Um die Folgen des Bahnstreiks abzufedern, verlagern etliche Unternehmen Transporte von der Schiene auf die Straße und rechnen mit Mehrkosten. Wie der Streik Audi, Mercedes, Porsche, Mahle, ZF & Co trifft, zeigt unsere Umfrage.
Bis zu 3000 Güterzüge schickt die Deutsche Bahn-Tochter Cargo täglich über die Schiene – aber nicht während des GDL-Streiks. Das trifft die Wirtschaft. „Ein eintägiger bundesweiter Bahnstreik kostet etwa 100 Millionen Euro am Tag an Wirtschaftsleistung“, sagte Michael Grömling, Konjunkturchef des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln). Wie Unternehmen im Land reagieren, zeigt die Umfrage unserer Zeitung.
Der Autobauer steht im engen Austausch mit seinen Logistikdienstleistern. „Im Hinblick auf den aktuellen Streik arbeiten wir gemeinsam mit unseren Transportpartnern laufend an Alternativen“, sagt ein Sprecher und will keine weiteren Details nennen. Der Ausstand der Lokführergewerkschaft zwingt die DB Cargo, die Güterzüge zu priorisieren. Höchste Wichtigkeit hatte bereits beim letzten Streik die Batterie-Lieferung von Mercedes in Untertürkheim nach Bremen.
Man setze alles dran, die Logistikketten aufrecht zu erhalten, sagt ein Sprecher des Werks in Neckarsulm. Der Autohersteller stellt teils auf Lkw-Transporte um und steht in engem Austausch mit seinen Logistikpartnern, um flexibel reagieren zu können. Etwaige Auswirkungen des Streiks ließen sich derzeit nicht abschätzen, da dies vom Streikverlauf und vor allem vom Wiederanlauf des Netzwerks abhänge.
Bei dem Autozulieferer sind durch den Streik „ hauptsächlich die Transportstrecken von den Seehäfen zu unseren Produktionsstandorten betroffen, da hier die Schwergüter angeliefert werden“, wie ein Firmensprecher sagt. Um Lieferschwierigkeiten zu vermeiden, hat der Autozulieferer kurzfristig auf den Straßengüterverkehr umgestellt und rechnet daher nicht mit einem Produktionsstillstand. Allerdings fielen deutliche Mehrkosten in der Logistik an. Mahle-Kunden würden in erster Linie über Lkw beliefert. Sollten die Streiks jedoch über längere Zeiträume oder regelmäßig erfolgen, seien Engpässe möglich, die dann auch Auswirkungen auf die die Produktion haben könnten.
ZF Friedrichshafen
Bei dem Autozulieferer sind vom Bahnstreik derzeit weniger als zwei Prozent des gesamten Transportvolumens von ZF in Deutschland betroffen. Über die Schiene transportiert ZF hauptsächlich Stahlcoils für das Werk in Schweinfurt– jährlich 50 000 Tonnen, was umgerechnet etwa 1350 Lkw-Ladungen entspricht. Das Frachtmanagement stehe in engem Austausch mit den beauftragten Spediteuren und den ZF-Werken. Dadurch sei man in der Lage, flexibel auf Liefereinschränkungen zu reagieren und könne bei Bedarf auf Transporte via Lkw ausweichen, sagte ein Sprecher. Der Standort Friedrichshafen sei nicht betroffen.
Porsche
Aktuell ist der Sportwagenbauer nach eigenen Angaben von den Auswirkungen der Bahnstreiks nicht betroffen. Die Versorgung der Werke mit Teilen läuft über Lkw, der Transport fertig produzierter Fahrzeuge aus dem Werk ist für den Streik-Zeitraum nicht geplant beziehungsweise hier nutzt Porsche Leerwaggons oder kompensiert das mit Lkw-Transporten. Dafür stünden ausreichend Kapazitäten zur Verfügung, sagte ein Sprecher.
Dürr
Die bei Dürr in Bietigheim-Bissingen hergestellten Lackierroboter werden grundsätzlich per Lkw zur Verschiffung an den Seehafen transportiert, auch die zugekauften Komponenten für die Montage sind vom Bahnstreik nicht tangiert. Für einige wenige Komponenten, die Dürr für Lackieranlagen ins Ausland verschickt, wird die Schiene genutzt, doch auch hier fällt der Bahnstreik nicht ins Gewicht, da die Teile bereits am Seehafen oder auf dem Schiff seien, wie ein Sprecher sagt.
Rolls-Royce Power Systems
Die Produktion von MTU-Antriebssystemen und Energieanlagen bei Rolls-Royce Power Systems in Friedrichshafen ist vom GDL-Streik „in geringem Umfang“ betroffen, wie ein Sprecher sagt. Der Großteil der Lieferungen läuft per Lkw. Was über die Bahn komme, könne man auf die Straße umleiten und so die Produktions- und Lieferfähigkeit gewährleisten.
Chemieriese BASF trifft es härter. Das Werk in Ludwigshafen wickelt rund 30 Prozent seiner Transporte per Güterzug ab und versucht die Transporte auf Lkw zu verlagern, Termine zu verschieben und verstärkt eigene Lokomotiven und Lokführer einzusetzen. Uwe Liebelt, Leiter des BASF-Stammwerks Ludwigshafen, rechnet mit negativen Auswirkungen, die noch größer sein dürften als beim vorherigen Streik und übt harsche Kritik am GDL-Streik: „Solche Aktionen schaden der deutschen Industrie und dem Standort Deutschland.“ Durch den Bahnstreik sei BASF gezwungen, Bahntransporte im großen Stil auf Lkw zu verlagern. Logistikkosten und CO2-Ausstoß würden dadurch steigen. Die großen Rohstoff-Transporte zwischen den BASF-Werken Ludwigshafen, Schwarzheide und Antwerpen sind nicht vom Streik betroffen. Für diese Züge hat die BASF werkseigene Lokomotiven und Lokführer. Betroffen sind vor allem Kunden, die nur wenige Waggons mit Produkten bei der BASF bestellen. Diese Züge der Deutsche-Bahn-Tochter DB Cargo fahren wegen des Streiks nicht.