Von links: Mark Webber, Mark Ellis, Sebastian Vettel und Fernando Alonso. Foto: Getty Images Europe

Das Formel-1-Team angelt sich die hochrangigen Ingenieure Mark Ellis und Giles Wood vom amtierenden Konstrukteurs-Weltmeister.

Das Formel-1-Team angelt sich die hochrangigen Ingenieure Mark Ellis und Giles Wood vom amtierenden Konstrukteurs-Weltmeister.

Stuttgart - Kurz vor Heiligabend hat ­Mercedes sich schon einmal selbst zwei ­Geschenke unter den Christbaum gelegt: Das Formel-1-Team hat den Konkurrenten Red Bull um zwei hochrangige Ingenieure erleichtert – im Juni 2014 nimmt Mark Ellis seine Arbeit in Brackley als Performance ­Director auf, zur gleichen Zeit übernimmt Giles Wood den Posten des Chefingenieurs für Simulationen und Entwicklung. Die beiden neu geschaffenen Positionen werden die Technikabteilung des Mercedes-Werkteams, besonders in den Bereichen der Simulation und der Fahrzeugdynamik, zusätzlich stärken.

Bei Mercedes darf ­gefeiert werden. Mit dieser Personalrochade sind Mercedes zwei deutlich spürbare ­Nadelstiche gegen Red Bull gelungen. In der Branche wird das Abwerben der Techniker nach Vorbild des FC Bayern als klare Attacke auf die Vorherrschaft von Seriensieger Red Bull gewertet. Es steht außer Frage, dass Ellis und Wood beim Team-Champion zwei ziemlich große Lücken hinterlassen. Nach Aerodynamikchef Peter Prodromou, der die Weltmeistertruppe während der abgelaufenen Saison in Richtung McLaren verlassen hat, verliert das Red-Bull-Werk in Milton Keynes die nächsten Schlüsselpersonen an der Seite von Stardesigner Adrian Newey. Ellis war seit 2008 für die Fahrzeugdynamik verantwortlich, zuvor war er Chefingenieur bei BAR-Honda. Wood arbeitete seit 2007 im Bereich Simulation und Analyse, davor stand er auf der Gehaltsliste von McLaren. „Du suchst immer die Besten. Es geht nicht nur um die Neweys, es geht auch um Leute für die zweite oder dritte Reihe“, hatte ­Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff einmal betont, „du brauchst die besten Fahrer, die beste Technik, die besten Ingenieure und Mechaniker. Wenn du all das zusammenfügst, dann funktioniert es.“

Bis zu 700.000 Euro Jahresgehalt

Gemäß dieser Vorgabe handelt der Rennstall – der Transfermarkt der Top-Ingenieure gilt als hart umkämpft. Ideen und technische Geistesblitze sind mitentscheidend für Sieg oder Niederlage, und damit auch über die Höhe der Prämien aus dem Geldtopf der Formel 1. Dafür werden die führenden Techniker von den Teams mit bis zu 700.000 Euro Jahresgehalt entlohnt. Mit dem Ingenieur-Duo holt sich Mercedes eine gute Portion Insiderwissen über den fast unschlagbaren Boliden von Sebastian Vettel ins Haus. Darüber hinaus hatten Ellis und Wood qualifizierte Einblicke in die internen Arbeitsabläufe des Weltmeister-Teams sowie in dessen Entscheidungsstruktur. Der Blick darauf könnte Mercedes in die angenehme Lage versetzen, die eigenen Abläufe zu optimieren. Die halbjährige Schutzsperre bis ­Juni wird diesen Aspekten kaum abträglich sein.

Der neuen Mercedes-Doppelspitze um Toto Wolff und Paddy Lowe ist der erste Coup gelungen, mit dem der Rennstall die seit 2010 bestehende Vorherrschaft von Red Bull im kommenden Jahr stoppen will. Für die nötigen Voraussetzungen hat Mercedes auf jeden Fall gesorgt.