Nach der CSD-Parade protestierten Menschen aus der Antifa-Bewegung vor der Absperrung im Ehrenhof gegen die vorübergehende Festnahme von Aktivsten durch die Polizei. Foto: /ubo

Ein „linker Jugendblock“ aus der Antifa-Bewegung hat nun erklärt, wie es aus seiner Sicht zur Gewalt am Samstag beim CSD gekommen ist. Man habe gegen das „Schaulaufen von Unternehmen“ und die Teilnahme der „queerfeindlichen CDU“ an der Parade protestiert.

Stammen die Aktivistinnen und Aktivisten, die am Samstagabend einen Wagen der Pride-Parade attackiert haben, tatsächlich aus dem linken Spektrum? Dies haben sich nach dem Zwischenfall, bei dem Vereinssprecher Detlef Raasch mit einem Ellenbogen-Schlag am Unterkiefer verletzt worden ist, viele am Wochenende bei dem sehr gut besuchten CSD-Fest auf dem Markt- und Schillerplatz gefragt. Angriffe gegen queere Menschen kannte man bisher nur von Rechtsextremen, nicht aber von Linksextremen. In einem Statement hat nun ein „linker Jugendblock“ aus der Antifa-Bewegung, der sich zu den Protesten bekennt, erklärt, was sich aus seiner Sicht abgespielt hat. Ein Bedauern über die Verletzung von Raasch findet sich darin nicht.

 

Es geht auch um die Vorkommnisse um den CSD in Freiburg

Vor allem zwei Gründe werden genannt, warum die Antifa-Gruppe versucht habe, den CSD-Wagen, auf dem sich unter anderem die SPD-Bundesvorsitzende Saskia Esken als Schirmfrau befand, am Ende der Parade „symbolisch zu blockieren“. Zum einen habe man gegen das „Schaulaufen von Unternehmen“ bei der Parade und gegen die erneute Teilnahme der CDU protestieren wollen, die eine „queerfeindliche Politik“ betreibe. Zum anderen sollte das Organisationsteam des Stuttgarter CSD dafür kritisiert werden, dass es sich beim Streit um das Antifa-Plakat beim Freiburger CSD (darauf war eine vermummte Person mit Bollenhut zu sehen) „klar gegen antifaschistische Beteiligungen“ ausgesprochen habe.

Weiter heißt es in dem Statement der Antifa-Gruppe Queer und Revolutionär, die sich als „Teil des CSD“ sieht: „Auch stellen wir die Verhältnismäßigkeit der gesamten Aktion in Frage, denn die 17 festgenommenen Aktivist:innen waren mit über 50 bewaffneten Polizisten konfrontiert, wurden geschlagen, geschubst und stundenlang schikaniert. Alles nur wegen einer ,Rangelei’ und angeblicher Vermummung?“ Die Polizei hatte die 17 Beschuldigten im Ehrenhof des Neuen Schlosses festgehalten – hinter der Absperrung protestierte die Antifa-Gruppe lautstark. Gegen eine der 17 Personen wird wegen Körperverletzung ermittelt. Detlef Raasch hat nach der Attacke mit dem Ellenbogen Strafanzeige gestellt. Alle Personen kamen nach kurzer Zeit auf freien Fuß, ihnen wurde ein Platzverbot erteilt.

„Die Antifa war nie Teil des CSD“, erklärt die Aktivistin und Linke-Stadträtin Laura Halding-Hoppenheit, „die haben Transparente getragen, die nichts mit dem CSD und der schwulen Bewegung zu tun haben.“ Auf diesen Transparenten sei die Polizei kritisiert worden, die, wie es beim CSD heißt, „sehr gut mit uns zusammengearbeitet hat“.

Dass die gewalttätige Antifa-Gruppe die CDU als „queerfeindlich“ kritisiert, weist der Stuttgarter CDU-Kreisvorsitzende Thrasivoulos Malliaras entschieden zurück. „Niemand ist offensichtlich so weit vom Spirit des CSD entfernt wie die Antifa“, erklärt er. Leben und leben lassen – das sei die Pride-Botschaft. Gewalt gegen Andersdenkende sei aber alles andere als ein „Zeichen der Toleranz“. Die CDU, versichert Malliaras, solidarisiere sich „mit dem Stuttgarter CSD für eine Stadt der freien Entfaltung“.

Cem Özdemir und Saskia Esken kritisieren die Vorfälle

Die CSD-Schirmfrau und SPD-Bundesvorsitzende Saskia Esken erklärte am Montag: „Es ist mir unverständlich, dass ein so friedliches und fröhliches Fest für die Liebe und das Leben wie der CSD in Stuttgart durch einen solchen Protest gestört wird, aber dass dieser Protest in Gewalt mündetet, ist absolut inakzeptabel.“

Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne), der an der Parade auf dem Truck des VfB Stuttgart und in der Fußgruppe der Grünen teilnahm, kritisierte den Zwischenfall. Man feiere den CSD so, wie man es wolle und frage keine radikalen Linken um Erlaubnis, erklärte er. OB Frank Nopper (CDU) sagte, die gewaltsamen Attacken auf die Stuttgarter CSD-Parade seien „schockierend, irritierend und scharf zu verurteilen“. Niemand habe das Recht zu Gewalt gegenüber anderen Menschen – Rechtsextremisten nicht und Linksextremisten auch nicht.

Anmerkung: In einer ersten Fassung des Textes hieß es, die SPD-Vorsitzende Saskia Esken wolle sich zu dem Zwischenfall nicht äußern. So hatte sie die Anfrage unserer Redaktion beantworten wollen. Am Montag schickte sie doch ein Statement, das nun in dem aktualisierten Artikel enthalten ist.