Eine Besucherin betrachtet einen Taucheranzug der DLRG aus den 70er Jahren. Foto: Steinert

Zu was für abenteuerlichen Gerätschaften man früher griff, um Menschen wiederzubeleben, zeigt eine Sonderausstellung der DLRG im Rotkreuz-Landesmuseum.

Geislingen - Die Geräte, die man seit Sonntag im Rotkreuz-Landesmuseum betrachten kann, sehen nicht nur abenteuerlich aus, sondern zum Teil geradezu unheimlich. Eine Sonderausstellung, die Mitglieder des Roten Kreuzes zusammen mit der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) konzipiert haben, zeigt, was sich die Retter in den vergangenen hundert Jahren alles haben einfallen lassen, um Menschen wiederzubeleben.

Auf der Neptunwippe aus dem Jahr 1940 etwa wurden die Patienten festgeschnallt und dann, auf dem Rücken liegend, auf und ab gewippt. In den 50er Jahren gehörte die Wippe in vielen deutschen Bädern zum Standard, das Modell in der Ausstellung stammt aus dem Bad in Heidenheim. Der letzte Schrei Mitte der 60er bis Mitte der 70er Jahre war die Elektrolunge. In der Ausstellung ist einer der schweren Koffer mit Kabeln und Elektroden zu sehen. Diese wurden dem Patienten auf Bauchnabelhöhe und an der Brust angelegt. Reizstrom aktivierte dann abwechselnd das Zwerchfell und die Brustmuskulatur und regte so das Atmen an.

Im vergangenen Jahr ertranken mehr als 500 Menschen in Deutschland

„Heute fragt man sich, wie die Leute nach dieser Behandlung überhaupt wieder aufstehen konnten“, scherzte Ulrich Carle, der stellvertretende Vorsitzendes des DLRG-Landesverbandes Württemberg und Vorsitzende der Ortsgruppe Heidenheim/Brenz, die die Schau konzipiert hat, bei der Eröffnung. Tatsächlich aber seien die Geräte, die gezeigt werden, alle das jeweils modernste gewesen, das es in der jeweiligen Zeit gegeben habe.

Zur Gründung der DLRG hat ein Unglück im Jahr 1912 in Binz auf Rügen geführt: Damals ertranken 100 Menschen in unmittelbarer Nähe des Ufers, weil ein hölzerner Landungssteg zusammenbrach. Die meisten der Opfer hatten nie schwimmen gelernt. Seit damals, als die jährlichen Opferzahlen noch mehrere Tausend betrug, ist die Zahl der Ertrunkenen in Deutschland pro Jahr deutlich gesunken. Die Arbeit geht der DLRG dennoch nicht aus: Allein im vergangenen Sommer ertranken mehr als 500 Menschen bei Badeunfällen – hundert mehr als im Vorjahr.

Die Besucherzahlen im Rotkreuz-Museum steigen beständig

Kein Wunder also, dass der Bundesvorsitzende der DLRG-Jugend bei der Eröffnung der Ausstellung mit dem Titel „Die Geschichte der Wiederbelebung“ kritisierte, dass immer mehr Bäder in Deutschland aus finanziellen Gründen geschlossen würden. Dabei sei gerade das Schwimmenlernen die beste Vorsorge gegen Badeunfälle. Im Kreis Göppingen konnten bisher allerdings im Gegensatz zu vielen anderen Kreisen die meisten öffentlichen Bäder erhalten werden. In Geislingen etwa wurden das Hallen- und das Freibad zusammengelegt, um Kosten zu sparen. In Wiesensteig bemüht sich die Kommune das Bad zu erhalten – trotz nötiger Investitionen in die Technik und Ärger mit Bibern. Die geschützten Tiere haben im vergangenen Sommer ausgerechnet nahe der Liegewiese einen Damm gebaut und diese geflutet.

Die Ausstellung im Rotkreuz-Museum ist die siebte Sonderschau seit der Eröffnung des ersten und bislang einzigen Rotkreuz-Landesmuseums vor sechs Jahren. Bei den Besuchern scheint die Mischung aus historischen Geräten, von denen viele aus der Region stammen, und kurzen Informationstexten bestens anzukommen. Die Besucherzahlen bewegen sich laut dem Präsidenten des DRK-Ortsverbands Göppingen und SPD-Landtagsabgeordneten, Peter Hofelich, im vierstelligen Bereich und steigen kontinuierlich.

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