Die Polizei hat eine Mahnwache für die getötete Sarah Everard aufgelöst. Ein Einsatz, der als umstritten gilt. (Archivbild) Foto: dpa/Victoria Jones

Eine britische Aufsichtsbehörde hat einen Polizeieinsatz von Scotland Yard untersucht und kommt zu dem Schluss, dass die Ordnungshüter sich richtig verhalten haben. Der Einsatz ist hoch umstritten.

London - Eine Untersuchung zum Polizeieinsatz bei der Mahnwache für die getötete Sarah Everard in London hat das Vorgehen der Einsatzkräfte als angemessen gerechtfertigt. Scotland Yard habe zu Recht den Standpunkt eingenommen, dass die Gefahr von Coronavirus-Übertragungen zu groß gewesen sei, um sie zu ignorieren, teilte die Aufsichtsbehörde HMICFRS (Her Majesty’s Inspectorate of Constabulary and Fire & Rescue Services) am Dienstag mit. Zugleich hieß es aber, die Kommunikation zwischen den Beamten sei unzureichend gewesen und eine „versöhnlichere Reaktion“ hätte den Interessen der Polizei möglicherweise besser gedient.

Der Einsatz der Polizei bei der Mahnwache in dem Park Clapham Common im Süden Londons hatte heftige Kritik auf sich gezogen. Mehrere Hundert Menschen hatten sich trotz Verbots am Abend des 13. März an einem improvisierten Gedenkort für die auf ihrem Nachhauseweg entführte und getötete Frau zusammengefunden. Die Polizei schritt ein und löste die Versammlung auf. Auf Videos, die in Sozialen Netzwerken kursierten, war zu sehen, wie Polizisten mehrere Frauen gewaltsam abführten. Das Foto einer Frau, die von Beamten mit dem Gesicht nach unten zu Boden gedrückt wird, ging um die Welt.

Der Tod von Sarah Everard hatte zu einem landesweiten Aufschrei gegen Gewalt an Frauen geführt. Erst am Tag vor der Mahnwache war der in einem Waldstück in der Grafschaft Kent gefundene leblose Körper der 33-Jährigen identifiziert worden. Damit wurde aus Befürchtungen über ihr Schicksal traurige Gewissheit. Zuletzt gesehen wurde sie am 3. März in der Nähe von Clapham Common, als sie in der Dunkelheit auf dem Heimweg von einer Freundin war. Unter Tatverdacht steht ein 48 Jahre alter Polizist.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: