Im Gefängnis in Heimsheim sollen Häftlinge Handys eingeschleust haben (Symbolbild). Foto: dpa

Mit eingeschleusten Handys haben Häftlinge in Heimsheim Fotos gemacht und wohl zumindest eines in einem sozialen Netzwerk veröffentlicht. Nun wird nach den Geräten gesucht.

Stuttgart - Hunderte Handys sind in den vergangenen Jahren verbotenerweise in baden-württembergische Haftanstalten eingeschleust worden. Allein im Jahr 2015 wurden 429 Mobiltelefone sichergestellt, wie das Justizministerium am Freitag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Im Jahr 2014 waren es 366. Im laufenden Jahr entdeckten die Beamten bislang 110 Handys in Gefängnissen. In der Haftanstalt Heimsheim (Enzkreis) machten Häftlinge Fotos mit Handys und posteten wohl mindestens ein Bild im Internet auf Facebook. Eine Sprecherin des Justizministeriums bestätigte einen gleichlautenden Bericht der „Bild“-Zeitung vom Freitag.

In Haftanstalten sind Handys generell verboten, weil sich Gefangene mit ihrer Hilfe zu Straftaten absprechen könnten. Da die Telefone aber immer kleiner werden, können sie auch immer einfacher am Körper und in Körperöffnungen versteckt werden. In Heimsheim versuchten Unbekannte im vergangenen Sommer, Handys mit einer Drohne in die Haftanstalt zu schmuggeln. Das Fluggerät stürzte damals aber vor den Gefängnismauern ab. Manchmal werden Handys einfach über die Mauern geworfen. Wie die Häftlinge im jüngsten Fall an die Geräte kamen, war noch nicht bekannt. Die Anstaltsleitung versuchte am Freitag, die Handys zu orten. Mehrere Hafträume seien durchsucht worden, hieß es.

Personaldefizit ein großes Thema

Wie der Landesvorsitzende des Bundes der Strafvollzugsbediensteten, Alexander Schmid, sagte, sind Handys neben Drogen eine begehrte Schmuggelware. Ganz lösen lasse sich das Problem nicht. Zur Sozialisierung von Gefangenen gehöre, dass sie auch Besuche empfangen dürften - etwa von Familienangehören. Das Justizministerium verweist darauf, dass verdachtsunabhängige Durchsuchungen von Besuchern einer Justizvollzugsanstalt nicht erlaubt sind. Als eine Gegenmaßnahme hätten einige Gefängnisse „Mobifinder“ angeschafft, die Funksignale aktiver Mobiltelefone orten können. Werden Gefangene mit Handy erwischt, müssen sie mit Strafen rechnen - etwa mit Freizeitsperren.

Das Thema „Mobifinder“ sieht Schmid zwiespältig. „Sie müssen ja auch einen Menschen haben, der darin geschult wird und ständig mit den Geräten arbeitet. Wir haben aber in Baden-Württemberg ein enormes Personaldefizit“, meinte er. In den 17 Haftanstalten und 24 Außenstellen des Landes arbeiten nach Schmids Angaben rund 3800 Vollzugsbedienstete. Im Vergleich mit anderen Flächenländern wie Nordrhein-Westfalen, Hessen und Bayern fehlten rund 230 Personalstellen. „Das wäre das, was wir haben müssten, um den Durchschnitt der anderen Länder zu erreichen.“

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