Mehr Sport, weniger essen, mehr Achtsamkeit – warum sind gute Vorsätze fürs neue Jahr immer nur egoistisch gedacht? Warum nicht mal an andere denken, meint unsere Kolumnistin Elisabeth Kabatek.
Es ist eine Zahl, die aufrüttelt. Wenn am Heiligabend Bundestagswahl wäre, dann würden laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa 23 Prozent der Wahlberechtigten ihr Kreuzchen bei der AfD machen. Besonders erschreckend: An Weihnachten 2021 wären es nur 9 Prozent gewesen!
Das sind zwar auch schon neun Prozent zu viel, aber immer mehr Menschen in Deutschland sympathisieren offensichtlich mit einer Partei, die bereits in drei Bundesländern vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistisch“ und in allen anderen Bundesländern als Verdachtsfall eingestuft wird. „Zwei Dinge sollten immer weiß sein: Weihnachten und Deutschland“, lautet die wenig weihnachtliche Botschaft des sächsischen Bundestagsabgeordneten und Mitglieds der AfD-Fraktion Steffen Janich.
Vielleicht ist es aber auch so, dass uns weder dieses Zitat noch die Zahl aufzurütteln vermögen? Weil wir am Ende eines Jahres voller Hiobsbotschaften, düsterer Prognosen zum Thema Klima und grausamer Kriege einfach erschöpft sind und nur noch unsere Ruhe haben wollen? Wir haben uns eine Pause verdient. Die Welt mit all ihren Konflikten soll gefälligst draußen bleiben, wenigstens einmal im Jahr, während wir uns in die Familie, unter den Christbaum und auf die Kirchenbänke zurückziehen.
Es gibt keine schnellen, einfachen Antworten
Wir sind ja schließlich nicht schuld an der Misere. Die Verantwortung tragen allein die etablierten Parteien, denen das Wahlvolk davonläuft, weil sie zu schlechte Politik machen. Unzufriedenheit scheint der Grund dafür zu sein, warum sich Menschen einer Partei zuwenden, die Ängste schürt, demokratische Werte infrage stellt und rechtsradikales Gedankengut verbreitet.
Ja, die Politik hat Fehler gemacht, ist überfordert und kann nicht Schritt halten mit der Geschwindigkeit, mit der sich unsere Welt verändert. Doch statt ständiger Schuldzuweisungen sollten wir vielleicht akzeptieren, dass alles so verzwickt ist, dass es weder schnelle Lösungen noch einfache Antworten gibt, so sehr wir uns das wünschen würden. Und wer würde mit einem Politiker oder einer Politikerin tauschen wollen, ständig unter Beobachtung, permanent unter Beschuss? Das fängt ja schon in unseren Rathäusern an!
Die Sportstudios füllen sich wieder
Im Januar werden sich die Sportstudios wieder füllen. Neben „mehr Sport treiben“ gehört zu den häufigsten Neujahrsvorsätzen, mehr zu sparen, gesünder zu essen und mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. Seltsam, dass auf diesen Listen immer nur Dinge auftauchen, die unserem eigenen Wohl dienen.
Wir könnten uns für das Jahr 2024 vornehmen, uns bei einer demokratischen Partei, einer Umweltorganisation, Amnesty International, im Klimaschutz oder in einem Ehrenamt zu engagieren. Wir alle entscheiden darüber, wie unsere Gesellschaft aussieht, selbst, wenn wir uns passiv verhalten. Nichtstun heißt, radikalen Strömungen das Feld zu überlassen.