Eis im Weinglas? Ja, das gibt es: Maximilian Frey von der Felsengartenkellerei testet seine Sommerkreation. Foto: Ralf Poller

Es war Sommer. Es war heiß. Hans-Georg Schiller, Geschäftsführer der Felsengartenkellerei, und sein Abfüllmeister Maximilian Frey ersannen deshalb eine spezielle Kreation: Ein Weißwein-Traubensecco-Mix als Slush-Eis.

Mit scharfem Blick taxiert Maximilian Frey, ob das Rührwerk in der Eismaschine das produziert, was er sich vorstellt. Eine cremefarbene Masse bewegt sich träge um sich selbst. „Sieht gut aus“, sagt der Önologe und Abfüllmeister bei der Felsengartenkellerei Besigheim.

 

Was da „aus einem Riesling, der eine gute Säure bringt, einem Muskateller, der ein schönes Aroma hat, und einem Trauben-Secco plus einem kleinen bisschen Zucker“, so Frey, in zwei bis drei Stunden Feines gefriert, hat sich zum heimlichen Sommerhit der Weingärtnergenossenschaft entwickelt: ein Slush-Getränk, erfrischend und süffig, das kühl die Kehle hinab sickert, wenn einem die Sonne aufs Haupt brennt. Vorausgesetzt, man lässt es nicht zu lange stehen.

„Wir haben uns überlegt: Wie können wir unser Portfolio um ein fruchtiges Sommergetränk erweitern?“, erzählt Frey. Der 30-Jährige, der nach der Weinküferausbildung Getränketechnologie studierte und jetzt berufsbegleitend noch den Master im Management in der Weinwirtschaft macht, begann zu experimentieren. „Wenn es zu viel Alkohol ist, gefriert es nicht. Wenn zu viel Zucker dabei ist, gefriert es auch nicht, sondern wird eher eine Art Pampe.“ Die Versuchsreihe reüssierte schließlich – der Felsengartenkellerei-Slush-Wein war geboren. „Auf der Ludwigsburger Weinlaube heißt er Frozen Gecco“, erklärt Felsengartenkellerei-Geschäftsführer Hans-Georg Schiller, der die Kreation des eisigen Hits anstieß und am Ergebnis seine Freude hat. „Hier bei Geccos Weingarten heißt er Cooler Max, nach seinem Erfinder.“

Die Grillsachen bringt einfach jeder selbst mit

Geccos Weingarten: Das ist auch so eine Sommererfindung. Vor ein paar Jahren kam Vinothek-Teamleiterin Simone Huber auf die Idee. „Für Familien ist es teils recht teuer, im Biergarten oder sonst wo schön essen zu gehen und auch noch etwas Gutes zu trinken“, sagt sie. „Wir wollten einen Anlass schaffen, zu dem die Besucher ihre Grillsachen oder ihr Picknick einfach selbst mitbringen können. Dann ist das Essen nicht so teuer, und was die Leute sparen, können sie in einen guten Wein investieren.“ Jetzt heißt es im Sommer mittwochabends also: Hereinspaziert in Geccos Weingarten. Auf dem Platz vor der Kellerei, zwischen Weinbergen und Neckar, stellt die Genossenschaft Tische, Bänke und Grills zur Verfügung, für Kinder ist ein Spielplatz da. Die Gäste müssen einfach kommen.

Und wie sie kommen! Schon um 17.30 Uhr sind die Ersten da, mit dem E-Bike, zu Fuß oder mit dem Auto. Sie reservieren Bänke und holen sich am Ausschank bei der ehemaligen Lkw-Halle – in ihr stehen jetzt Gläser, Kühl- und Gefrierschränke oder Kühlboxen – erste Getränke. Eine knappe Stunde später ist es auf dem Gelände rappelvoll, an der Wein-, Cocktail- und Alkoholfreien-Theke stehen die Gäste in Schlangen an. Auf den Grills brutzeln Würste, Spieße, Steaks oder Gemüse. Noch einmal eine Stunde später sind um die 800 Menschen da.

„Die Besucher kommen aus der ganzen Region“, freut sich Simone Huber. Wer nichts Eigenes mitbringen will, muss auch nicht hungern: Die Kellerei bietet vor Ort Flammkuchen an. „150 Stück haben wir heute sicher verkauft“, sagt Petra Eisele, die an diesem Abend am Ofen wohl den heißesten Job hat. „Wenn’s zu viel wird“, meint sie lachend, „lasse ich die Kühltruhe ein bisschen länger auf und lehne mich ein bisschen hin“.

Moment mal – tönt da gerade nicht lautstark der Song, den sich Angela Merkel zu ihrem Zapfenstreich wünschte? Stimmt: Ein paar Meter neben der Flammkuchen-Station spielt die Formation Neckarblech die Blasmusik-Version von „Du hast den Farbfilm vergessen“. Es habe sich rumgesprochen, erzählen die Neckarblech-Mitglieder Antonia Efinger, Klaus Thiele und Bernd Hofmann, dass mittwochabends in Hessigheim ein cooles Event mit Musik sei. Sie warfen ihren Hut für Geccos Weingarten in den Ring und bekamen den Gig. „Wir stehen aber noch am Anfang unserer Karriere“, meint Efinger.

Das „Neckarblech“ spielt Angela Merkels „Farbfilm“-Hymne

Die Aussage gilt aber nur für die Formation Neckarblech als solche, nicht dafür, was sie als Blasmusiker draufhaben. Die Gruppe – Efinger ist beispielsweise Dirigentin des Musikvereins Walheim – kommt aus verschiedenen Orten und trifft sich alle zwei Wochen, um zusammen zu spielen. Nach Bands suchen hätten sie nicht müssen, erzählt Vinothek-Teamleiterin Simone Huber: „Die fragen von selbst bei uns an. Für diesen Sommer sind wir schon ausgebucht.“

Schlange stehen die Besucher auch beim Eisbus von Roberto Alfieri aus Obersulm-Affaltrach. „Das hier ist mein Eiscafé auf vier Rädern“, erklärt er, während er im Akkord großzügige Portionen in Waffeln füllt oder Espressi über die Theke reicht. Alfieri hat ein Dutzend selbstproduzierter Eissorten und Kaffeespezialitäten dabei. Die Besucher sind angetan, und Simone Huber freut sich, dass sie über einen Tipp den zuverlässigen und zu den Ansprüchen der Kellerei passenden Eis-Maestro für den Weingarten gefunden hat.

Im fröhlichen Weingarten-Trubel sitzt auch Frank Pickenhagen aus Oberstenfeld mit seiner Frau und befreundeten Paaren. Die mitgebrachten Grillsachen sind schon verspeist, die Gruppe ist in lebhafte Gespräche vertieft. Was ihn an diesem Abend hergezogen hat? An der Felsengartenkellerei überrasche und imponiere ihm die Kreativität, die man mit einer Genossenschaft nicht unbedingt in Verbindung bringe, sagt er.

Die Eidechse ist überall

Das gehe vom originellen Branding – „schauen Sie sich allein mal die Grills an“, sagt er und deutet auf die heißen Schalen mit Eidechsen-Markenzeichen – über Präsentations- und Geschenkideen wie das „Viertele-Vogelhäuschen“ bis hin zu Aktionen wie eben Geccos Weingarten. „Du nimmst mit, was du möchtest, teilst mit fremden Leuten die Grillzange, alle sind nett und haben gute Laune, die Atmosphäre ist entspannt: Das ist eine tolle Sache“, findet Pickenhagen. „So etwas geht aber nur, weil die Qualität stimmt.“ Dazu brauche es ein ambitioniertes Team, das etwas von seinem Job verstehe, und einen Geist, der Initiative und Kreativität befördere, sagt er: „Das passt hier halt.“

Einer der Kreativen, Maximilian Frey, macht gegen 21 Uhr Feierabend. Der nächste Tag wird auch lang: Dann will er schauen, dass sein Slush auch auf der Ludwigsburger Weinlaube in der richtigen Konsistenz und Güte aus der Eismaschine ins Glas fließt.

Immer wieder mittwochs

Geccos Weingarten
Jeweils mittwochs von 18 bis 22 Uhr findet das Event noch bis zum 7. September im Hof der Felsengartenkellerei in Hessigheim statt. Eine Anmeldung ist nicht notwendig. Grillgut oder Picknick bringen die Gäste selbst mit, Getränke werden vor Ort verkauft. Der Weinverkauf ist an diesen Mittwochabenden bis um 22 Uhr geöffnet

Schräge Sachen
Ihr Sortiment von heimischen Winzern inszeniert die Weingärtnergenossenschaft mit teils ungewöhnlichen Aktionen: etwa mit der „Schrägen Weinnacht“, bei der in den Steilhängen auch abgeschrägte Gläser verwendet werden. Mehr Info zu Sortiment und Programm unter www.felsengartenkellerei.de