In manchen Bereichen im Kreis Ludwigsburg droht eine Unterversorgung mit Medizinern. Das zeigt der neue Gesundheitsbericht, der mehrere Aspekte unter die Lupe nimmt. Auch bei den Pflegekräften gibt es eine besorgniserregende Entwicklung im Kreis.
Wie gesund sind die Menschen im Kreis Ludwigsburg? Diese und andere Fragen soll der erste Basisgesundheitsbericht für den Landkreis, der jetzt erschienen ist, beantworten. Erstellt hat ihn das Dezernat Gesundheit und Verbraucherschutz des Landratsamts. Katharina Klenk präsentierte das Werk am Freitag im Kreistag. Auf den 62 Seiten des Berichts geht es auch um den Status quo der Versorgung mit Apotheken, Ärzten und Pflegeplätzen. Die wichtigsten Erkenntnisse:
Todesursachen
Die meisten Sterbefälle im Kreis sind auf Krankheiten des Kreislaufsystems zurückzuführen. 38 Prozent der Todesfälle haben als Ursache zum Beispiel Herzinfarkte oder Schlaganfälle. Jeder vierte Einwohner leidet an Bluthochdruck. Krebserkrankungen sind in 23 Prozent aller Fälle die Todesursache. Anderen Erkrankungen folgen mit Abstand.
Versorgung mit Hausärzten
Der Kreis ist hinsichtlich der Versorgung mit Hausärzten in drei Bereich aufgeteilt. In Ludwigsburg/Kornwestheim muss sich ein Hausarzt um 1726 Patienten kümmern, in Bietigheim-Bissingen/Besigheim um 1743 und im Bereich Vaihingen um 1769 Menschen. Ludwigsburg/Kornwestheim gilt mit einem Versorgungsgrad 108,1 Prozent als gut versorgt, aber in Vaihingen und Bietigheim-Bissingen/Besigheim drohen mit 86,9 und 90,3 Prozent Unterversorgungen. Diese fängt laut Gesundheitsbericht bei einem Wert von unter 75 Prozent an.
Ein besonderes Problem in diesem Bereich ist die Altersstruktur der Hausärzte. 35 Prozent der Hausärzte im Kreis sind 60 Jahre und älter. Die Nachbesetzung wird immer schwerer, besonders in ländlicheren Bereichen. Davon berichtete in der Sitzung des Kreistags auch Rainer Schäuffele (Freie Wähler). Der Bürgermeister von Erligheim schilderte, wie schwer es ist junge Ärzte für kleine Gemeinden zu gewinnen.
Versorgung mit Apotheken
Laut Gesundheitsbericht gibt es 98 Apotheken im Landkreis Ludwigsburg. Allein in der Kreisstadt sind es 24 Apotheken, aber es gibt auch Gemeinden, die gar keine Apotheke haben wie etwa Eberdingen, Freudental oder Walheim. Eine Apotheke im Kreis versorgt 5594 Einwohner, landesweit sind es nur 4689 Einwohner.
Zahl der Pflegebedürftigen
Gut 24 000 Menschen im Kreis sind derzeit pflegebedürftig, 2011 waren es knapp 11 000. Eine Entwicklung die im gesamten Land beobachtet wird. Im Landkreis Ludwigsburg ist jedoch auffällig, dass die Anzahl des Pflegepersonals zwischen 2019 und 2021 (aktuellste Zahlen) um 14,7 Prozent zurückgegangen ist, während sie im Landesdurchschnitt wuchs.
Folgen
Der Bericht soll ausdrücklich nur ein erster Schritt sein, wie die Verfasserin Katharina Klenk erläuterte. Dennoch gebe es bereits eine Arbeitsgruppe, die sich des Themenbereichs Übergewicht und Adipositas annehme. Das Zahlenwerk soll Grundstock für weitere, detailliertere Untersuchungen sein. Das drückten dann auch die Kreistagsmitglieder in ihren Stellungnahmen aus. Der Bericht enthalte wenig Neues, nun komme es darauf an, wie man sich der darin festgehaltenen Probleme annehme, war die einhellige Meinung im Kreistag.