Ökumenisches Zentrum im Ezach: Hier soll einmal der Schopflochkindergarten einziehen. Foto: Simon Granville

Statt 12,6 stehen nun 16,7 Millionen Euro unterm Strich: Die neue, achtgruppige Kita sowie die Mensa im Ezach werden viel mehr kosten als ursprünglich geplant. Nun tun sich Fragen auf.

Es waren wirklich keine guten Neuigkeiten, die Georg Zakrzewski in den großen Sitzungssaal des Leonberger Rathaus mitgebracht hatte. Dem Amtsleiter der Technischen Abteilung und des städtischen Gebäudemanagements oblag es, im Sozial- und Kultusausschuss den Räten Folgendes zu erklären: Wie kommt es, dass der Neubau der achtgruppigen Kita plus Küche und Mensa im geplanten „Bildungscampus Ezach“ statt 12,6 Millionen nun plötzlich knapp 16,7 Millionen Euro kosten soll? Das Zähneknirschen im Saal war fast schon hörbar.

 

Im Oktober soll es mit den Bauarbeiten losgehen

Zum Projekt an sich: Im Jahr 2022 hatte der Gemeinderat den Neubau der Einrichtung genehmigt – als Teil des Bildungscampus. Kinder ab einem Jahr bis zum Ende der Grundschule sollen dort ihren Betreuungs- und Schulplatz finden. Im Oktober wird es in Sachen Bauarbeiten so richtig losgehen. Ist alles fertig, soll auch eine Mensa zur Verfügung stehen. Bislang ist die Sophie-Scholl die einzige Grundschule in der Kernstadt ohne Ganztagsbetreuung – das ist problematisch, da es für Ganztagsbetreuung in der Grundschule ab dem Jahr 2026 einen Rechtsanspruch gibt. Ein weiterer Punkt: Die beiden Kindergärten Schopfloch und Ezach sind zu klein und außerdem marode. Letzterer ist bereits umgezogen, in einen Interimsbau auf den Parkplatz an der Uracher Straße. Der Schopfloch-Kindergarten soll in das Ökumenische Zentrum einziehen, das derzeit bereits umgebaut wird.

„Vier Millionen Euro Steigerung sind heftig“, stellte SPD-Stadträtin Christiane Hug-von Lieven fest – um sogleich nach Wegen zu fragen, wie man diese Kostenexplosion vielleicht doch noch ein wenig dämpfen könnte. Die Möglichkeiten dafür seien jedoch kaum vorhanden, betonten Zakrzewski, der auch moralische Argumente vorbrachte: „Wir bauen hier ein Haus für die nächsten Generationen.“ Man könne zwar an ein paar Stellen noch sparen. „Aber dann hätten wir in der Folge höhere Unterhaltskosten.“ Bürgermeister Klaus Brenner ging sogar noch einen Schritt weiter. „Es ist schon jetzt keine Goldrandlösung“, gab er zu bedenken. Am Ende stand fest, dass weder an der geplanten Holzfassade von Kita und Mensa noch an der Ausstattung groß gerüttelt wird.

Vor allem die technischen Anlagen werden viel teurer als gedacht

Woher aber kommt die massive Verteuerung? Vor allem bei den technischen Anlagen herrsche laut Zakrzewski inzwischen ein enormes Preisniveau. Knapp 3,9 Millionen Euro werden dafür fällig. Im Rohbau, für den laut Vorlage gut 8,1 Millionen Euro zu bezahlen sind, seien die Preise zwar teilweise etwas rückläufig. „Damit können wir aber noch nicht planen“, so der Amtsleiter.

Weiterer Kostentreiber: Die Mensa – wie auch die Kita zweigeschossig geplant – muss, anders als gedacht, komplett unterkellert werden. Ansonsten gäbe es nicht genügend Platz für die Lüftungszentrale der Küche und die Hausanschlussräume der Gewerke Heizung, Lüftung, Sanitär und Elektro. 160 Essen täglich sollen hier ausgegeben werden.

Hätte man die Verteuerung vielleicht absehen können?

Die Frage aller Fragen stellte schließlich die CDU-Fraktionsvorsitzende Elke Staubach: „Wir haben den Haushalt beschlossen, darin stehen die 12,6 Millionen Euro. Hätten wir nicht zu dem Zeitpunkt schon wissen können, dass es sehr viel teurer wird?“ Zakrzewski verneinte: „Wir haben den Haushalt im Mai eingereicht. Damals war diese Entwicklung noch nicht so fortgeschritten.“ Wenigstens: Die Stadt hat für alle Kosten rund um die Mensa bereits im vergangenen Jahr Fördermittel beantragt. „Da geht es aber nach dem Windhundprinzip, fest steht also noch nichts“, so der Amtsleiter.

Und da war da ja auch die Bauzeit. Damit Mensa und Kindergarten Ende Februar 2026 fertig sind, müsste die Stadtverwaltung die Gewerke eigenmächtig genehmigen und beauftragen, sprich: ohne Rats-Votum. Falls dies Anfang April nicht vom Gremium abgesegnet werden sollte, verzögere sich laut Zakrzewski die Fertigstellung um drei Monate bis zum Mai 2026. Stadtrat Frank Albrecht (Salz) merkte hierzu fast schon sarkastisch an: „Die Alternative wäre gewesen, ein halbes Jahr früher anzufangen. Wir haben den Kindergarten schon ewig auf dem Tapet.“

Am Ende stimmte der Ausschuss mehrheitlich zu, alles möge seinen weiteren, teureren Gang gehen. Am 9. April entscheidet der Gemeinderat.