Bei Mineralwasser beträgt die Mehrwegquote in Deutschland derzeit nur 30 Prozent. Foto: dpa

72 Prozent der Verbraucher möchten ihre Getränke gerne umweltfreundlich verpackt kaufen. Doch was bedeutet das eigentlich? Sollte man zu Glas-, PET-, Einweg- oder Mehrwegflaschen greifen?

Stuttgart - Wer beim Getränkekauf auf den Umweltaspekt Wert legt, steht oft vor der Frage, was besser ist: Glas- oder PET-Flaschen? Ein Vergleich zeigt, dass eine eindeutige Empfehlung gar nicht so einfach ist.

Das Material

PET ist die Abkürzung für den Kunststoff Polyethylenenterephthalat. Wie bei allen Plastikarten wird für die Herstellung Erdöl benötigt. Da die natürlichen Erdölvorkommen im Boden nicht unerschöpflich sind, ist die Wiederverwertung wichtig. Hinzu kommt, dass Plastikflaschen, die in der Natur entsorgt werden, sich dort erst nach 450 Jahren zersetzten – und das auch nur in winzig kleine Plastikteilchen, die in der Umwelt bleiben. Aber PET hat auch einen Vorteil gegenüber Glas: das geringere Gewicht.

Anders als bei Glas kann man wegen des geringen Eigengewichts der Verpackung auch 1,5 Liter Flüssigkeit in einer Flasche abfüllen. „Kleine Flaschen brauchen dagegen deutlich mehr Material pro Liter Füllgut, und das hat einen ganz entscheidenden Einfluss auf die Ökobilanz“, sagt Benedikt Kauertz, Experte für Getränkeverpackungen am Institut für Energie- und Umweltforschung Ifeu in Heidelberg.

Das leichte Material kommt den PET-Flaschen auch beim Transport zugute: Es passen mehr Getränke auf einen Laster als bei den schweren Glasflaschen. Für Glasflaschen gilt: Je weiter die Transportwege sind, umso mehr fallen die ökologischen Nachteile ins Gewicht. Zwar sind auch die Glasflaschen in den letzten Jahren etwas leichter geworden. „Einen Riesenschritt bei der Gewichtoptimierung dürfen wir hier aber nicht erwarten“, sagt Kauertz.

Die Lebensdauer

Das knirschende Geräusch bei der Rückgabe im Leergutautomaten verrät es: PET-Einwegflaschen werden häufig nur für eine einzige Abfüllung produziert und bei der Rückgabe gequetscht, später geschreddert und eingeschmolzen. Etwas weniger als 30 Prozent dieses Rezyklats werden für die Herstellung neuer Flaschen verwendet. Der Rest wird zu Folien oder Fasern für Jacken, Schulranzen oder Einkaufstaschen verarbeitet. Dieses sogenannte Downcycling steht bei Umweltschützern in der Kritik, weil durch die Umwandlung in ein qualitativ schlechteres Produkt als das Ausgangsprodukt Ressourcen verloren gehen.

Ein Grund für den geringen Rezyklat-Anteil ist, dass die Qualität des Plastiks beim Einschmelzen leidet, die Flaschen sich gelblich verfärben. „Es gibt aber Leuchtturmprojekte, die Lösungen gefunden haben“, sagt Kauertz. So umgeht der Discounter Lidl das Problem, indem er auf grünes und blaues Plastik setzt. Nach eigenen Angaben kommt er so auf einen Rezyklat-Anteil von 55 Prozent. Dass nicht flächendeckend noch mehr Rezyklat eingesetzt wird, hat aber noch einen Grund: „Der PET-Markt wächst, und es gibt immer Verluste bei der Aufbereitung. Daher braucht es Neumaterial zum Nachspeisen“, sagt Kauertz. Warum insbesondere die Discounter dennoch auf Einweg-PET setzen, hat einen einfachen Grund: „Mehrweg braucht den doppelten Platz im Lager: für die vollen Flaschen und fürs Leergut. Da hören wir immer das Kostenargument.“

Denn Mehrwegflaschen werden nach der Rückgabe am Stück gesammelt, zum Abfüller zurückgebracht, gewaschen und wieder befüllt. Bei Glasflaschen geht das bis zu 60 Mal, bei PET-Flaschen bis zu 20 Mal – sie zerkratzen leichter als Glas. Das spart Ressourcen, weil nicht ständig neue Flaschen hergestellt werden müssen, und vermeidet Abfall. Beides fällt ökologisch mehr ins Gewicht als der Rücktransport und das Säubern der Flaschen.

Auf die Frage, ob Einweg- oder Mehrwegflaschen umweltfreundlicher sind, fällt die Antwort eindeutig aus: Das Recycling von Einwegflaschen ist gut, Mehrwegflaschen sind für die Umwelt aber besser. Erkennen können Kunden sie an der Höhe des Pfands: Im Gegensatz zum 25-Cent-Pfand auf Einwegflaschen liegt die Pfandsumme bei Mehrwegflaschen nur bei 15 Cent. Außerdem sind alle Plastikflaschen mit dem Wort „Mehrweg“ oder „Einweg“ gekennzeichnet. Das DPG-Symbol mit Dose, Flasche und gebogenem Pfeil zeigt dagegen, dass es sich um eine pfandpflichtige Einwegflasche handelt.

Welche Flaschen sind nun besser?

Der Transport

Die Getränke müssen vom Abfüller zum Supermarkt, das Leergut bei Mehrwegflaschen wieder zurück zum Abfüller. Je weiter die Strecken sind, umso mehr wird die Umwelt belastet. „Insbesondere bei vergleichsweise schweren Glasflaschen sollte man deshalb auf einen regionalen Abfüller achten“, sagt Kauertz. Die Angabe der Quelle ist Pflicht, sie findet sich also auf jeder Flasche.

Fazit

Wer beim Getränkekauf auf den Umweltaspekt Wert legt, sollte vor allem auf einen regionalen Abfüller achten. PET-Flaschen haben gegenüber Glasflaschen die Nase vorn, weil sie ein geringeres Transportgewicht haben. Kauft man zudem Mehrwegflaschen, schont man wertvolle Ressourcen. Man sollte aber darauf achten, dass die Flaschen aus einem Pool-System stammen. Nur sie haben auch beim Rücktransport kurze Wege. „Das sind die Glasflaschen in braunen Kästen und die bläulichen PET-Flaschen mit Perlenmuster“, so Kauertz. Sie werden von allen Mitgliedern der Genossenschaft deutscher Brunnen zurückgenommen.

Zu viel Bedeutung darf man der Flaschenwahl übrigens nicht beimessen. „In der Gesamtschau der durchschnittlichen CO2-Emmissionen der Deutschen gibt es sicherlich größere Baustellen – aber wir sagen immer, dass auch kleine Schritte helfen und notwendig sind“, sagt Kauertz.

Wer der Umwelt noch ein wenig mehr helfen möchte, trinkt übrigens am besten das Wasser aus der Leitung. Das kommt unverpackt und ohne Transportwege ins Haus. „Leitungswasser ist definitiv das umweltfreundlichste Erfrischungsgetränk“, betont Benjamin Bongardt, Leiter Ressourcenpolitik beim Naturschutzbund.

So wirkt sich die Ökobilanz aus

Ökobilanz: Bewertet werden die Umweltauswirkungen eines Produkts – von der Rohstoffproduktion über die Herstellung, den Gebrauch und Verbrauch bis zur Entsorgung und Verwertung. Das Umweltbundesamt hat im Jahr 2001/2002 die erste Ökobilanz zu Getränkeverpackungen veröffentlicht.

Orientierung: Ökobilanzen dienen Unternehmen als Orientierung, wenn sie über eine alternative Herstellungsmethode nachdenken oder der Politik bei der Einführung neuer Gesetze. Für Verbraucher können sie eine Kaufempfehlung sein.

Verpackungsverordnung: Der Gesetzgeber hat auf Basis von Ökobilanzen in der Verpackungsverordnung definiert, welche Verpackungsarten als „ökologisch vorteilhaft“ eingestuft werden. Positiv in die Bewertung eingegangen sind vor allem der geringere Verbrauch von Energie und Rohstoffen sowie eine günstige CO2-Bilanz. Zu den am häufigsten im Handel erhältlichen ökologisch vorteilhaften Getränkeverpackungen zählen Mehrwegflaschen aus Glas und PET und Getränkekartons. Bei Mineralwasser beträgt die Mehrwegquote hierzulande derzeit allerdings nur 30 Prozent.

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