Foto: Wasserbäch

In Hohenlohe werden Gourmets glücklich. Eine Reise zu Limpurger Rind und Zick de Hohenlohe.

Nur Feinschmecker überall. Sogar die Schafe. Was die nicht fressen, bekommen die Rinder. Schleckig, wie man auf Schwäbisch dazu sagen würde, sind eben auch die Viecher. Die Schafe der Jauerniks sind Ostfriesische Milchschafe. Echte Hochleistungstiere. Eher mager, dafür aber perfekt für die Milchproduktion. Aber auch das Fleisch schmeckt. Natürlich die Edelstücke: die Schulter, die Keule. Der Rest wird zu Salami, Schinken, Lyoner verarbeitet. In Bretzfeld-Weißlensburg liegt der Hof der Jauerniks, die aus ihrem Hobby einen Beruf machten. "Ach, wir essen eben gerne Käse", sagt Karl Jauernik.

In Bretzfeld steht "Tor zum Hohenloher Land" auf einem Schild. Und eine Bushaltestelle heißt "Sommerhalde". Hier im Hohenlohischen fühlt man sich ein bisschen wie in einem kulinarischen Selbstbedienungsladen. Hohenlohe hat sich zur Genießerregion par excellence gemausert. Wer an die Region im Nordosten von Baden-Württemberg denkt, der sieht glückliche Hühner, das Schwäbisch-Hällische Landschwein, das Mohrenköpfle genannt wird, Rinder und Schafe. Und: glückliche Menschen, eins mit der Natur. Doch: Von nichts kommt nichts.

Als "dickköpfig und schlitzohrig ist die Landbevölkerung bekannt", sagt Bernulf Schlauch, ein charmanter, ruppiger Kerl mit Rauschebart, Jeansjacke und Turnschuhen. Er ist ein schlauer Fuchs, der den Holunderzauber erfand und inzwischen auch Rosen- und Akaziensekt herstellt. Und er ist einer, der den Mund aufmacht. Der auch mal meckert. Der sagt, dass nicht alles eitel Sonnenschein ist.

Die Region Hohenlohe hat sich in den vergangenen – sagen wir mal – zehn Jahren zum Markenzeichen entwickelt. Vor allem für Kulinariker. Alles wurde zum Markenzeichen: Das Fleisch von der Schwäbisch-Hällischen Sau, das Boeuf de Hohenlohe oder der Ziegenkäse vom Zick de Hohenlohe, den die Bischoffs in Ilshofen-Unteraspach herstellen und der bis weit über die Regionsgrenzen bekannt ist. Hohenlohe lebt das Image als Kulinarikhochburg. Und das zu Recht.

Auch im Rössle in Bretzfeld werden ebendiese regionalen Produkte verarbeitet. Der Schafskäse kommt von den Jauerniks aus Weißlensburg, das Schnitzel vom Hohenloher Landschwein, der Rostbraten vom Hohenloher Weiderind und das Geschnetzelte vom Mäusdorfer Landgockel. Das Wirtsehepaar lebt den Gedanken der Slow-Food-Bewegung und kocht fantastisch authentisch. "Wir wollen kein Disney in Hohenlohe", sagt Andreas Dürr, der Tourismuschef. "Wir wollen Authentizität."

Das Hohenlohische ist voll von Buckeln und Burgen. Kocher, Tauber und Jagst durchziehen die Landschaft. Heute zeigt sich Hohenlohe von seiner besten Seite: Die Sonne scheint, man meint, dass das Grün hier noch kräftiger leuchtet als anderswo. Doch: "Württembergisches Sibirien" ist nicht umsonst der wenig romantische Kosename für die Gegend, wenn einem der kalte Wind ins Gesicht bläst. Auch als "Kornkammer Württembergs" galt Hohenlohe früher. "In den Dörfern gibt es heute kaum mehr Bauern", beklagt dagegen Schlauch, der seit 2006 Slow-Food-Mitglied ist und der dafür plädiert, dass Essen, Landwirtschaft und Landschaft noch enger zusammenrücken. Es ist nicht alles paradiesisch hier. Doch was ist mit den glücklichen Hühnern, den putzigen Ziegen und den zufriedenen Lämmern, die bereits als Marke taugen? "Solche Höfe sind die absolute Ausnahme", sagt Schlauch. In den Tälern gebe es immer weniger Bauern, weil sie im Wettbewerb nicht bestehen könnten.

Das Label "Genießerland" tut Hohenlohe gut. Und es passt. Wer etwa in dem Restaurant Jagstmühle in Heimhausen zu Gast ist, schmeckt, worauf es hier ankommt. Auf die Authentizität. Küchenchef Markus Reinauer kam von der Alb im Jahr 2006 in "the middle of nowhere", wie er sagt. Da müsse man "sich erst einmal mit den Produkten auseinandersetzen, die es vor der Haustür gibt". Die Jagstmühle ist ein Landgasthof wie aus dem Bilderbuch, ein Ort, an dem die Jagst vorbeirauscht, wo Leber und Filet vom Limpurger Weideochsen serviert werden, dem neuen Star von Slow Food.

Sie schauen treuherzig drein mit ihren großen braunen Augen. Die Bauern geben den Ochsen 36 Monate Reifezeit. Eine lange Zeit. Vor allem, wenn man bedenkt, dass ein üblicher Mastochse gerade mal 18 Monate heranwachsen darf. Es ist Zeit, die kostet. Zeit, die man schmeckt. Das Fleisch ist zart, würzig, kräftig im Biss. Jetzt wurde von Slow Food ein sogenanntes Presidio, eine Schutzgemeinschaft für den Weideochsen vom Limpurger Rind gegründet. Vom Aussterben bedrohte Nutztier- und Nutzpflanzenarten werden in die Arche des Geschmacks aufgenommen, um nicht in Vergessenheit zu geraten. Ein Presidio deshalb, weil es auch um die Erzeuger geht, die davon leben sollen. Es geht um die Sicherung der Qualität.

Presidio kann nicht jeder. Es gibt Haltungs- und Fütterungsvorschriften, eine geschützte Ursprungsbezeichnung, und vor allem geht es um den Geschmack. "Eine Rasse lebt nicht im Museum", sagt Dieter Kraft von der Züchtervereinigung Limpurger Rind. Und: Wo Limpurger draufsteht, muss auch Limpurger drin sein. Inzwischen wurde der Bestand von 60 Kühen im Jahr 1987 auf rund 450 erhöht. Das heißt, dass ungefähr 40 Ochsen im Jahr ausgereift sind. Nicht viel. Nichts für den Massenmarkt. Für Feinschmecker.

Hohenlohe für Genießer

Allgemeines
Touristische Informationen zur Region Hohenlohe.

Die Slow-Food-Messe
Vom 15. bis 18. April findet in der Messe Stuttgart die Slow-Food-Messe statt. Hier präsentiert sich auch die Genießerregion Hohenlohe.

Direkt vom Erzeuger
Käserei Karl Jauernik, Am Steg 1, 74626 Bretzfeld-Weißlensburg, Telefon 07946/6226 Hohenloher Ziegenkäserei, Klingenstraße 23, 745232 Ilshofen-Unteraspach, Telefon 07904/8811; http://www.holunderzauber.de; http://www.limpurger-rind.de

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