Ein bekanntes Bild: Der nun angekündigte Warnstreik der GDL ist bereits der vierte in diesem Tarifkonflikt. Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

Bahnkunden werden wieder mit einem Streik gequält. Die Kompromisslosigkeit, mit der GDL-Chef Weselsky die Verhandlungen führt, ist unangebracht , findet unser Autor Jonas Schöll.

Wenn der Name Claus Weselsky fällt, schwant Bahnfahrern dieser Tage nichts Gutes. Dann wird es in der Regel ungemütlich. Reisepläne werden über den Haufen geworfen und teure Alternativen gebucht. Denn wenn der Vorsitzende der Lokführergewerkschaft GDL den Daumen senkt, herrscht Stillstand auf Deutschlands Schienen. Sechs Tage Bahnstreik von Mittwoch an – eigentlich, so könnte man meinen, müsste diese Nachricht die Bahnkunden inzwischen kalt lassen. Es ist schließlich bereits der vierte Ausstand seit Mitte November – doch die Dauer tut vielen weh.

 

GDL setzt auf volle Eskalation

Was dabei nervt: Die GDL setzt auf volle Eskalation. Klar, das Streikrecht ist heilig und wird durch das Grundgesetz geregelt. Doch dass der Ausstand der Lokführer diesmal besonders rigoros geführt wird, dürfte auch damit zu tun haben, dass Weselsky demnächst in den Ruhestand geht. Zum Finale will er sich ein Denkmal setzen – auf dem Rücken frustrierter Fahrgäste.

In der Sache gibt es gute Gründe für den Arbeitskampf der Lokführer, die häufig im Schichtdienst arbeiten, wegen der Personalnot oft an der Belastungsgrenze. Doch bei allem Verständnis für die Lokführer: Der harte Streik zum jetzigen Zeitpunkt ist übertrieben. Denn mit ihrem jüngsten Angebot zeigte die Bahn die Bereitschaft, über Arbeitszeitverkürzung zu verhandeln. Ja, erst für Anfang 2026 und auch nur von 38 auf 37 Stunden pro Woche. Das ist offenbar nicht genug für Weselsky. Darüber ließe sich ja verhandeln. Stattdessen wird einfach wieder gestreikt. Diese Kompromisslosigkeit geht vielen auf die Nerven. Wenn die GDL für ihr Anliegen nicht vollends Rückhalt und Verständnis in der Bevölkerung verspielen will, sollte sie zügig an den Verhandlungstisch zurückkehren.