Die Zukunft des Gewa-Towers in Fellbach ist weiter ungewiss. Foto: Patricia Sigerist

Für das Pleite-Hochhaus in Fellbach war 2017 ein verlorenes Jahr. Mit keinem Übernahmeinteressenten konnte ein Vertrag abgeschlossen werden. Es gibt aber noch Hoffnung für den Gewa-Tower.

Fellbach - Still steht er da, der lange Finger der Fellbacher. Regionsweit sichtbar ist das vor weiteren Baupleiten und Investitionsruinen warnende Musterbeispiel Gewa-Tower. 34 Stockwerke hoch ist er aus Beton. Einige Fenster hat er, viele fehlen noch. Er hat einen Winter lang dem Regen, Schnee und Eis getrotzt – laut einem Tüv-Gutachten ohne wesentlichen Schaden zu nehmen. Er muss jetzt noch eine weitere Kälteperiode aushalten.

Die Stimmung der Wohnungskäufer und Anleihegläubiger war zum Jahresbeginn genauso frostig wie das Wetter, und zum Jahresende macht sich Enttäuschung breit. Das vorläufige Insolvenzverfahren über das Vermögen der Projektgesellschaft Gewa 5 to 1 GmbH und Co. KG zog und zog sich hin, ohne dass wieder Handwerker auf der Baustelle erschienen sind – bis heute.

Aber zweimal kam Hoffnung auf. Am 13. März konnte unsere Zeitung erstmals vermelden, dass es nun einen Investor gibt, der den Bau samt dem als „Randbebauung“ vorgesehenen Hotel fertigstellen will. Ein Name wurde nicht genannt, und das ist bis heute so geblieben. Aber er hat, anders als andere Interessenten, wenigstens eine unverbindliche Absichtserklärung abgegeben und ist in Vertragsverhandlungen mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Ilkin Bananyarli eingetreten. Kurz vor der ersten Gläubigerversammlung, die erst am 25. April terminiert wurde, gab es dann sogar schon zwei solcher „Letters of intent“.

Harte Bedingungen der möglichen Tower-Übernahme

Die darin beschriebenen Bedingungen waren hart. In einem Angebot wurde ein Schuldenschnitt von 20 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Fast das gesamte Anleihevolumen von 35 Millionen Euro war für den Bau verbraucht worden, und dennoch sollten die Anleihegläubiger nur 15 Millionen Euro zurückerhalten plus einen vagen Besserungsschein. Der zweite Investor bot nur 13,5 Millionen Euro plus Besserungsschein – und damit einen Schuldenschnitt in Höhe von 60 Prozent. Auch er verlangte einen Rangrücktritt.

Die Anleihegläubigerversammlung endete ohne Beschlüsse. Die Rechtsanwälte hatten zuvor und in der Folge das Wort. Das dauerte. Erst im August kam es in einer Gläubigerversammlung im schriftlichen Verfahren zur Wahl von Gustav Meyer zu Schwabedissen als gemeinsamem Vertreter der Anleihegläubiger. Mit diesem ging es schneller vorwärts.

Exklusive Verhandlungen platzen

Bananyarli und Meyer zu Schwabedissen wählten im September einen der beiden Investoren aus, um exklusiv über einen Verkaufsvertrag zu verhandeln. 13,5 Millionen Euro plus Übernahme einer Bürgschaft des Generalunternehmers Baresel GmbH in Höhe von 3,5 Millionen Euro lautete jetzt sein Gebot. Die Spannung stieg, die Vorfreude auch.

Doch eine kalte November-Dusche folgte. Die Verhandlungen platzten. Eine ominöse Liste tauchte auf, die wenigsten kannten sie. Die Rede war von Mängeln, der vorläufige Insolvenzverwalter korrigierte auf „Hinweisliste“. Im Hause des Generalunternehmers Baresel GmbH ist sie zusammengestellt worden. Nach allem, was zu erfahren war, führt sie Haftungsrisiken für den Erwerber auf, aber auch eventuelle Verkaufshindernisse für die verbleibenden Luxuswohnungen. Jedenfalls schmiss der Kaufinteressent für den Tower erbost über die neuen Risiken hin.

Ilkin Bananyarli wandte sich nach Investor A nun wieder Investor B zu und verhandelt. Seitdem herrscht wieder – Stille.

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