Keine Menschenseele vor dem Milaneo – die Betreiber hoffen auf Lockerungen Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

In den Shopping Centern sind nur einzelne Geschäfte geöffnet. Rolltreppen stehen, Lichter sind aus. Eine bizarre Atmosphäre. Jetzt besteht die Hoffnung, dass sich das bald ändern könnte.

Stuttgart - Die Atmosphäre ist gespenstisch. Nur ein Tiefgaragenabschnitt im Milaneo ist geöffnet, gerade mal 30 Autos parken dort. Beim Betreten des Treppenhauses tönt plötzlich eine Stimme aus dem Lautsprecher: „Schön, dass Sie da sind und viel Spaß beim Shoppen.“ Ein kleines Stückchen Normalbetrieb im größten Einkaufszentrum Süddeutschlands. Wo sich sonst zwischen rund 200 Geschäften und Gastronomiebetrieben die Menschenmassen schieben, herrscht Tristesse. Ganze 13 Läden sind geöffnet, zum Teil mit deutlich eingeschränkten Öffnungszeiten.

Das Licht ist in vielen Bereichen aus, ganze Gänge sind mit Brandschutztüren und Baustellenbändern abgesperrt. Einige Rolltreppen sind abgeschaltet. In der Food Lounge bleibt die Küche kalt. Nur wenige Kunden sind unterwegs. Das Geschäft des Süßwarenspezialisten Hussel ist in seinem Areal das einzige, das geöffnet hat. Osterartikel gibt es 50 Prozent reduziert, doch das hilft jetzt auch nicht viel. „Wir haben sehr viel weniger Kunden als sonst, das Center ist ja auch fast zu“, sagt die Verkäuferin.

85 Prozent weniger Frequenz

Auf 15 bis 17 Prozent der normalen Kundenfrequenz schätzt Centermanagerin Andrea Poul den Zustand derzeit. „Es sieht hier traurig aus, da blutet mir das Herz“, sagt sie. Bei den Mietern gebe es viele Fragen. Auch solche nach der Mietzahlung sind wohl darunter, aber dafür sind die Eigentümer des Gebäudes zuständig.

Doch es gibt ja Hoffnung. Von Montag an dürfen Geschäfte mit einer Fläche bis zu 800 Quadratmetern unter strengen Auflagen wieder öffnen. Nur: Was heißt das für Einkaufszentren? „Shopping Center werden in dem Beschluss nicht erwähnt“, sagt Andrea Poul. Man gehe davon aus, dass dort gleiches Recht wie für andere gelte, aber wissen könne man das derzeit nicht. Wäre das so, müssten im Milaneo nur zwischen sechs und zehn große Geschäfte geschlossen bleiben.

Man müsse nun auf die Verordnung des Landes warten und auch die Stadt könne noch ein Wörtchen mitreden, so die Centermanagerin. Sie hofft, dass die Details nicht erst am Sonntag feststehen. „Viele Mieter fragen an und bereiten sich vor, aber wir können ihnen derzeit auch nichts Genaues sagen“, so Poul. Der Vorlauf sei – wie schon bei der Schließung – sehr kurz.

Auch im Gerber keimen Hoffnungen

Diese Probleme stellen sich so ähnlich für alle großen Einkaufszentren. Auch im Gerber sind derzeit nur 13 Ladengeschäfte der Nahversorgung und des täglichen Bedarfs geöffnet, zum Teil mit leicht reduzierten Öffnungszeiten. „Die Frequenz im Gerber insgesamt ist durch die vielen Ladenschließungen natürlich geringer als vor den Beschränkungen, aber das Angebot in den aktuell geöffneten Geschäften ist bei den Kunden sehr gefragt, die Abstandsregeln werden selbstverständlich eingehalten“, sagt Hannah Kussel vom Centermanagement. Die Auswirkungen der Schließungen auf die anderen Ladengeschäfte seien aktuell „noch nicht absehbar“.

Auch im Gerber hängt man, was die geplanten Lockerungen betrifft, noch in der Luft: „Dazu lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts sagen, da die erforderliche Verordnung des Landes noch nicht vorliegt“, sagt Hannah Kussel. Es bleibt für die sonstigen Kundenmagnete also nur die Hoffnung, dass die Tristesse bald ein Ende hat und die Lichter wieder angehen.

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