Eine Tafel erinnert an die Gründung des VfB. Foto: Christian Hass

Der Historische Pfad ist um eine Tafel reicher. Sie erinnert in der Frösnerstraße an die Gründung des VfB vor 100 Jahren.

Bad Cannstatt - Vier Sportvereine aus Wangen und Hedelfingen haben es kürzlich getan, drei aus Zuffenhausen schon vor ein paar Jahren und die Stadt Stuttgart unterstützt es finanziell: Fusionieren ist in. Professionelles Arbeiten, moderne Angebote und mehr Zulauf versprechen sich Experten von Zusammenschlüssen von mehreren kleinen zu einem Großverein. Wie erfolgreich eine Fusion sein kann, beweist die Geschichte des VfB Stuttgart.

Vor 100 Jahren, am 2. April 1912, haben sich rund 70 Vertreter des Cannstatter Kronen-Klubs und des FV Stuttgart in Bad Cannstatt getroffen und Nägel mit Köpfen gemacht: Die beiden Vereine haben sich nicht nur zusammengeschlossen, sondern dem neuen Verein auch einen neuen Namen sowie neue Vereinsfarben gegeben. An die Geburtsstunde des VfB Stuttgart erinnert nun eine Gedenktafel am ehemaligen Hotel Concordia in der Frösnerstraße 6.

Ein besonderer Tag für den VfB

Es sei ein besonderer Tag für den VfB, sagte der Finanzvorstand Ulrich Ruf bei der Enthüllung der Tafel: „Das Herz des Vereins schlägt in Cannstatt und nun ist er im Stadtbezirk noch präsenter.“ Dass das für die damalige Zeit doch recht gewagte Experiment der Fusion gelingen würde, war keinesfalls von Anfang an programmiert, sagt Harald Jordan, der sich intensiv mit der Geschichte des VfB Stuttgart beschäftigt hat: „Die beiden Vereine waren nicht nur durch den Neckar getrennt.“ Vielmehr seien auch die jeweiligen Philosophien sehr unterschiedlich gewesen. Während sich die Draufgänger des FV Stuttgart auch und vor allem im Rugby verdient gemacht hätten, sei der Cannstatter Kronen-Klub eine gesellschaftliche Größe mit einer eigenen Tanzabteilung gewesen.

Beide Vereine brauchten jedoch zusätzliche Spieler: Ursprünglich von Schülern gegründet, gingen ihnen die Spieler aus, weil viele wegen ihres Studiums oder nach dem Eintritt ins Berufsleben keine Zeit mehr fürs Fußballspielen hatten. Die, die dem Rasensport nachgingen, waren zur damaligen Zeit keine Stars – im Gegenteil: „Viele Fußballer erzählten damals zuhause nichts von der Sportart, die sie betrieben.“Auf dem Cannstatter Wasen wurde schon kurz nach der Vereinsgründung ein Stadion gebaut – das die Spieler allerdings nie benutzen konnten, weil es gleich nach der Fertigstellung abbrannte. „Von 1921 bis 1923 wurde das Gelände als Flugplatz genutzt“, sagt Hans Betsch vom Verein Pro-Alt-Cannstatt. 1933 habe dann der Architekt Paul Bonatz den Auftrag erhalten, ein Stadion mit 57 000 Plätzen zu bauen. Das Stadion, erinnert sich Betsch, habe eine bewegte Geschichte erlebt: Außer Fußballspielen wurden auf dem Wasen unter anderem auch Leichtathletik-Wettbewerbe und Boxkämpfe ausgetragen.

Prominenz bei der Enthüllung

Der Verein Pro-Alt-Cannstatt hat die Gedenktafel zusammen mit dem VfB und dem Arbeitersamariterbund, der an der Frösnerstraße 6 heute das Seniorenzentrum Concordia betreibt, finanziert und angebracht. Die Plakette trägt im Historischen Pfad durch Bad Cannstatt die Nummer 87 – und soll noch lange nicht die letzte gewesen sein. „In Kürze folgt die Nummer 88“, verriet Betsch bei der Enthüllung. Ganz so viel Prominenz wird dann wohl nicht zugegen sein: Zur Einweihung der Tafel in der Frösnerstraße waren der aktuelle VfB-Kapitän Serdar Tasci sowie der ehemalige Fußballprofi Günter Seibold gekommen.

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