Anfang des Monats wurden bereits Mitglieder der Diebesbande verurteilt Foto: dpa

Selbst Heiligabend soll eine Diebesbande in der Region zugeschlagen und Diebesgut im Wert von insgesamt mehr als 130 000 Euro erbeutet haben. Bei Verurteilung drohen Haftstrafen.

Stuttgart/Ludwigsburg - Im Dezember 2014 verging kaum ein Tag, an dem sie nicht zugeschlagen haben. So sieht es die Staatsanwaltschaft, die Teile einer organisierten Diebesbande gefasst haben will, die sich seit Montag vor der 5. Großen Strafkammer des Landgerichts Stuttgart verantworten muss. Drei Männer sollen insgesamt 22-mal in der Region Stuttgart und in anderen Teilen Baden-Württembergs zugeschlagen und dabei Bargeld und anderes Diebesgut im Wert von mehr als 130 000 Euro erbeutet haben. Gleichzeitig geht der Sachschaden, den die Einbrecher während ihrer Beutezüge verursacht haben, in die Zehntausende.

Außerdem soll einer der Angeklagten illegal in Deutschland gewesen sein: Der 40-jährige, drogensüchtige Mann ist nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft mit gefälschten Papieren nach Deutschland gekommen und hat bei einem 38-jährigen, weiteren Angeklagten in Ludwigsburg gewohnt. Der dritte Mann auf der Anklagebank, 30 Jahre alt, soll nur an zwei der Einbrüche beteiligt gewesen sein. Weitere Männer, die sich an den Einbrüchen beteiligt haben sollen, werden gesondert verfolgt.

Während der in Ludwigsburg wohnhafte LKW-Fahrer sein Gehalt schon seit 2013 mit Einbrüchen aufgebessert haben soll, kam es zu einer regelrechten Einbruchserie erst seit Ende 2014 – nachdem die älteren beiden Angeklagten sich in einer Kneipe in Ludwigsburg kennengelernt haben sollen.

Von da an ging es nahezu täglich auf Diebestour. Vor allem Geschäfte waren im Fokus der Einbrecher, die oft wenig oder gar nichts erbeuteten, aber erheblichen Sachschaden an den Tatorten anrichteten. Aufgebrochene Türen, eingeschlagene Fenster, zerstörte Kassen und Tresore – wo die Diebe zuschlugen, hinterließen sie eine Spur der Verwüstung. Teilweise zahlten sich die Einbrüche laut Anklage aber auch aus.

So sollen die Gauner in einem Busunternehmen im vergangenen Dezember 12 300 Euro aus den Schließfächern der Busfahrer gestohlen haben. In einem Autohaus in Ludwigsburg werteten sie die Beute von 1500 Euro Bargeld auf, indem sie mit ebenfalls entwendeten Schlüsseln einen Mercedes im Wert von 16 500 Euro entwendeten, so die Staatsanwältin. Zuvor hätten sie bei einem anderen Wagen das Nummernschild abgeschraubt und es dann an dem gestohlenen Fahrzeug angebracht. Die fetteste Beute sollen die Burschen am 23. Dezember in einer Tierklinik in Ludwigsburg gemacht haben: Ein verschraubter Tresor mit Bargeld und Schmuck im Wert von über 70 000 Euro befand sich an Heiligabend nicht mehr in seiner Wandverankerung.

Sollte sich der Verdacht der Staatsanwaltschaft bewahrheiten, müssen sich die Angeklagten auf Gefängnis einstellen. Das hat Richterin Ute Baisch signalisiert. „Wenn die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft stimmen, sind sie Lichtjahre von Bewährungsstrafen entfernt“, machte sie klar. Anfang des Monats verurteilte Baisch bereits drei Männer zu Haftstrafen in Höhe von drei bis zu vier Jahren und zehn Monaten, die zum selben organisierten Netzwerk wie die Verdächtigen gehören sollen. Einer der Angeklagten leugnete nicht, die Männern zu kennen.

Bei den Verurteilten und den Angeklagten handelt es sich um Männer aus dem Kosovo. Der 40-jährige Angeklagte ist laut eigenen Angaben zum zweiten Mal nach Deutschland geflüchtet. In den 90ern vor dem Krieg, 2014 vor seinen Gläubigern, bei denen er Spielschulden hatte. „Man muss sich in einem Loch verstecken, wenn man bei uns Spielschulden hat“, sagte sein Dolmetscher.

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