Gerd Hofele ist seit 1997 im Management von Frisch Auf tätig, er ist auch Vizepräsident der Handball-Bundesliga (HBL). Foto: Baumann/Julia Rahn

Frisch Auf Göppingen startet am 7. Februar mit dem Europacupspiel in Veszprem ins Handballjahr 2023. Geschäftsführer Gerd Hofele spricht über Ziele, Identifikation und neue Anwurfzeiten.

Am 7. Februar (17 Uhr) geht es in der European League zu Fejer B.A.L.-Veszprem, am 9. Februar (19.05 Uhr/EWS-Arena) folgt der Bundesliga-Restart gegen den HC Erlangen. Gerd Hofele, Geschäftsführer von Frisch Auf Göppingen und Vizepräsident Finanzen der Handball-Bundesliga (HBL), sagt, was er in den kommenden Wochen und Monaten erwartet.

 

Herr Hofele, die WM ist ein paar Tage her. Was bleibt hängen für die Liga?

Die WM hat wieder einmal gezeigt, wie hoch der Stellenwert des Handballs in der breiten Öffentlichkeit ist. Wenn unser Viertelfinalspiel gegen Frankreich im Schnitt rund 7,5 Millionen Menschen im TV verfolgen, dann ist das schon eine Hausnummer und bestätigt, dass wir klar die Mannschaftssportart Nummer zwei hinter dem Fußball sind.

Von Frisch Auf Göppingen war kein Spieler im DHB-Team dabei.

Das fand ich extrem schade, aber hatte natürlich mit den Verletzungen von Marcel Schiller und Sebastian Heymann zu tun. Ich bin sicher, dass beide im Nationalteam der Zukunft eine wichtige Rolle spielen werden.

Ist Heymann der Shooter-Typ, der Alfred Gislason bei der WM gefehlt hat?

Ich glaube schon. Die im Handball so wichtige Achse Torwart-Mitte-Kreis ist mit Andreas Wolff, Juri Knorr und Johannes Golla top besetzt. Was noch fehlt, ist zum Beispiel ein torgefährlicher Rückraummann auf der Halbposition für die einfachen Tore. Wenn Basti nach zwei großen Verletzungen nun körperlich fit bleibt, dann bringt er alles mit für eine große Karriere im Welthandball.

Wann kehrt er nach seinem Kreuzbandriss zurück?

Wir rechnen mit ihm Mitte, spätestens Ende Februar. Er wird zunächst in der Abwehr eine tragende Rolle spielen.

Um mit Frisch Auf den Abstieg zu verhindern?

(überlegt lange) Mir ist bewusst, dass wir in der Tabelle nur vier Punkte von einem Abstiegsplatz entfernt sind, aber es ist schon unser Ziel und Anspruch, uns früh aus der hinteren Zone zu verabschieden und peu à peu nach oben zu klettern. Die Mannschaft hat die Qualität dafür – das hat sie vor der WM-Pause gezeigt.

Frischer Wind durch Markus Baur

Als unter dem neuen Trainer Markus Baur zwei der letzten drei Pflichtspiele gewonnen wurden.

Und man schon gemerkt hat, dass eine neue Ansprache, ein neuer Impuls für frischen Wind in der Mannschaft sorgten.

Die Vorsaison beendete Frisch Auf als Fünfter, aktuell ist es der 14. Platz. Wie erklären Sie sich diesen Absturz?

Ich hätte ihn nicht für möglich gehalten, aber wir hatten im Sommer einen großen Umbruch, viel Verletzungspech, und die Summe guter Einzelspieler ergibt nicht automatisch eine homogene Mannschaft. Vor allen unsere miserable Abschlussquote brachte uns dann in eine Negativspirale.

Warum lief es international besser?

Dort hatten wir nicht den Ergebnisdruck wie in der Liga. Die European League ist für uns die Kür, die Pflicht bleibt die Liga.

Nur über diese Kür besteht noch eine realistische Chance, auch nächstes Jahr international zu spielen?

Das ist nach der Wahrscheinlichkeitstheorie so, da es nicht sehr realistisch ist, in der Liga noch unter die Top Sechs zu kommen. Wir haben uns in der European League eine gute Ausgangsposition erarbeitet, um möglichst den deutschen Teams Flensburg und Berlin im Achtel- und Viertelfinale aus dem Weg zu gehen. Wir wollen so weit wie möglich kommen. Aber es wäre vermessen, den Final-Four-Einzug oder gar den Titelgewinn als Ziel auszugeben.

Mit dem Heimvorteil beim Final Four würden die Chancen deutlich steigen. Warum haben Sie sich nicht für die Ausrichtung beworben?

Wir haben uns Gedanken darüber gemacht, aber das wirtschaftliche Risiko war uns zu groß. Wir haben ja keine Garantie, dass wir selbst beim Endturnier am Ball sind. Die European League ist gegenüber dem früheren EHF-Pokal ein deutlich höherwertiger Wettbewerb mit verschärften Anforderungen, was die Infrastruktur betrifft. Da müssen wir mit unserer EWS-Arena noch einige Hausaufgaben machen.

Was versprechen Sie sich vom neuen HBL-Medienpartner Dyn-Media?

Sehr viel. Der Handball wird auch während der Woche viel präsenter sein. Die Spieltermine werden Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag sein. Wir werden also wieder verstärkt am Wochenende freitags oder samstags spielen.

Ist aber nicht unabhängig davon ein Schwinden der Identifikation der Fans mit Frisch Auf festzustellen, vor allem seit die Heimtrikots wegen des Einstiegs von Teamviewer nicht mehr die Grundfarbe Grün haben?

Diese Diskussion führen wir nur mit den Hardcore-Fans. Identifikation hat für mich nicht nur mit der Trikotfarbe zu tun, sondern zum Beispiel mit dem Markennamen Frisch Auf, mit unserem Logo, mit der Hölle Süd, mit dem Mannschaftsmix aus regionalen, nationalen und internationalen Spielern.

„Mimi ist sehr populär“

Der Weltmeister Michael Kraus identifiziert sich mit Frisch Auf. Haben Sie Pläne mit ihm?

Wir haben intern bereits darüber gesprochen. Mimi ist sehr populär, wir planen, ihn in irgendeiner Form im Verein zu integrieren, zum Beispiel im Social-Media- oder auch im Nachwuchsbereich. Wir sind uns seiner Wirkung bewusst.

Wo sehen Sie Frisch Auf mittelfristig?

Wir wollen uns möglichst dauerhaft im internationalen Wettbewerb etablieren und dort eine gute Rolle spielen. Wir haben ehrgeizige und anspruchsvolle Ziele, aber man darf nicht vergessen, wer unsere Konkurrenten sind. Die Rhein-Neckar Löwen haben SAP im Rücken und eine riesige Arena, genauso beispielsweise Kiel, Magdeburg und Berlin, die allesamt Landeshauptstädte sind. Wir verkörpern dagegen ein gallisches Dorf mit Kultstatus, aber nur von der Tradition kannst du dir in der Realität nichts kaufen.

Finanzexperte mit Laufaffinität

Karriere
Gerd Hofele wurde am 4. Juni 1965 in Schwäbisch Gmünd geboren. Von 1989 bis 1993 spielte er als Linksaußen für Frisch Auf Göppingen. 1997 stieg Hofele ins Management des Vereins ein. 2008 wurde er alleiniger Geschäftsführer.

Persönliches
Hofele war über viele Jahre als Dozent an der Uni Stuttgart im Bereich Sport-Management tätig, der gläubige Christ wohnt in Wissgoldingen, er hat zwei Kinder und geht in seiner Freizeit gerne joggen. (jüf)