Gefahrenstelle in Stuttgart-Plieningen Schnecken und Zwerge weisen auf den Missstand hin

Von Julia Bosch 

Julia Leypoldt hat Figuren von Ottmar Hörl an der Baustelle  platziert. Foto: Julia Bosch
Julia Leypoldt hat Figuren von Ottmar Hörl an der Baustelle platziert. Foto: Julia Bosch

Seit Monaten klafft am Schachtelhalmweg in Stuttgart-Plieningen ein 350-Meter-Loch. Eine Anwohnerin hat sich darüber so sehr geärgert, dass sie ihrer Wut auf kreative Art Luft gemacht hat.

Plieningen - Unsere Redaktion erhält jede Menge Leserbriefe. In der Regel enthalten diese Anregungen, Lob oder Kritik an Texten. Einen solch schönen Brief wie jenen von Julia Leypoldt, einer Anwohnerin aus Plieningen, bekommen wir nur selten: einen vierseitigen Brief in DIN-A-3-Größe mit 13 aufgeklebten Fotos und kurzen Erklärungen daneben. Der Titel ist: „Vom Maulwurf und den Schnecken“ – und es hat kurz gedauert, bis wir erkannt haben, worum es geht: um ein Loch, das seit Monaten auf dem Gehweg am Schachtelhalmweg klafft. Wir denken uns: Da ärgern sich bestimmt viele Menschen darüber. Und die Autorin dieses aufwendig gestalteten Briefs müssen wir kennenlernen. Also, auf nach Plieningen.

Ort des Geschehens ist der Schachtelhalmweg zwischen den Abzweigungen Wurzacher Straße und Weidenröschenweg. Dort wartet Julia Leypoldt mit einem ihrer Hunde. Der Aufreger ist unübersehbar: Die Vertiefung zieht sich über etwa 350 Meter und macht teilweise beinahe die Hälfte des Gehwegs aus. „Vor einiger Zeit wurden hier Leitungen verlegt und der Gehweg aufgerissen“, berichtet Julia Leypoldt. Wann genau die Bauarbeiter abgezogen sind, weiß sie nicht, aber sie erinnert sich noch daran, dass es kalt war, vielleicht März oder April. „Die Bauarbeiter sind gegangen und kamen nie wieder – und das Loch ist geblieben.“ Vor allem für Menschen mit Kinderwagen, Rollstuhl oder Rollator sei dieser Zustand eine Zumutung, sagt sie.

Sogar ein Sturz wurde beobachtet

Da sie sich vor Kurzem eine Kamera zugelegt hat, hat sie ihrem Ärger Luft gemacht – auf eine kreative Art. Sie hat Maulwürfe, Schnecken und Gartenzwerge entlang der 350-Meter-Kuhle platziert und fotografiert. „Als ich die Fotos gemacht habe, wurde ich von verschiedenen Anwohnern angesprochen, die sich genauso über das Loch ärgern. Eine Nachbarin hat sogar jemand stürzen sehen“, berichtet sie.

Als der Ordnungsbürgermeister Martin Schairer kürzlich mit Bürgern einen Rundgang durch Plieningen gemacht hat, ist ihr Mann, Gert Leypoldt, mitgelaufen und hat dem Bürgermeister einige Fotos mitgegeben. „Herr Schairer hat versprochen, dass er die Bilder weiterreicht. Es besteht also die Möglichkeit, dass das Loch bald verschlossen wird“, sagt Gert Leypoldt.

Tatsächlich aber kann die Stadt die Beschwerden auch nur weitergeben: „Bei der Baustelle handelt es sich um Arbeiten der Deutschen Telekom AG für den Breitbandausbau in Plieningen“, sagt eine Pressesprecherin der Stadt Stuttgart. Die Beschwerden der Bürger hätten die Mitarbeiter der Stadtverwaltung an die Telekom weitergeleitet – mit der dringenden Bitte, die Baumaßnahmen abzuschließen. „Nach aktueller Auskunft der Telekom soll der Deckbelag nun schnellstmöglich aufgebracht werden“, sagt die Sprecherin.

Sobald es so weit ist, will das Paar unsere Zeitung auf jeden Fall informieren. Wir bedanken uns – und hoffen insgeheim auf einen weiteren so liebevoll gestalteten Leserbrief aus Plieningen.

Redaktion Plieningen

Ansprechpartnerin
Julia Bosch
plieningen@stz.zgs.de

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