Fahrübungen im Gelände Foto: Kienle/Weller

Auf der Straße fahren kann jeder. Im unwegsamen Gelände unterwegs zu sein erfordert hingegen Wissen und Übung. Vielerorts gibt es Workshops für die wachsende Fangemeinde.

Künzelsau - Na, das fängt ja gut an: Der Geländewagen von Angela Eder aus Dettingen unter Teck sitzt fest. Mitten im „Abenteuer-Steinbruch“, einem riesigen Naturareal im Hohenlohischen nahe Künzelsau. In einer großen, tiefen Pfütze, drum herum nichts als zäher Matsch. „Was kannst du jetzt tun?“, will Manfred Schrom wissen. Gute Frage.

Manfred ist einer der Trainer der Geländefahrschule Markom mit Sitz in Sinsheim, die unter anderem Geländetraining in Wochenend-Workshops veranstaltet. Dies hier ist ein Basis-Training, mit dem sich Neulinge eine Vorstellung davon verschaffen können, was es heißt, mal nicht auf komfortablem Asphalt, sondern tatsächlich im Gelände unterwegs zu sein. Was das eigene Auto kann – und was es nicht kann.

Angelas Wagen lässt sich weder vorwärts noch rückwärts aus der Pfütze bewegen, die Reifen haben keinen Grip, die Räder drehen durch. Schlamm spritzt nach allen Seiten. Das ändert sich auch nicht, als mehrere Workshop-Teilnehmer Steine suchen und unter der Anleitung von Manfred unterlegen. „Was könntet ihr sonst noch tun?“, fragt der Trainer. „Etwas Luft ablassen“, schlägt Angela vor. Richtig, das wäre eine Möglichkeit. Somit hätten die Reifen eine größere Auflagefläche und würden mehr Halt finden auf dem glitschigen Untergrund.

Auf das Luftablassen wird dann doch verzichtet – einer der Teilnehmer zieht mit seinem Geländewagen Angelas Auto aus dem Schlammloch. Wobei er zum ersten Mal überhaupt seinen Bergegurt einsetzt. An diesem an sich einfachen Manöver sieht man: Es ist wichtig, dass man sich in solchen brenzligen Situationen zu helfen weiß.

Etliche der Teilnehmer träumen von ausgedehnten Urlauben im Gelände. Unabhängig sein. Frei sein. Isolde Stelzle und ihr Mann Rolf aus Backnang, die mit einem 3,40 Meter hohen und fast sieben Meter langen Expeditions-Lkw-Wohnmobil zum Kurs gekommen sind, wollen gar irgendwann eine Weltreise machen, „das war schon immer unser Plan“, erzählt die zierliche Frau.

Man erfährt hier auch Dinge, die man auf der Straße brauchen kann

Vor den im Laufe der beiden Tage zunehmend schwieriger werdenden Übungen im Steinbruch kommt zunächst ein ausgedehnter Theorieteil. Dort bespricht Geländefahrschule-Chef Thomas Jürgen Müller Themen wie den Unterschied zwischen zuschaltbarem oder permanentem Allrad-Antrieb. ­Erklärt ausführlichst, welche Funktion ein Differenzial hat – nämlich zwei Räder auf einer Achse so anzutreiben, dass sie sich in Kurven verschieden schnell, aber mit gleicher Kraft drehen können. Beschreibt, wozu bei Gelände-Fahrzeugen eine Differenzialsperre gut ist: Sie soll verhindern, dass das Rad mit schlechterer Bodenhaftung durchdreht und das andere – und damit der ganze Wagen – keine Antriebskraft mehr erhält.

Manfred Schrom: „Zu uns kommen viele, die sagen, unser Auto hat so viele Hebel, wir wissen jedoch nicht, wozu die alle da sind‘.“ Jedes Auto habe seine Grenze. Doch er beruhigt gleichzeitig: „Angst sollt ihr nicht haben – aber Respekt.“ Cheftrainer Müller ergänzt: „Wenn man hört, wie der Unterboden aufsetzt, ist es zu spät. Wichtig ist, das Lesen der Strecke zu lernen.“ Die Devise heißt deshalb: runterschalten (auch mental), langsam fahren, auch mal aussteigen und sich die Gegebenheiten aus der Nähe anschauen.

Gesagt, getan. Überhaupt kein Gas zu geben braucht man bei der ersten Übung. Aufgabe: erst vorwärts, dann rückwärts durch einen eng gesteckten Kurvenparcours manövrieren. Nichts leichter als das? Wer es ausprobiert, zumal mit einem so großen Fahrzeug wie dem von Rolf und Isolde, merkt rasch, dass es gar nicht so einfach ist, an der richtigen Stelle das Lenkrad einzuschlagen und nur mittels Blick in die Seitenspiegel den Kurs zu halten.

Nachdem sich so die Teilnehmer langsam Übung für Übung vorantasten, wächst auch das (Selbst-)Vertrauen in die eigenen Fahrkünste. Am zweiten Tag wird es dann anspruchsvoller. Das Steinbruch-Gelände bietet auch Steigungen, bei deren Anblick es einem ganz mulmig wird. Da soll man hoch- und runterfahren können? Man kann.

Überhaupt hat man nach diesen beiden Tagen ein gutes Gefühl, ist sicherer geworden. Und hat eine Menge gelernt. Auch Dinge, die man gut auf der Straße gebrauchen kann. Zum Beispiel, dass man, wenn man im Schnee festgefahren ist, das ESP (Elektronisches Stabilitätsprogramm) ausschalten soll – so steht die volle Antriebskraft zur Verfügung (und wird nicht abgeriegelt).

Isolde Stelzle ist nach dem Workshop jedenfalls zufrieden: „Manche Aufgaben haben mich Überwindung gekostet. Aber es hat mir viel gebracht.“ So oder so ähnlich ergeht es auch den anderen Teilnehmern. Deshalb liegt es auf der Hand, dass Angebote wie dieses im Rest der Republik ebenfalls auf große Nachfrage stoßen. Gelände-Workshops unter professioneller Anleitung kann man inzwischen vielerorts buchen. Wie sagte Thomas Jürgen Müller ganz am Anfang? „Geländefahren birgt Suchtcharakter.“ Denn draußen lockt das Abenteuer.

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