Fair Gehandeltes gibt es unter anderem im Echterdinger Biomarkt Foto: Natalie Kanter

Die Stadt Leinfelden-Echterdingen bewirbt sich nicht um das Zertifikat des Vereins Transfair. Der zuständige Fachausschuss hat den Vorstoß der Grünen abgelehnt.

Wer in L.-E. fair einkaufen will, wird beispielsweise im Biomarkt Erdi an der Stangenstraße fündig. Dort gibt es Schokolade, Kaffee, Tee, Kakao und Datteln, die mit dem entsprechenden Siegel auszeichnet sind. Die Stadtverwaltung hat sich verpflichtet, nur noch Produkte einzukaufen, die ohne ausbeuterische Kinderarbeit erzeugt wurden. Auch ihre Lieferanten müssen sich an diese Vorschrift halten. Die Kommune wird sich aber nicht um das Zertifikat „Fairtrade- Town“ des Vereins Transfair bewerben. Ein Antrag der Grünen dazu wurde im jüngsten Verwaltungsausschuss mit großer Mehrheit abgelehnt.

„Wir haben A gesagt und sollten nun auch B sagen“, hatte Grünen-Stadträtin Eva Barth-Rapp in der Sitzung gesagt. Und: „Wir wollen ein Bewusstsein für fairen Handel schaffen, aber niemand Vorschriften machen.“ Viele Mitstreiter hat die Mandatsträgerin allerdings nicht gewinnen können. Lediglich drei Stadträte haben am Ende die Hand für den Vorstoß in die Höhe gehoben.

Jens Zellmer (SPD) sagte: „Ich bin stolz darauf, dass wir als Stadt bewusst einkaufen.“ Er sagte aber auch: „Wir dürfen unsere Vereine nicht bevormunden.“ Jede Organisation sollte sich an die eigene Nase fassen. Auch Joachim Beckmann (Freie Wähler) sprach von einer Bevormundung, die man sich nicht leisten könne. FDP-Stadträtin Judith Skudelny erklärte: „Die Stadt geht mit guten Beispiel voran.“ Mehr müsse sie nicht machen. Denn an dem Thema komme eh niemand vorbei.

Zur Erklärung: Um den Titel zu erhalten, müsste L.-E. unter anderem lokale Einzelhändler, Gastronomen und öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Kirchen und Vereine für die Idee gewinnen. „Die Kriterien zu erfüllen, ist nicht so schwer“, sagt Barth-Rapp. Ladengeschäfte beispielsweise müssten ihr Angebot lediglich um einige fair gehandelte Produkte erweitern. „Uns ging es dabei um mehr“, erklärt sie.

Die Verwaltung habe sich bereits der fairen Beschaffung verschrieben. Diesen Gedanken nun in die Schulen und zu den Vereinen und Einzelhändlern zu tragen, sei ein naheliegender Schritt gewesen. Etwas enttäuscht sei sie deshalb schon über den Ausgang der Diskussion im Ausschuss.

Oberbürgermeister Roland Klenk sieht im fairen Handel eine Daueraufgabe der Kommune. Er möchte aber dem Einzelnen nicht die Freiheit nehmen, selbst zu entscheiden. Druck zu machen, um sich dann eine Plakette ans Rathaus hängen zu können, hält er für falsch.

Die Verwaltung hat aber zugesagt, dass sie dem Gemeinderat bei der nächsten Änderung der Friedhofsatzung vorschlagen will, dass künftig nur noch Grabsteine verwendet werden dürfen, die ohne ausbeuterische Kinderarbeit hergestellt werden.

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