Andreas Läsker, den alle Bär nennen, ist der fünfte Mann der Fantastischen Vier. „Der Bär ist eine Naturgewalt“, sagt And.Ypsilon. Ohne dessen Power wäre die Band nicht so weit oben. Den 60. Geburtstag feiert der Chef mit 220 Gästen im neuen Ludwigsburger Hifi.
Happy Bär-Day! „Absagen werden nicht akzeptiert“, steht auf der in bunten Farben liebevoll gestalteten Einladung. Geboren ist der Gastgeber in jenem Jahr, in dem John F. Kennedy behauptete, ein Berliner zu sein und kurze Zeit später erschossen wurde. 60 Jahre ist das nun her. Andreas „Bär“ Läsker ist ein Ludwigsburger und beruflich in seine Heimatstadt zurückgekehrt.
Bevor der Manager der Fantastischen Vier, der auch seine eigene Frau Gabi Läsker mit immer neuen Ideen überrascht, am kommenden Donnerstag die Bar Hifi bei der Kulturstätte Scala an der Stuttgarter Straße in Ludwigsburg eröffnet, feiert er dort mit 220 Menschen, die er mag, seinen runden Geburtstag. Sehr familiär wirkt die Party mit einer bunt zusammengewürfelten Gästeschar. Von Handwerkern bis zu fantastischen Bühnenheros, von DJ-Kollegen der 80er bis zur Familienbande – alle sind gern gekommen zu einem ungekünstelten, lässigen Fest ganz ohne Reden, aber mit veganen Köstlichkeiten.
Auf der Einladung beruhigt ein Zitat von Elton John ein bissle. „60 is the new 40 right now“, steht da drauf. Hat Sir Popstar mal gesagt. 60 soll demnach das neue 40 sein oder so ähnlich. Aber wen jucken Zahlen, wenn einer so energiegeladen, kreativ, lustig ist wie der Fanta-Bär und wenn er noch immer voller Pläne steckt, die sich nicht nur aufs Managen einer der erfolgreichsten deutschen Bands beschränken?
Michael Gaedt sagt: „Er ist kein Problembär“
Von den Fantastischen Vier musste nur Smudo aus familiären Gründen absagen. „Bär“ ist ihr fünfter Mann. Seine Jungs – alle sind 54 oder 55 Jahre alt – verdanken ihm viel. Bei der Geburtstagsfeier drückt es Andreas Rieke alias And.Ypsilon, das einzige noch in Stuttgart lebende Bandmitglied, so aus: „Bär ist eine Naturgewalt“, sagt er – und ergänzt nach einer kurzen Pause: „Eine Naturgewalt, die sanft ist.“ Entertainer Michael Gaedt, der dabei steht, kapiert auf Anhieb, was gemeint ist: „Er ist also kein Problembär.“ Ohne die Energie von „Bär“, der die Band seit über 35 Jahren antreibt, wären die Fantas nicht so weit gekommen und vor allem nicht so lange ganz oben geblieben.
In der neuen „Bär“-Bar Hifi, deren direkter Zugang zum Scala-Foyer geöffnet ist, wo ebenfalls der 60. gefeiert wird, hängen Bilder aus Läskers Sammlung an der Wand, die sich fast immer mit Musik befassen. Die Musikanlage ist von hoher Qualität. Der Sound ist perfekt, aber trotzdem nicht so laut, dass man sich anschreien muss. Am Donnerstag wird das Hifi eröffnet. Läsker hat „gute Leute“ gefunden, sagt er, die sich um das Geschäft kümmern. Sein Fanta-Büro befindet sich weiterhin im Stuttgarter Römerkastell.
Bei der Geburtstagsfeier werden alte Geschichten erzählt, von denen viele so schön sind wie die Hits. Etwa die Geschichte vom Plattenladen an der Immenhofer Straße, den „Bär“ in den 80ern führte und in den ein langhaariger 20-Jähriger kam. Er hieß Michi Beck. Irgendwann brachte Michi eine Kassette von seiner Band mit, die zum Teil auf Deutsch rappte. Der Ladenbesitzer fand die Musik Klasse. Hip-Hop war gerade groß im Kommen, nur noch nicht auf Deutsch. Obwohl „Bär“ als bisheriger DJ und Plattenladeninhaber mit Pleitepotenzial nicht wusste, was ein Manager zu tun hat, wollte er einer für die Band werden. Der Rest ist deutsche Popgeschichte.
In der Stretchlimousine ins Müsli
Unvergessen ist auch wie die Fantas 1992 im Theaterhaus in Wangen ihr Album „4 gewinnt“ vorstellten und sich danach in einer sechstürigen Stretchlimousine samt Motorrad-Eskorte zur After-Show-Party ins Müsli chauffieren ließen. In dem Straßenkreuzer gab’s Cognac. Einmal brachte „Bär“ vier Koffer mit 50 000 D-Mark mit. Die Jungs sollten wissen, wie sich die Scheine anfühlen.
Schon damals sprach Läsker ein Machtwort, dem sich alle beugten. Smudo wollte aus „4 gewinnt“ als erste Single „Saft“ raushauen – der Manager dagegen „Die Da“. Ein Song über den Austausch von Körperflüssigkeiten werde im Jahr 1992 niemals im Radio gespielt, war seine Befürchtung. „Die Da“ war der erste Superhit – und blieb kein One-Hit-Wonder!
Auftritt am 27. Juli 2024 im Hof des Ludwigsburger Schlosses
Der Blick geht freilich nach vorne. Im nächsten Sommer werden die Fantas in „Bärs“ Heimatstadt spielen, wo er nun auch mit seiner Frau und den beiden Hunden wohnt. Im Hof des Ludwigsburger Schlosses tritt die Band am 27. Juli 2024 auf. Davor steht traditionell das Heimspiel vor Weihnachten in der Schleyerhalle an. „Könntet ihr nicht jedes Jahr bei den Jazz Open spielen?“, fragt ein Gast. Denn dort im Ehrenhof des Neuen Schlosses sind die Konzert der Vier immer was ganz Besonderes.
Eine große Familie feiert im Hifi und Scala-Foyer. Weil’s eine lange Nacht wird, kümmern sich Freunde des Ehepaars Läskers um die Hunde. „Wir leben in der kompliziertesten Welt aller Zeiten“, sagt „Bär“, „und deswegen sollten wir unbedingt feiern.“