder gewaltbereit und in kriminelle Aktivitäten verstrickt sein sollen. Die Ermittlungen befördern weitere Straftaten zutage.

 

Wie das Polizeipräsidium Reutlingen in einer gemeinsamen Mitteilung mit der Staatsanwaltschaft Stuttgart bekannt gibt, wurden bei mehreren Vorfällen zwischen den Gruppen im Zeitraum von April bis September Messer, Schlagstöcke oder Schreckschusswaffen eingesetzt. Die Gewalt gipfelte demnach in einem versuchten Tötungsdelikt am 6. August in Nellingen vor einem Café, bei dem ein zu dem Zeitpunkt 16-Jähriger durch Messerstiche lebensgefährlich und ein 18-Jähriger ebenfalls schwer verletzt wurde. Bei diesem Vorfall sollen auch Schreckschusswaffen zum Einsatz gekommen sein.

Jugendliche dealen wohl mit Betäubungsmitteln

Die Polizei geht davon aus, dass dem Konflikt Geschäfte mit Betäubungsmitteln zugrunde liegen. Bereits im September haben die Kriminalpolizeidirektion Esslingen und das Polizeirevier Filderstadt mit der Kooperation bei den Ermittlungen begonnen, wodurch den Angaben zufolge zu verschiedenen Delikten Verdächtige identifiziert werden konnten. Bei zehn im Raum Ostfildern, Esslingen und Kirchheim ansässigen Jugendlichen und Heranwachsenden im Alter zwischen 16 und 18 Jahren seien Durchsuchungsbeschlüsse vollstreckt worden. Außerdem seien bei Kontrollaktionen im öffentlichen Raum Erkenntnisse über die Zusammensetzung der Gruppen gewonnen worden. Einsatzkräfte haben dabei immer wieder Messer und andere gefährliche oder teilweise verbotene Gegenstände wie Teleskopschlagstöcke beschlagnahmt. Mehrere Verdächtige sehen Strafanzeigen wegen Verstößen gegen das Waffengesetz entgegen. „Im Zuge der Ermittlungen haben wir auch viele Dinge aufklären können, die der Polizei noch gar nicht bekannt waren“, sagt Andrea Kopp von der Pressestelle der Polizei. Denn teilweise seien sowohl Beschuldigte als auch Geschädigte nicht aussagefreudig, zumal deren Rollen teilweise wechselten.

Darunter ein schwerer Raub Ende Juli, den fünf Beschuldigte im Alter zwischen 16 und 18 Jahren verübt haben sollen, wobei sie wohl einen Jugendlichen aus der Gruppe der Kontrahenten mit Schlägen und Tritten traktiert und dessen Geld sowie Betäubungsmittel an sich genommen haben sollen. Einer der Verdächtigen, ein zur Tatzeit 16-Jähriger, der als mutmaßlicher Haupttäter gilt, war vorübergehend in Untersuchungshaft. Als Racheakt sieht die Polizei eine Straftat Mitte August an, als ein 16-Jähriger einen der Verdächtigen des vorangegangenen Raubdelikts mit einem Messer verletzt haben soll.

Wohl kein Zusammenhang mit Schussserie

Doch auch Unbeteiligte sollen durch die Gruppen angegangenen worden sein, beispielsweise werden sich zwei 18-Jährige wegen eines am 22. April an der U-Bahn-Haltestelle Scharnhauser Park begangenen, versuchten schweren Raubes unter Mitführens einer Schreckschusswaffe verantworten müssen. Sie sollen von zwei jungen Männern, bei denen es sich nach Einschätzung der Polizei um Zufallsopfer handelte, die Herausgabe von Bargeld gefordert haben.

Weitere Schussabgaben aus Schreckschusspistolen im Oktober und Dezember sind laut Andrea Kopp noch nicht aufgeklärt. Ein Vorfall im August in Nellingen steht dagegen wohl nicht in Zusammenhang mit der Gewalt zwischen den Jugendbanden. Die genannten Auseinandersetzungen in Ostfildern stehen nach derzeitigem Stand der Ermittlungen übrigens wohl nicht im Zusammenhang mit der Gewalt zwischen zwei rivalisierenden Gruppierungen im Großraum Stuttgart, die seit Monaten für Schlagzeilen sorgen.

Laut Andrea Kopp behält die Polizei die Jugendbanden in Ostfildern weiter im Auge, die Ermittlungen seien nicht abgeschlossen. „Auch die regelmäßigen Kontrollen werden fortgeführt.“