Markus Steinbeck (links) mit einer Geige und Hans-Jörg Homolka mit einem Cello: Die Meister ihres Fachs haben beide Instrumente in Hunderten von Arbeitsstunden gebaut. Foto: privat/cf

Der Stuttgarter Geigenbaumeister Hans-Jörg Homolka und sein Partner Markus Steinbeck bauen Streichinstrumente in der Tradition der alten italienischen Meister.

Stuttgart -

 

Dass hohle Holzkörper gut klingen können, weiß jeder, der sich schon einmal den Kopf angeschlagen hat. Geigenbauer machen sich diese Tatsache zunutze, indem sie in aufwendiger Handarbeit kunstvolle Resonanzkörper aus Holz schaffen. „Unsere Tätigkeit umfasst den gesamten Bereich des Geigenbaus“, sagt der Stuttgarter Geigenbauer Hans-Jörg Homolka. Die Bandbreite seiner Tätigkeit umfasst Neubau, Reparatur, Instandhaltung, Restauration, Handel und Vermietung von Streichinstrumenten, Bögen und Zubehör. Homolkas Vorfahren lebten im 18. Jahrhundert in Böhmen, wo hochwertige Geigen gebaut wurden. Über die Filder, wo Homolkas Vetter in Oberaichen einen Modellbaubetrieb leitet, ist die Familie dann nach Stuttgart gekommen.

„Ich habe als Kind und Jugendlicher Geige gespielt. Bei einem Besuch mit meinem Vater bei einem Geigenbauer hat mich dessen Arbeit fasziniert, und so habe ich mein späteres Berufsbild entdeckt“, sagt er. Nach dem Abitur absolvierte er eine Lehre beim Stuttgarter Geigenbaumeister Felix Paulus und besuchte dann die Fachschule für Geigenbauer in Mittenwald. Die Meisterprüfung legte er 1989 mit Auszeichnung ab. 1990 übernahm er die Werkstatt von Felix Paulus in der Stuttgarter Bebelstraße. Seit Januar 2021 ist sein langjähriger Mitarbeiter, der Geigenbaumeister Markus Steinbeck, Teilhaber des Betriebes.

Das Geigenholz muss aus Hochlagen stammen

Fichtenholz ist an und für sich nichts Besonderes. Man macht auch Kisten daraus. Für die Decke des Resonanzkörpers der Geige ist Fichte ein Muss, und das Holz sollte aus alpinen Hochlagen stammen. Schon die weltberühmten Geigenbauer Stradivari, Guarneri und Amati haben ihr Fichtenholz von den Bergen oberhalb von Bozen bezogen. Der Grund: Die Jahresringe liegen dichter und gleichmäßiger als beim Holz aus tieferen Lagen, und es hat deshalb einen besseren Klang. Auch Hans-Jörg Homolka sucht sich Fichtenholz persönlich in Bozen aus.

Für die Schnecke der Geige verarbeitet er bosnischen Ahorn: „Der hat sich am besten bewährt.“ Die geschwungenen Seitenwände, die man als Zargen bezeichnet, und der Boden sind ebenfalls aus Ahorn. Natürlich, sagt Homolka, könne das Holz nicht sofort verarbeitet werden. Es müsse jahrzehntelang lagern, damit es die Restfeuchtigkeit verliere. „Deshalb haben Geigenbauer eigene Holzlager“, sagt er. Um an lange gelagertes Holz zu gelangen, gelinge es bisweilen, das Holzlager eines Geigenbauers zu kaufen, der sein Geschäft aufgegeben habe. Mindestens 20 Jahre, am besten aber 50 und mehr müsse das Holz alt sein, das er für eine Geige verbaue.

Die gleichen Werkzeuge wie vor Jahrhunderten

Der Bau einer Violine nach dem Vorbild der alten italienischen Meister, sagt Homolka, nehme bis zu 180 Arbeitsstunden in Anspruch, der Bau eines Cellos sei noch aufwendiger und brauche bis zu 400 Arbeitsstunden. „Im Grunde arbeite ich mit den gleichen Werkzeugen und nach dem selben Verfahren wie die Geigenbauer vor Jahrhunderten“, sagt Homolka. Für das Formen der Zargen verwendet er ein Biegeisen, das die Form der Zargen hat: „Das Biegeisen wird erhitzt und mit der Wärme und Feuchtigkeit wird das Holz in seine Form gebogen.“ Nach dem Bau sei das Grundieren sehr wichtig: „Es verhindert, dass der Lack in die Holzporen eindringt und den Klang verändert.“

Für solch ein Instrument müssen die Kunden fünfstellige Beträge bezahlen, aber dies ist geradezu ein Schnäppchen, denn die antiken Originale sind heute nur für Multimillionäre erschwinglich. So kam vor einigen Jahren in einem britischen Auktionshaus eine Stradivari für umgerechnet elf Millionen Euro unter den Hammer. Was ist so besonders an ihnen? „Diese Geigen sind handwerkliche und ästhetische Meisterwerke, sie sind unter Musikern und Sammlern beliebt, das heißt, dass die Nachfrage größer ist als das Angebot“, sagt Homolka. „Wenn man eine Stradivari gut aufbewahrt, dann kann man sich sicher sein, dass das eine gute Wertanlage ist. So war es zumindest in der Vergangenheit.“ Von der Qualität her seien diese Instrumente aber nicht um ein Hundertfaches besser als eine neue Geige. Es sei eben der Kunstpreis, den man bezahle.

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Die Instrumente des Zeitgenossen Homolka finden Anklang: „Profimusiker aus dem In- und Ausland und Bundespreisträger bei Jugend musiziert spielen meine Instrumente, aber auch ambitionierte Laien.“ Ein wichtiger Geschäftszweig für Homolka ist die Restaurierung alter Instrumente, die von Meistern ihres Fachs gefertigt worden sind, und natürlich die regelmäßige Wartung von Streichinstrumenten. „Eine Geige muss genauso sorgfältig gewartet werden wie ein Auto beim Kundendienst“, sagt Homolka.

Wenn Homolka ein Instrument zu seiner Zufriedenheit gebaut hat und das Kunstwerk in Händen hält, dann übermannt ihn aller Routine zum Trotz ein Glücksgefühl: „Deshalb habe ich seit 40 Jahren immer noch eine Riesenfreude an meiner Arbeit und gehe jeden Tag gerne ins Geschäft.“