Pinar Yorulmaz (links) und Derya Bermek-Kühn mit Cafer in der Mitte. Foto: Fritzsche

Das deutsch-türkische Projekt Agabey-Abla feiert fünfjähriges Bestehen. Menschen helfen Schülern bei den Hausaufgaben und unternehmen mit ihnen etwas in der Freizeit. Inzwischen ist ein kleines Netzwerk entstanden.

S-Mitte - Wir wollten eine neue Definition von Begabung in der Einwanderungsgesellschaft haben, und ehrenamtliches Engagement fördern“, beschreibt Derya Bermek-Kühn die Entstehung des Mentorenprojekts Agabey-Abla des Deutsch-Türkischen Forums Stuttgart (DTF). Agabey Abla bedeutet großer Bruder, große Schwester – und in dieser Rolle stehen die Mentoren, die sich um jüngere Schützlinge kümmern, mit ihnen die Hausaufgaben machen, ein Theaterstück besuchen oder ins Museum gehen.

Im Frühjahr 2009 hat das DTF ein Stipendienprogramm für begabte deutschtürkische Gymnasiasten und Studierende eingerichtet – diese Stipendiaten sind gleichzeitig Mentoren von deutsch-türkischen Schülern. „Wir haben die Schulen angefragt, wer mitmachen möchte“, erinnert sich Bermek-Kühn. „Wir sind an die Hochschulen gegangen, sogar auf Konzerten haben wir junge Leute angesprochen.“ Mittlerweile sind solche Aktionen nicht mehr nötig: „Die Mentoren bewerben sich bei uns mit Lebenslauf und Motivationsschreiben“, erklärt Bermek-Kühn. „Die Schüler werden von der Schule vorgeschlagen, und wir schauen dann, wer zu wem passt – es muss auf beiden Seiten passen.“

Die Gemeinschaft spielt eine große Rolle

In den fünf Jahren seit Projektstart sind etwa 200 Kinder von 182 Mentoren betreut worden. „Mindestens ein Jahr lang sollen sich die Mentoren um die Kinder kümmern“, erklärt Derya Bermek-Kühn, bis zu drei Jahre lang ist das möglich. Eine große Rolle im Konzept spielt die Gemeinschaft, die sich aus den Agabey-Abla-Mentorenpärchen entwickelt: Veranstaltungen und Schulungen werden nicht nur für die Mentoren, sondern auch für die Eltern der betreuten Kinder angeboten. Gemeinsame Treffen gibt es auch für alle Mentorenpärchen, so dass mittlerweile ein richtiges kleines Netzwerk entstanden ist.

Das war auch am Sonntagnachmittag beim deutsch-türkischen Sommerfest auf dem Schillerplatz zu spüren, mit dem das fünfjährige Bestehen des Programms gefeiert wurde. Ehemalige Mentoren trafen auf einstige Schützlinge. Eine der ehemaligen Mentoren ist Pinar Yorulmaz. „Ich habe bis vergangenes Jahr zwei Jugendliche betreut, einen Jungen und ein Mädchen“, erzählt sie. Mit beiden hat sie heute noch Kontakt. Neben dem gemeinsamen Lernen hat sie auch gerne Ausflüge ins Lindenmuseum oder ins Theater gemacht. „Es war für die Kinder immer etwas Besonderes, gemeinsam etwas zu unternehmen.“ Die Vermittlung zwischen deutscher und türkischer Kultur ist Yorulmaz wichtig: „In der Türkei ist das Schulsystem ganz anders, man muss auf beiden Seiten informieren und aufklären, um Missverständnisse zu vermeiden.“

Hausaufgaben machen zu zweit mehr Spaß

Für das Deutsch-Türkische Forum ist das Mentorenprogramm eine kleine Nachwuchsschmiede. Yorulmaz etwa ist beim Forum aktiv, mittlerweile leitet sie das Netzwerk der Agabey-Abla-Alumnis, das gerade aufgebaut wird. „Ein erstes Treffen hat es bereits gegeben, zweimal im Jahr wollen wir zusammenkommen.“ Ihr ist es wichtig, die Kontakte im Mentorenprogramms zu behalten und auszubauen: „Wir dürfen die Potenziale nicht gehen lassen, sondern müssen sie bündeln.“ Sie denkt dabei an die Vermittlung von Praktikumsplätzen für die Schützlinge der ehemaligen Mentoren.

Der zehnjährige Cafer geht auf die Rosenschule in Zuffenhausen und hat bereits seit einigen Jahren eine „große Schwester“ gefunden. Er erzählt: „Zuerst machen wir zusammen die Hausaufgaben, und danach ein Spiel, am liebsten Monopoly.“ Er findet: „Die Hausaufgaben machen zu zweit einfach mehr Spaß.“

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