Janni Chronakis (rechts) sieht sich als Barbier der alten Schule. Er betreibt den Barbershop Jack the Ripper an der Hackstraße. Die Neugründungen in seinem Metier sieht er kritisch. Foto: jc

Der Bart scheint sich als Trend zu halten. Immer mehr Barbershops genannte Barbierstuben kümmern sich um die Pflege. Doch dem Fachverband der Friseur zufolge, bleibt es selten beim Schneiden des Bartes.

Stuttgart - Janni Chronakis holt zum Diskurs aus. Das Wort „Barbier“ entstamme dem lateinischen Wort „barba“, erklärt er. Die ersten Barbiere seien die Bader in den Armeen der alten Griechen und des Römischen Reiches gewesen. Vor einigen Jahren reüssierte dann das Barthaar zum Accessoire modebewusster Männer. Der Barbier Chronakis stutzt und pflegt es imJack the Ripper an der Hackstraße

Chronakis sieht das traditionelle Barbiergewerbe einer Gefahr ausgesetzt. Der Fachverband Friseur und Kosmetik Baden-Württemberg müsse viel stärker aktiv werden gegen sogenannte Barbiere, fordert Chronakis. „Die bringen die ganze Branche in Verruf“, sagt er.

Barbier wettert gegen Neugründungen

Der Konkurrenz attestiert er, schlecht ausgebildetes Personal zu beschäftigen. „Solche Leute fuchteln dann mit einem Rasiermesser in der Nähe der Hauptschlagader herum“, meint er. Schlimmer noch sei, dass zu viele sich nicht an die Regeln hielten. „Ein Barbier rasiert oder schneidet Männerhaare. Er legt keine Masken auf und zupft Augenbrauen, schon gar nicht färbt er Haare.“

Er glaubt, dass viele der Neugründungen im Barbiermetier klassische Friseur- und Kosmetikdienstleistungen erbringen, ohne dass das Personal entsprechend geschult sei. Mit dieser Befürchtung ist er nicht alleine. Matthias Moser vom Fachverband Frisur und Kosmetik erklärt, dass sein Verband im Frühjahr über Strategien gegen das beraten will, was er Wildwuchs unter den Barbierstuben nennt. Auf die Frage, worin denn die Bedenken seiner Branche liegen, antwortet er: „Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.“ Klar wird, dass es einen Konflikt zu geben scheint zwischen Friseuren und Neugründungen in der Barbierbranche. Diese seien vor allem in der Hand von Migranten.

Die Branche zeigt sich besorgt

Sein Verband wisse, dass die Handwerkskammer Ausnahmeregelungen für Migranten erteilt, die anders als Janni Chronakis keinen deutschen Meisterbrief haben. Die Praxis stelle der Verband nicht infrage, betont Moser. „Es geht aber nicht, dass solche Betriebe Friseurdienstleistungen erbringen“, sagt er.

Moser spricht von Dumpinglöhnen, die niedrige Preise ermöglichten. So entwickele sich eine den Markt verzerrende Konkurrenz, meint er. Kontrollen durch die Gewerbeämter und die Handwerkskammer gebe es meist nur nach Beschwerden. „Viele trauen sich aber nicht, etwas anzuzeigen“, sagt Moser. Die Gründe will er nicht erläutern.

Stadt kennt genaue Zahlen nicht

Die Stadt tut sich schwer damit anzugeben, wie viele Barbershops es in Stuttgart gibt. Laut Verwaltung ist auch nicht bekannt, wie viele dieser Shops von Migranten oder Geflüchteten geführt werden. Dem Eindruck nach gibt es an der und um die Tübinger Straße herum allein eine Handvoll Läden, die sich Barbershop nennen oder Friseurdienstleistungen zu niedrigen Preisen anbieten. In einem Laden ist der Inhaber arabischstämmig. Er will seinen Namen nicht nennen. Der Mann erklärt, dass er nur Geflüchtete beschäftigt, die in ihrer Heimat als Barbier gearbeitet haben. Er habe einen deutschen Friseurmeister und schaue ihnen bei der Arbeit über die Schulter. „Ich kontrolliere ja, wie sie arbeiten“, sagt er.

Die Zahlen, die Alexander Haberer, Leiter der Fachstelle Selbstständige beim Jobcenter, vorlegt, untermauern den Augenschein an der Tübinger Straße. Seine Stelle hätte seit 2013 zwar nur eine Handvoll Geflüchtete auf dem Weg in die Selbstständigkeit im Barbiermetier unterstützt. Höher liege die Zahl bei Migranten, die schon länger in Deutschland lebten. Haberer betont, dass das Jobcenter bei einer finanziellen Förderung einer Selbstständigkeit kontrolliere, ob etwa die Ausnahmegenehmigung der Handwerkskammer für die Tätigkeit als Barbier eingehalten wird. Sobald ein Betrieb finanziell auf eigenen Beinen stünde, seien wie üblich Gewerbeamt und Handelskammer die Kontrollinstanzen, erklärt er. Seine Äußerung legt nahe, dass dann wie bei jedem anderen Betrieb jene, die unlautere Vorgänge erkennen, diese auch zur Anzeige bringen müssen – Ängste hin oder her.

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